Postersitzungen, Samstag, 1. 10. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 5 13:45 - 14:45 01.10.2016
Postersitzung PSa05
Plastische Chirurgie, Lider, Orbita // Plastic Surgery, Lids, Orbita
Vorsitzende/r: Karl-Heinz Emmerich (Darmstadt), Leonard Holbach (Erlangen)

Referent/in: Timothy Hamann (Kiel)
Einleitung:Bei Episoden orbitaler Schmerzen mit Ophthalmoplegie ist die aufsteigende Aspergillusinfektion der Orbitaregion eine seltene,lebensbedrohliche Differentialdiagnose des Tolosa Hunt Syndroms(THS),die auch in immunkompetenten Patienten auftritt.La Mantia et al beschrieben unter 124 Fällen von THS 2 Fälle infektiöser Genese.Wir möchten anhand eines Patientenbeispiels die Bedeutung der interdisziplinären Ursachenabklärung bei Verdacht auf THS verdeutlichen. Patient: Ein 52 jähriger ansonsten gesunder, immunkompetenter Patient wurde uns mit Verdacht auf THS rechts vorgestellt.Er beschrieb eine seit 2 Monaten zunehmende Ptosis,Visusverschlechterung,sowie orbitale Schmerzen und Motilitätseinschränkung.Unter Ausschleichen einer systemischen Steroidtherapie sei es zur Zunahme der Symptome gekommen.Eine MRT und eine Liquorpunktion seien unauffällig gewesen.Es zeigten sich rechts eine Parese des N.culomotorius,des N.abducens,rechtsseitige Kopf- und Bulbusschmerzen.Bei Verdacht auf THS wurde eine Hochdosissteroidtherapie angesetzt. Ergebnis: Eine erneute MRT zeigte einen infiltrativen,entzündlichen Prozess mit Beteiligung der rechten Siebbeinzellen, des Sinus cavernosus dexter mit Ausdehnung über den Canalis opticus in den rechten Orbitatrichter ohne granulomatösen Aspekt.Die CT zeigte Arrosionen umgebender knöcherner Strukturen.Die Therapie wurde um eine Antibiose ergänzt.Bei zu erwartenden intraoperativen Risiken wurde eine Biopsie zurückgestellt.Unter Therapie zeigte sich eine leichte Besserung der Symptomatik.Bei Wiedervorstellung mit MRT 4 Wochen später konnte bei progressiver Substratentwicklung,ein tumoröses Geschehen nicht ausgeschlossen werden.Die Biopsie ergab den Nachweis von Aspergillus fumigatus.Nach notfallmäßiger neurochirurgischer Intervention und systemischer fungizider Therapie trat eine Befundbesserung ein.3 Jahre später zeigte sich neuroradiologisch bestätigt ein stabiler Befund. Schlussfolgerung:Ein Beharren auf der Diagnose THS wäre hier fatal gewesen.Das Ansprechen auf die Steroidtherapie ist nicht ungewöhnlich,aber ein zwiespältiges Diagnosekriterium.Glukokortikoide haben eine antiödematöse Wirkung im ZNS,die zur Maskierung der Symptome führen kann.Bei Verdacht auf THS ist besonders bei reduziertem Ansprechen auf eine Steroidtherapie,Affektion knöcherner Strukturen und sinonasaler Beteiligung eine interdisziplinäre Reevaluation der Diagnose mit erneuter Bildgebung und Biopsie anzuraten,um eine infektiöse Genese auszuschließen.
