Vom Saulus zum Paulus

Das neue Kongress-Format: 
Innovative Operationstechniken auf dem Prüfstand

 
dt
von Graefe Saal 16:30 - 17:45 29.09.2016
Symposium Do23
Vom Saulus zum Paulus

Wer kann sich noch an die anfängliche Ablehnung der Phakoemulsifikation erinnern? Heute ist diese Therapie nicht mehr wegzudenken. Vor einigen Jahren stieß dann die minimal-invasive Vitrektomie auf große Skepsis – ein Segen für die Patienten, wie sich herausstellte. Doch manche andere zunächst vielversprechende Operationstechnik, etwa die radiäre Opticus-Neurotomie bei ZVO, die Opticusschlitzung bei AION oder die Makularotation, verschwand nach kurzer Zeit wieder stillschweigend in der Versenkung. Wie kann der Augenarzt erkennen, ob es sich bei einer neuen Methode bloß um einen Marketing-Hype handelt oder ob sie tatsächlich Vorteile für Patienten bringt? Auf Evidenz durch randomisierte Studien zu warten – wie es etwa bürokratische Institutionen tun können – ist unrealistisch, langwierig und enthält dem Patienten einen möglichen Benefit vor.

Wie gehen wir Augenärzte mit diesem Problem um? Diskussion und Orientierung auf diesem schwierigen Terrain soll das Symposium „Vom Saulus zum Paulus“ bieten, das Kongress-Präsident Professor Dr. med. Horst Helbig in diesem Jahr neu ins Leben ruft. Am Ende des Tages bleibt dem Kliniker eigentlich nur das Prinzip „Trial and Error“, unter weitestgehendem Ausschluss möglicher Risiken. Das wiederum setzt den Mut voraus, tradierte Ansichten gegen den Strich zu bürsten, konservative Standpunkte zu verlassen, aber auch eingeschlagene Irrwege als solche zu erkennen. In diesem Sinne referieren erfahrene Kliniker über ihren Umgang mit Sackgassen in der Retinologie, die schwierige Geburt der nahtlosen Vitrektomie, die aktuelle Kontroverse um minimal-invasive Glaukomchirurgie und Trabekulektomie sowie die (überholte?) Annahme, bei der refraktiven Chirurgie handele es sich ja nur um „Lifestyle-Medizin“. Ziel des neuen Formats ist, in der offenen Diskussion mit Kollegen persönliche Erfahrungen auszutauschen – und vielleicht das validierte, von Verantwortung geleitete „Bauchgefühl“ des unabhängigen Klinikers als Entscheidungskriterium bei der Bewertung von Innovationen der „Evidenz basierten Medizin“ gegenüberzustellen.