Postersitzungen, Samstag, 1. 10. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 9 13:45 - 14:45 01.10.2016
Postersitzung PSa09
Tumoren: Hinterabschnitt // Tumours: Posterior Segment
Vorsitzende/r: Sabine Aisenbrey (Oldenburg), Bernhard Jurklies (Wuppertal)

Referent/in: Luise Grajewski (Berlin)
Einleitung: Dargestellt werden die Ergebnisse der Ruthenium- Brachytherapie bei Aderhautmelanomen, die im Städtischen Klinikum Dessau seit Januar 2011 durchgeführt wird. Das Aderhautmelanom ist der häufigste primär im Auge wachsende Tumor. Je nach Tumorhöhe und Lage stehen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Strahlentherapeutisch kommen zum einen die Brachytherapie und zum anderen die Teletherapie in Frage. Die Brachytherapie mit β- emittierenden Ruthenium- Applikatoren ist eine effektive und weit verbreitete Behandlungsmöglichkeit, weil sie eine hohe lokale Tumorkontrollrate bietet. Patienten und Methoden: In die retrospektive Studie wurden insgesamt 141 Augen mit einem Aderhautmelanom eingeschlossen, welche mittels Ruthenium- Brachytherapie zwischen Januar 2011 und Dezember 2015 behandelt wurden. Es wurden die Regression sowie die mit der Brachytherapie verbundenen Nebenwirkungen ausgewertet. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens 3 Monaten. Ergebnisse: Insgesamt wurden 75 weibliche und 66 männliche Patienten eingeschlossen. Von den 141 Aderhautmelanomen zeigten 11 eine zusätzliche Infiltration des Ziliarkörpers, 44 wiesen eine zentrale Lage auf und 74 Augen zeigten eine exsudative Netzhautablösung vor der Brachytherapie. Die mittlere Sklerakontaktdosis betrug 512 Gy, die mittlere Tumorspitzensdosis 104 Gy. Die mittlere Prominenz der Aderhautmelanome vor der Therapie lag bei 4,1 mm. In 10 Fällen zeigte sich ein erneutes Tumorwachstum, nachdem zunächst eine Regression zu sehen war. Insgesamt mussten vier Augen enukleiert werden. Fazit: Die Behandlung von Aderhautmelanomen mittels Ruthenium-Brachytherapie ergab eine lokale Tumorkontrollrate von 93%, ein Bulbuserhalt konnte in 97,1% erzielt werden.
Referent/in: Theresa Steurer (Innsbruck)
Fragestellung: Ein 56-jähriger Patient wurde im Nov.2012 mit neu diagnostizierten parafovealen bilateralen Aderhautmelanomen zur Therapieentscheidung zugewiesen. Der Visus betrug bei Erstvorstellung rechts 0,4 und links 0,32 bei normalem Augendruck. Die Tumorprominenz betrug rechts 4 mm und links 3,6 mm (Tumorstadium cT2a). Zur histologischen Sicherung wurde eine transretinale Biopsie durchgeführt. Die Staginguntersuchung zeigte sich unauffällig. Ein primäres kutanes Melanom wurde ausgeschlossen. Methodik: Es wurde entschieden nach Aufnähung von je 4 Tantalum-Clips an beiden Augen eine bilaterale Protonenbestrahlung im Dez. 2012 bzw. Jan. 2013 durchzuführen. Eine besondere Herausforderung war die eindeutige Zuordnung der Tantalum-Clips zu den jeweiligen Augen in Relation zu den Tumorgrenzen. Hierzu wurde die Form und Platzierung der Tantalum-Clips in beiden Augen variiert. Der Patient wurde regelmäßig in unserer Tumorsprechstunde kontrolliert und nachbehandelt. Ergebnisse: Der Patient wurde zuletzt im Jan. 2016 in unserer Ambulanz verlaufskontrolliert. Es zeigte sich bezüglich der Aderhautmelanome eine gute lokale Tumorkontrolle mit Regressionstendenz bds.. Sonographisch wurde rechts eine Tumorprominenz von 1,5 mm und links 1,3 mm gemessen. Wegen einer strahleninduzierten Makulopathie wurden wiederholte intravitreale Injektionen von Anti-VEGF durchgeführt. Bei persistierender Glaskörperblutung bds. wurde jeweils eine Pars Plana Vitrektomie mit Endolaserkoagulation in Kombination mit einer Katarakt-Operation durchgeführt. Der Visus betrug 3 Jahre nach Behandlung rechts 0,3 und links 0,05 bei normalen Augendruckwerten. Das cystoide Makulaödem war nach erneuter Anti-VEGF-Therapie wieder rückläufig. Die lebersonographischen Verlaufskontrollen blieben bisher unauffällig. Schlussfolgerung: Dies ist der zweite Fall in der Literatur eines bilateralen Aderhautmelanoms der mittels Protonenstahlentherapie behandelt wurde. Aufgrund der foveanahen Lage wurde nach bioptischer Diagnosesicherung diese Therapie beidseits durchgeführt, die eine hocheffiziente Tumorkontrolle am hinteren Augenpol ermöglicht. Für das Management strahlenbedingter Veränderungen am Auge sind regelmäßige Kontrollen unerlässlich, um einen möglichst guten Visus erhalten zu können. In einem Beobachtungszeitraum von 3 Jahren mit kontinuierlich erforderlichen Nachbehandlungen zeigt sich derzeit eine erfolgreiche Tumorkontrolle mit ein zumindest einseitig guter Visuserhalt.