Referent/in: Stefanie Pape (Bremen)
Hintergrund: Eine Differentialdiagnose zur Myasthenia Gravis bei Oberlid-Ptosis ist die seltenere Okulopharyngeale Muskeldystrophie (OPMD). Hierbei handelt es sich um einen autosomal-dominant vererbten Gendefekt auf Chromosom 14 mit Zunahme der GCG-Triplets, welche für die Aminosäure Alain kodieren. Fallbeispiel: 52-jähriger Mann stellt sich mit seit Jahren schleichend zunehmender Oberlid-Ptosis bds. vor. Anamnestisch war bis auf eine Polyneuropathie unklarer Genese mit Betonung der unteren Extremität der Patient gesund. In Neutralposition war sicher das obere Drittel der Pupille bedeckt, die Levatorfunktion deutlich reduziert. Der Simpson-Test fiel negativ aus. Trotzdem erfolgte eine Bestimmung der Acetylcholinrezeptor-Antikörper zum Ausschluß einer Myasthenia Gravis als Ursache der Oberlid-Ptosis. Der Nachweis fiel negativ aus. Nebenbefundlich war bei Erstvorstellung eine Dysphonie auszumachen sowie Beschwerden beim Schluckvorgang zu erkennen, woraufhin der Patient auch bestätigte, dass er sich häufig verschlucken würde, eine HNO-ärztliche Untersuchung aber keinen pathologischen Befund ergab. Eine neurologische Mitbeurteilung erbrachte den Verdacht auf eine Okulopharyngeale Muskeldystrophie bei Hutchanson-Trias mit Mehrinnervation des M.Frontalis bei Oberlid-Ptosis, Dyphagie und Dysphonie. Molekulargenetisch war eine Zunahme der GCG-Tripletts nicht nachweisbar. Die Durchführung einer Muskelbiopsie, zum Nachweis von Einschlußkörperchen in Zellkernen typisch bei OPMD, lehnte der Patient ab. Es wurde beiseite eine anteriore Levatorresektion durchgeführt. Fazit: Die allgemeine Anamnese ist bei scheinbar offensichtlicher involutiver Oberlid-Ptosis sehr wichtig. Differentialdiagnosen müssen diskutiert und entsprechende Therapiemaßnahmen angepasst werden, trotz möglicherweise fehlender, vermeintlich beweisender Nachweistests.
Referent/in: Stefan Lang (Freiburg)
Purpose: Vismodegib, the first Hedge Hog inhibitor approved for treatment of basal-cell carcinoma, has dramatically changed the management of advanced periorbital basal–cell carcinoma. We present a retrospective case series to report on the opportunities and challenges of vismodegib treatment for advanced basal-cell carcinoma of the periorbit. Methods: We assessed all patients treated for periorbital basal-cell carcinoma from June 2012 to March 2016. Patients that fulfilled criteria for vismodegib therapy were included in this case series. Medical history of each patient, including acceptance, complications and duration of vismodegib treatment were analysed. Results: Between June 2012 and March 2016 684 patients were treated for periorbital basal-cell carcinoma. 11 patients, who were evaluated for vismodegib treatment, could be included in this case series. Age ranged from 67-97 years (m= 84, SD 8,9). All patients had long standing diseases. 3 patients suffered from dementia. 9 patients presented with tumour recurrence after multiple previous dermatological surgical procedures. 4 patients had tumour induced corneal ulcers, two with perforation and one with endophthalmitis. Although vismodegib therapy was indicated for all patients, treatment was accepted in only 7 of these 11 patients. 3 patients refused treatment and in one patient insufficient support and acceptance of his general practitioner and nursing staff led to treatment failure. Patients were treated for 1 to 45 months (m=14,1; SD 14,3) with 150 mg vismodegib per day. In 3 patients vismodegib treatment was terminated after 1, 4 and 7 months respectively. All of them underwent tumour resection after cessation of therapy, two with curative intention (R0 resection). Two further patients had tumour resection under ongoing vismodegib therapy. 3 patients died during follow-up, 2 of them had rejected therapy with vismodegib. Conclusion: Advanced basal-cell carcinoma always is caused by malcompliance or inadequate, not guideline conform treatment of the primary tumour. Vismodegib treatment provides a new option for these patients in order to prevent significant, non-acceptable morbidity and blindness. Inadequate patient guidance or lack of persuasion of the patient’s general practitioner or nursing staff may lead to refusal of the treatment. Frequent follow-up is crucial to evaluate complications of vismodegib and to re-evaluate the possibility of surgery after down-staging of the tumour.
