Symposien Sonntag

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Saal 2 10:00 - 11:15 02.10.2016
Symposium So09
"Phantasie ist wichtiger als Wissen": Ungewöhnliche Ideen in der Augenheilkunde und was aus ihnen geworden ist
Vorsitzende/r: Jens Martin Rohrbach (Tübingen), Carl Erb (Berlin)

Getreu dem Zitat von Albert Einstein "Phantasie ist wichtiger als Wissen" wird auf für ihre Zeit ungewöhnliche, ja zumTeil fast schon revolutionäre Ideen in der Augenheilkunde eingegangen. Einige davon sind - zum Teil in "Nachahmerversionen" - heute gängige Praxis. Andere haben sich nicht im klinischen Alltag durchgesetzt, trotzdem aber zum Gewinn an Erkenntnis und "Skills" beigetragen.
Referent/in: Jens Martin Rohrbach (Tübingen)
Wenngleich die Medizin soweit wie möglich auf gesicherten Erkenntnissen praktiziert werden sollte („evidence based medicine“), so ist es die Phantasie, welche ganz wesentliche Triebfeder des Erkenntniszuwachses war und ist. Waren die meisten Neuerungen auf dem Gebiet der Augenheilkunde „folgerichtig und logisch“, so gab es einige, die auf völlig neuartigen, zum Teil schon revolutionären Konzepten beruhten wie z.B. der Schutz von Hornhauttransplantaten durch Kondomgummi, der Hornhautersatz durch „fremdes Gewebe“ wie Knorpel oder die Therapie von Funktionsstörungen mit (Ratten-) Gift. Selbst wenn sich die ursprünglichen Vorschläge letztendlich nicht durchsetzten, so haben sie doch bis heute Nachahmer gefunden. So kann z.B. - obwohl der Nachweis eines direkten Zusammenhangs (noch) nicht erbracht werden konnte - etwas vermutet werden, dass die Idee der Amnion-Transplantation aus dem „Hornhaut-Kondom“ abgeleitet wurde.
Referent/in: Carl Erb (Berlin)
Referent/in: Karl Ulrich Bartz-Schmidt (Tübingen)
Anfang der 90iger Jahre brachten Machemer und Steinhorst die Idee auf, Patienten mit einer alterabhängigen Makuladegeneration operativ zu behandeln. Ihre Idee bestand darin, die primär nicht erkrankte Netzhautmitte auf eine gesündere Unterlage oberhalb des Zentrums zu translozieren. In Deutschland wurde dieses OP-Verfahren zunächst von Kirchhof aufgegriffen. Eckardt´s zusammen mit Conrad ergänzten den Eingriff durch eine Augenmuskeloperation, die sogenannte Windmühlen-Operation, durch die die Translokation der Netzhaut durch eine Gegenrotation des Bulbus weitestgehend ausgeglichen werden konnte. Danach erfreute sich das Verfahren zunehmender Beliebtheit und es wurden von einzelnen Operateuren vergleichweise große Fallzahlen operiert. Als Alternative gab es damals nur die Laserbehandlung oder die chirurgische CNV-Extraktion. Einzig durch die Makulatranskolaktion konnte bei über 40% der operierten Patienten eine funktionelle Besserung um 3 Zeilen oder mehr nach 1 Jahr nachgewiesen werden. Allerdings gab es eine Rate von bis zu 20% der Patienten, in deren Verlauf es postoperativ zu einer PVR-Ablatio und damit zu einer persistierenden Funktionsminderung kam. Auch gegenüber der PDT (zu Beginn der 2000 er Jahr) war die Makulatranslokation noch das überlegene Verfahren. Erst mit dem Einsatz der AntiVEGF Therapie mittels Bevazizumab ab September 2005 zeigte sich, dass die Makulatranslokation keine Zukunft mehr im Behandlungsarmarium mehr haben wird. Zwar entsprach die Rate der funktionellen Besserungen nach AntiVEGF der Rate nach Makulatranslokation allerdings war aufgrund der drastisch geringeren Komplikatiosnrate das Verfahren der intravitrealen Medikamentenapplikation dem operativen Verfahren überlegen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass eine Makulatranslokation heute nicht zur Anwendung gebracht wird.
Referent/in: Frank Schäffel (Tübingen)
Durch die Verfügbarkeit von Tiermodellen seit etwa 1970 und wegen der Zunahme der Myopie in vielen Ländern ist die Myopieforschung massiv intensiviert worden. Einige neue Ideen zur Entstehung der Myopie sind aufgekommen und Vorschläge zur Hemmung ihrer Progression abgeleitet worden. Aber was ist wirklich neu? Bereits 1860 gab es diverse Hypothesen, warum Myopie entsteht. Der Vortrag soll die Fortschritte seit 1860 darstellen.
Referent/in: Florian Gekeler (Stuttgart)
Elektrische Stimulation von menschlichem Gewebe zu therapeutischen Zwecken gewinnt derzeit wieder allgemein an Bedeutung nachdem sie lange als eine Art "Mesmerismus" in der Kuriositätenecke der wissenschaftlichen Medizin verschwunden war. Neuere, wissenschaftlich gut durchgeführte Studien belegen die Möglichkeiten, die sich durch diese "alte" Therapiemethode bei Augenerkrankungen ergeben.