Referent/in: Kristina Rist (München)
Fragestellung: Cholesteringranulome sind orbitale Tumore, deren Pathogenese bisher noch nicht vollständig geklärt ist. Häufig geht eine Traumanamnese mit dadurch bedingter Orbitaeinblutung voraus. Eine langsame Größenprogredienz des Tumors mit Protrusio bulbi, Motilitätseinschränkungen, Auftreten von Doppelbildern und osteolytischen Veränderungen im Bereich der knöchernen Orbita können ein operatives Vorgehen notwendig machen. Aufgrund der Seltenheit des Tumors ist dieser bisher nur vereinzelt in der Literatur beschrieben. Methodik: Bei insgesamt 5 Patienten der klinikinternen Orbitasprechstunde wurde im Zeitraum von 1984 bis 2016 nach Durchführung einer vollständigen Tumorentfernung histopathologisch die Diagnose eines Cholesteringranuloms gestellt. Diese Patienten stellten sich aufgrund einer unilateralen orbitalen Schwellung mit Protrusio bulbi vor. Die durchgeführte CT-Untersuchung zeigte eine zystische Raumforderung im oberen äußeren Quadranten der Orbita mit teilweise knochenerosivem Wachstum. Ergebnis: Das Durchschnittsalter der 5 männlichen Patienten lag bei 43 Jahren. Bei allen war der Tumor im Bereich der superioren temporalen Orbita lokalisiert. Eine erinnerliche Traumaanamnese lag bei 3 von 5 Patienten vor. Bei 3 Patienten bestand eine eingeschränkte Motilität, bei 2 Patienten Doppelbilder im Aufblick. Eine komplette Resektion mittels anteriorer Orbitotomie konnte in allen Fällen erreicht werden. Zum Verschluss des knöchernen Defekts wurde bei 2 Patienten eine Plattenosteosynthese durchgeführt. Postoperativ kam es bei allen zu einer Besserung der Symptome mit Abnahme der Schwellung und der Doppelbilder. Im mikroskopischen Befund zeigte sich fibrozelluläres Gewebe mit multiplen Cholesterinkristallen, Hämosiderineinlagerungen und Erythroyztenansammlungen umgeben von zum Teil granulomatöser Entzündungsreaktion und Verkalkungen. Ein Tumorrezidiv wurde bisher in keinem Fall beobachtet (Nachbeobachtungszeitraum zwischen 6 Monate und 29 Jahre). Schlussfolgerung: Bei orbitalen Raumforderungen im Bereich des temporalen äußeren Quadranten mit einseitiger Protrusio bulbi sollte das Cholesteringranulom als Differentialdiagnose in Erwägung gezogen werden. Dabei sind osteolytische Veränderungen nicht nur hinweisend auf maligne Prozesse, sondern auch pathognomonisch für Cholsteringranulome. Ein Trauma in der Vorgeschichte muss dabei nicht unbedingt erinnerlich sein. Ziel ist eine vollständige Resektion des Tumors.
Referent/in: Lisa Zimmermann (Freiburg)
Ziel: Beschreibung einer furunkel-ähnlichen Läsion am Augenlid, die einen untypischen Erreger aufweist. Methodik: 40-jähriger Patient mit umschriebenem gerötetem Tumor am rechten Oberlid, im unteren Bereich des Brauenansatzes, der ohne vorausgegangenes Trauma oder Insektenstich bereits mehrere Wochen bestand. Unter der Annahme einer Infektion mit Staphykokokkus aureus, dem typischen Erreger eines Furunkels im Bereich eines Haarbalgs, erfolgte zunächst eine lokale Therapie mit Floxal Augensalbe. Unter dieser Therapie zeigte sich über 2-3 Wochen nur eine geringe Besserung, woraufhin eine chirurgische Exzision und histologische Untersuchung des Gewebes erfolgten. Ergebnis: Bei der histologischen Untersuchung zeigten sich eine granulomatöse Entzündung mit mehrkernigen Riesenzellen und eine oberflächlicher Ulzeration. Weiter gehende Untersuchungen ergaben einen immunhistochemischen Nachweis von Mykobakterium avium. Diskussion: Mykobakterien sind seltene Ursache einer granulomatösen Entzündung und sollten bei unklarer Genese eines therapierefraktären Granuloms als Ursache ausgeschlossen werden. Mykobakterium avium gehört zur Familie der Mycobacteria other than tuberculosis (MOTT) bzw. Nontuberculous mycobacteria (NTM). Trotz des ubiquitären Vorkommens des Erregers kommt es nur selten zu klinisch relevanten Infektionen. Typische Krankheitsbilder, die durch Mykobakterium avium hervorgerufen werden sind eine Lungenentzündung oder Lymphadenitis. Bei der Manifestation einer Infektionen spielen Verletzungen, chirurgische und kosmetische Eingriffe eine wichtige Rolle, die bei unserem Patienten jedoch nicht erfolgt waren. In der Literatur sind nur wenige Fälle beschrieben, bei denen Mykobakterium avium einen solitären entzündlichen Knoten der Haut verursacht hat. Unser Fall zeigt, dass bei papulonodulösen Hautveränderungen mit granulomatöser Entzündung auch bei immunkompetenten Patienten an Mykobakterien gedacht werden sollte, um die richtige Therapie einleiten zu können. Bei solitären Einzelknoten ist die chirurgische Exzision Therapie der Wahl. Liegen mehrere Knoten vor oder tritt ein Rezidiv auf, sollte eine systemische Therapie mit Clarithromycin, Ethambutol und ergänzend entweder Rifampicin oder Rifabutin durchgeführt werden.
Referent/in: Christina Miller (München)
Fragestellung: Untersucht wurden Patienten mit Lidkantenbasaliomen. Ziel der Untersuchung war es, die Ausdehnung der Lidkantenexzision nach einer standardisierten Exzision (definierter Sicherheitsabstand) mit der nach vorher durchgeführter OCT-Untersuchung zu vergleichen. Patienten und Methodik: In diese prospektive Fallserie wurden 20 Patienten mit neu diagnostiziertem Lidkanten-Basaliom eingeschlossen. Vor dem chirurgischen Vorgehen wurden alle Tumore klinisch beurteilt und die makroskopisch sichtbare Tumorgröße ausgemessen. Anschließend wurde die horizontale Tumorausdehnung mittels einer OCT-Untersuchung bestimmt und markiert (Michelson Diagnostics, Kent, UK). Zur Exzision wurde jeweils ein Sicherheitsabstand von 1 mm zum markierten Tumorrand addiert. Alle Präparate wurden histologisch untersucht (HE Schnitte), die 2-zeitige Lidrekonstruktion erfolgte nach histologisch gesicherter Tumorfreiheit. Die minimale Nachbeobachtungszeit lag bei 3 Monaten. Ergebnisse: Der maximale Durchmesser der OCT-bestimmten Exzisionsgröße war kleiner im Vergleich zur berechneten Standard-Exzisionsgröße (OCT-bestimmte Exzisionsgröße: 13,1 mm vs. 14,5 mm berechneten Standard-Exzisionsgröße.) Im OCT zeigte sich die horizontale Tumorausdehnung durchschnittlich um 2,8 mm größer als in der klinischen Beurteilung (0,5 mm bis 7 mm). Allerdings war auch bei 19% aller Fälle die Defektgröße nach OCT-gesteuerter Exzision größer als die kalkulierte Standardexzisionsgröße. Zwei von 40 histologischen Schnittkanten waren histologisch nicht tumorfrei und benötigten eine Nachexzision. Alle Tumore konnten mit dem OCT dargestellt werden und es zeigte sich keine nennenswerte Verwechslung mit den physiologischen Lidstrukturen (z.B. Meibomdrüsen, Haarfollikel). Nasale Tumore bei tiefliegenden Augen waren jedoch schwierig zugänglich. Schlussfolgerung: Eine OCT-bestimmte Exzision könnte helfen, gesundes Gewebe an der Lidkante bei der Exzision von Lidkanten-Basaliomen einzusparen. Die Ergebnisse dieser Fallserie zeigen in den meisten Fällen eine tumorfreie Exzision mit einem Sicherheitsabstand von 1 mm. Es sind weitere prospektive Studien und längerfristige klinische Fallserien notwendig, um den Vorteil und die Sicherheit der in-vivo OCT-bestimmten Basaliomexzison zu bestätigen.
Referent/in: Anita Koschmieder (Rostock)
Fragestellung: Zur Bestimmung der Lidschlusskraft steht im klinischen Alltag derzeit keine etablierte Methode zur Verfügung. Unser Ziel war daher die Entwicklung einer derartigen Methode unter Nutzung eines Lidsperrers in Kombination mit einer Verformungs- und Videoanalyse. Die Pilotstudie diente der Überprüfung der Praktikabilität und Reliabilität der Messungen. Methodik: Den Probanden (n=5) wurde unilateral ein mit optischen Markierungen versehener Lidsperrer nach Barraquer eingesetzt. Im Folgenden wurden die Probanden gebeten, zunächst leicht und dann mit möglichst maximaler Kraft beide Augen zu schließen. Die Bewegung der Lider und Verformung des eingesetzten Lidsperrers wurden mittels einer hochauflösenden Videospaltlampe mit 15 fps (Frames per second) aufgezeichnet. In den Videosequenzen wurden im Postprocessing mittels Tracking-Algorithmen unter Zuhilfenahme der zuvor angelegten Markierungen die Wegstrecken der Verformung des Lidsperrers ermittelt, welche der Proband erzielen konnte. Unter Kenntnis der im Vorfeld experimentell ermittelten Federkraftkennlinien der verschiedenen Lidsperrer konnte aus der ermittelten Verformung die entsprechende Lidschlusskraft zugeordnet werden. Ergebnis: In Mehrfachmessungen zeigte sich eine große Streuung der ermittelten Lidschlusskräfte der Probanden. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: bei maximalem Lidschluss: Mittelwert = 1,94 N, Range = 1,81 N, minimaler Wert = 1,19 N, maximaler Wert= 3,04 N sowie bei leichtem Lidschluss: Mittelwert = 1,31 N, Range = 2,02 N, minimaler Wert = 0,41 N, maximaler Wert = 2,61 N. Bei Mehrfachmessungen einer Person ergab sich eine exaktere Wiederholbarkeit der Ergebnisse bei maximalem Lidschluss im Vergleich zum leichten Lidschluss. Schlussfolgerung: Die entwickelte Methode ist für den Untersucher einfach durchzuführen und für die Probanden bzw. Patienten wenig belastend. Jedoch sind weitere Messungen mit größeren Probandenzahlen zur Optimierung der Methode und zur Ermittlung von Normwerten bei gesunden Probanden erforderlich. Die daraus abzuleitenden Ergebnisse könnten in der Diagnose von Lidschluss-Pathologien künftig Anwendung finden.
Referent/in: Elisa Untch (Dresden)
Fragestellung: Die Oberlid-Blepharoplastik ist eine der häufigsten lidchirurgischen Eingriffe. Postoperativ kommt es zur Beeinflussung von Aberrationen höherer Ordnung und des Kontrastsehens. Ziel der Studie war es, den Einfluss der Oberlid-Blepharoplastik in Infiltrationsanästhesie auf das Farbensehen zu untersuchen. Methodik: Die prospektive Studie untersuchte bei Patienten vor und 4 Wochen nach Oberlid-Blepharoplastik das Farbensehen anhand des entsättigten 15-HUE Farblegetest nach Lanthony. Dokumentiert wurden Intervallsumme, Fehlerscore und Schweregrad der Farbsehstörung. Ergebnisse: Bei 20 Augen erfolgte die Oberlid-Blepharoplastik in Infiltrationsanästhesie. Im Mittel erhöhten sich 4 Wochen postoperativ Intervallsumme (präoperativ 22,36±5,76, postoperativ 29,23±9,81), Fehlerscore (präoperativ 6,00±2,91, postoperativ 9,08±4,03) und Schweregrad der Farbsehstörung (präoperativ 2,00±1,11, postoperativ 2,69±1,20). Schlussfolgerung: Die Oberlid-Blepharoplastik hat Einfluss auf das Farbensehen, welches mittels entsättigtem 15-HUE Farblegetest nach Lanthony gemessen wurde. Ggf. sind Patienten vor Operation zusätzlich zu den Komplikationen darüber aufzuklären.
Referent/in: Jens Heichel (Halle)
Hintergrund: Die transkutane Dakryozystorhinostomie ist eine etablierte Operationsmethode zur Behandlung chronischer Dakryozystitiden im Rahmen von postsakkalen Tränenwegsstenosen. Klinisch stehen bei diesen Patienten Epiphora und rezidivierende mukopurulente Sekretionen im Vordergrund. Methodik: Anhand einer Falldemonstration soll die Weite der Indikation zur transkutanen Dakryozystorhinostomie dargestellt werden. Die Kasuistik wird durch Foto- und Videomaterial sowie histopathologische Befunde untermauert. Ergebnisse: Ein 53-jähriger Patient stellte sich zunächst notfallmäßig mit dem klinischen Bild einer linksseitigen Dakryophlegmone im Rahmen einer Sinusitis ethmoidalis et maxillaris vor. Der übrige ophthalmologische Status war unauffällig. Nach erfolgter konservativer Therapie mittels systemischer und topischer Antibiotikagaben sowie adstringierenden Nasentropfen kam es zu einem völligen Rückgang der Beschwerden. Im weiteren Verlauf zeigte sich ein derber und druckdolenter Tumor im Bereich des mediokaudalen Orbitarandes. Die ableitenden Tränenwege waren glatt spülbar, der Patient gab keine störende Epiphora an. Klinisch und CT-morphologisch fand sich kein entzündlicher Fokus seitens der Nasennebenhöhlen. Anhand der Anamnese wurde die Indikation zur operativen Intervention gestellt. Hier wurde zunächst durch eine diagnostische Dakryoendsokopie ein großer Dakryolith detektiert, welcher eine zelenartige Aussackung des Tränensackes ausfüllte. Über eine transkutane Dakryozystorhinostomie wurde der Tränenweg saniert. Dabei wurden der Dakryolith und ein Tränensackpolyp extrahiert. Schlussfolgerung: Auch bei relativ blander Klinik stellen große Dakryolithen und Tränensackektasien Indikationen zur transkutanen Dakryozystorhinostomie dar. Als eine Folge chronischer Entzündungsprozesse kann es zur reaktiven Bildung von Granulationsgewebspolypen in den ableitenden Tränenwegen kommen. Bei unklaren Ausgangsbefunden eignet sich die Dakryoendoskopie zur Indikationsstellung und kann eine richtungsweisende diagnostische Methode darstellen.
Referent/in: Jens Heichel (Halle)
Hintergrund: Die chronische Dakryozystitis kann sowohl primäre als auch sekundäre Ursachen haben. Neben der Epiphora und mukopurulenten Sekretionen stellen Schmerzen ein Kardinalsymptom dar. Iatrogene Fremdkörper der ableitenden Tränenwege sind selten, bedürfen jedoch einer differentialdiagnostischen Erwägung. Methodik: Anhand einer Kasuistik werden die klinischen und histopathologischen Folgen von intrasakkal verbliebenen Fremdkörpermaterialien dargestellt. Durch Foto- und Videomaterial sowie histopathologische Bilder wird der Fallbericht dokumentiert. Ergebnisse: Eine 29-jährige Patientin stellte sich mit einem schmerzhaften Tränensack des rechten Auges vor. Eine tastbare Tränensackektasie bestand nicht. Die ableitenden Tränenwege waren spülbar, zeigten jedoch einen mukösen Reflux. Anamnestisch berichtete die Patientin über eine vor sieben Jahren stattgehabte transkanalikuläre Tränenwegsoperation mit bikanalikulonasaler Intubation. Aufgrund der persistierenden Beschwerden waren über 60 Tränenwegsspülungen ambulant erfolgt. Eine diagnostische Dakryoendoskopie mit Option zur therapeutischen Intervention bis hin zur transkutanen Dakryozystorhinostomie wurde geplant. Dakryoendoskopisch konnte ein intrasakkal verbliebener Silikonschlauchrest detektiert werden. Aufgrund der Größe und Kompaktheit des Fremdkörpers (starke Verknotungen) sowie der Ausbildung ausgeprägter Schleimhautvernarbungen war eine endoskopische Bergung nicht möglich. Über eine transkutane Dakryozystorhinostomie konnte der Fremdkörper entfernt werden. Im Tränensack befand sich ein vom Fundus sacci lacrimalis zum Ductus nasolacrimalis stalaktitenartig verlaufender Granulationsgewebspolyp, welcher abgesetzt wurde. Schlussfolgerung: Verbliebenes Silikonstützmaterial kann zu schweren chronischen Entzündungen der Tränenwege führen. Auf eine vollständige Entfernung eingebrachter Intubate ist zu achten. Die Dakryoendoskopie eignet sich zur Detektion intrasakkaler Fremdkörper. Mittels transkutaner Dakryozystorhinostomie können diese sicher entfernt werden.
Referent/in: Caroline Manicam (Mainz)
Introduction: The short posterior ciliary arteries (sPCA) provide the major blood supply to the optic nerve head. To date, the morphologic and functional aberrations associated with sPCA are attributed to several ocular disorders that cause varying degrees of visual loss. However, the proteome of sPCA remains uncharacterized, which deters investigation of the regulatory mechanisms underlying sPCA-related ocular pathologies. Aim: Therefore, this study endeavoured to characterize the proteome of porcine sPCA employing the mass-spectrometry (MS) based proteomics strategy. Methods: In this study, porcine sPCA were isolated and pooled (n=5 pigs) for proteomics analysis. Vascular proteins were extracted using tissue protein extraction reagent and analysed employing the linear ion trap-Orbitrap MS system. The acquired MS spectra were analysed by MaxQuant computational proteomics platform, followed by functional annotation and pathways analysis by Ingenuity Pathways Analysis software. Results: A total of 1590 proteins were identified in the porcine sPCA with less than 1 % false discovery rate. The gene ontology cellular component analysis demonstrated that the top four cellular localizations of the sPCA proteins corresponded to cytoplasm (36 %), nucleus (10 %), plasma membrane (6 %), and extracellular space (3 %). Among these proteins, 16.6 % represented enzymes, transporters (4.4 %), transcription regulators (2.7 %), peptidases (2.2 %) and kinases (2.0 %), while a majority represented other regulator molecules (68.2 %). Cellular pathway analysis demonstrated that the top sPCA protein networks play important functions in protein trafficking, molecular transport, cellular assembly and neurological diseases. Correspondingly, many of these proteins were clustered into various cell signalling pathways that regulate vasoactivity of the sPCA. These include the endothelin-1, vascular endothelial growth factor, endothelial nitric oxide synthase, adrenergic, gap junction and G-protein coupled receptor-mediated signalling pathways. Conclusions: This is the first study to characterize the proteome of porcine sPCA. Additionally, a standard method for optimum extraction and profiling of vascular proteins was established. The potential to explore various aspects of vascular-related ocular diseases is enormous employing our established method. It is projected that the characterized proteome will provide vital resources for further study of sPCA in health and disease conditions.
Referent/in: Nicoleta Dumitrescu (Iasi)
AIM: To study the epidemiology and the histopathological features of dacryocystitis in Moldavia region, Romania. MATERIAL AND METHODS: A retrospective analysis of all pathological reports released between 1999 to 2015 was made from the files of the Department of Pathology, ”Prof. dr. N. Oblu” Iasi, Emergency Clinical Hospital of Iasi, Romania, describing a inflammatory lesion of the lacrimal drainage system. We also recorded the patients´ demographics. RESULTS: From a total of 768 cases received during a 16 years period in the Department of Pathology from the Ophthalmology Clinic of the same hospital, 18 (2.34%) cases were patients with acute or chronic dacryocystitis due to nasolacrimal duct obstruction. The treatment of cronic dacryocystitis was usually with an initial course of broad-spectrum oral and topical antibiotics followed by external dacryocystorhinostomy or dacryocystectomy. Female: male ratio was 8:1. Pacients´ median age was 66.27 years old, (range 33-83 years), 55.55% being in their eighth and ninth decades of life. The pathologic changes found in the epithelium consisted of polystratification, presence of calciform cell, invaginations similar to Henle´s glands, scuamous metaplasia or partial denudation. Often we found all these features in different parts of the same lesion. The sac wall revealed diffuse or follicular chronic inflammation. The main histopathological diagnoses, in increasing order of frequency, were: acute inflammation (5.55%), and chronic inflammation (94.45%), with non-specific type (5.55%), catarrhal type (5.55%), follicular type (11.11%), pseudoglandularis (11.11%), and hyperplastic type (61.11%). CONCLUSIONS: Dacryocistitis is a rare disease in our region, but is frequent in old women, being in their 8th or 9th decades, probably due to their defficient immune system. The histological appearances were varied. Hyperplastic type of chronic dacryocistitis was the most common diagnosis as the patients presented to the hospital too late in the evolution of their disease.