Referent/in: Miltiadis Fiorentzis (Homburg/Saar)
Purpose: To report a rare case of a retinal pigment epithelium (RPE) adenoma imitating a malignant transformed melanocytoma of the optic nerve disc, 10 years after treatment of a peripheral choroidal melanoma in the same eye. Methods: Observational case report. Results (Case report): A 54-year-old female was treated with ruthenium plaque radiotherapy due to a peripheral choroidal melanoma in the right eye. At that time a melanocytoma of the optic disc was documented in the same eye. Ten years after melanoma treatment, the patient complained about metamorphopsia and progressive visual loss. Best-corrected visual acuity (BCVA) was 6/38 OD. There was no significant change to the melanocytic lesion at the right optic disc. Six months later, however, the melanocytic tumor showed a slight increase in growth. A vitrectomy with silicone oil tamponade and a transretinal biopsy of the melanocytoma were conducted eight months later because of a retinal detachment. The cytological examination suggested a malignant transformation of the presumed melanocytoma into a melanoma and a right eye enucleation was recommended. The histologic findings led to the diagnosis of an adenoma of the retinal pigment epithelial (RPE) at the optic disc. Conclusion: This case demonstrates the clinical complexity of differentiating pigmented intraocular lesions as well as the rarity of two different neoplastic entities in the same eye. The further investigation of the molecular and immunohistochemical features of the RPE adenoma will usually aid the diagnostic process, and enhance the therapeutic approach for the affected patients.
Referent/in: Annette Hager (Berlin)
Einleitung: Um den Bulbus zu erhalten, ist bei sehr großen Aderhautmelanomen (AHMM) (max. Prominenz > 6mm) oder bei zentraler Lage des Tumors eine Protonentherapie mit 60CGE indiziert. Damit ist eine Tumorkontrollrate von >90% nach 10 Jahren möglich. Die exsudative Ablatio bei Erstdiagnose bzw. auch nach der Bestrahlung als Ausdruck einer Entzündungsreaktion, stellt im mittelfristigen Verlauf nach der Therapie eine große therapeutische Herausforderung dar. Der Zusammenbruch der Blut-Augen-Schranke schon bei der Erstdiagnose eines Aderhautmelanoms soll mit dem nichtinvasiven Laser-Flare-Cell Meter (LFCM, Kowa FM-600) gemessen werden und in Bezug zu den morphologischen Eigenschaften des Tumors gesetzt werden. Methode: Mit dem LFCM wurden alle Patienten mit der Erstdiagnose AHMM am betroffenen sowie am Partnerauge (Kontrollgruppe) untersucht. Bei allen eingeschlossenen Patienten wurde danach eine Protonentherapie durchgeführt (13.10.2015 und 16.2.2016). Aufgrund der Bildgebung vor der Bestrahlung wurden der größte Basisdurchmesser und die max. Tumorhöhe (Pmax) im Ultraschall sowie das Tumorvolumen im CT/MRT als morphologische Parameter erhoben. Die statistische Auswertung erfolgt mit SPSS 23, das Signifikanzniveau liegt bei p=0,05. Ergebnis: 35 Patienten wurden eingeschlossen (m=17, w=18, rechts 17, links 18, mittl. Alter 67±11,4 J.). Die Flare-Werte sind normalverteilt (Kolmogorow-Smirnow-Test). Der MW des größten Basisdurchmessers betrug 13,23±3,8mm, von Pmax 5,48±3,48mm und des Tumorvolumens 561±591mm3. Der Flare-Mittelwert der Augen mit AHMM unterschied sich hochsignifikant von den entsprechenden Partneraugen (PA) (MW AHMM 15,13±7,9, MW PA 9,95±6,6, p=0,001). Der Spearman-Rho-Korrelationskoeffizient war nicht signifikant bei der Beziehung zwischen Flare-Basisdurchmesser (0,286, p=0,096), jedoch signifikant bei Flare-Pmax (0,441, p=0,008) und auch bei Flare-Tumorvolumen (0,406, p=0,016). Schlussfolgerung: Durch die Messung des Flare-Wertes ist der intraokulare Reiz bei der Erstdiagnose eines AHMM als Ausmaß für den Zusammenbruch der Blut-Augen-Schranke quantifizierbar. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, daß die Flare-Messung mit den Größenmaßen des Tumors Pmax und dem Tumorvolumen bei Erstdiagnose korreliert. Neben der Tumorkontrolle ist im unmittelbaren Verlauf nach der Bestrahlung die antiinflammatorische Therapie von essentieller Bedeutung. Diese kann möglicherweise mit der Messung des Flare-Wertes besser überwacht und individualisiert werden.
Referent/in: Claudia Grünauer-Kloevekorn (Halle)
Hintergrund: Die Retinopathia centralis serosa (RCS) ist gekennzeichnet durch eine neurosensorische Netzhautabhebung am hinteren Pol, von der vorwiegend Männer zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr betroffen sind. Das Krankheitsbild kann mit einer Abhebung des retinalen Pigmentepithels einhergehen, wofür eine Hyperpermeabilität der Aderhautgefäße als Ursache vermutet wird. Die zumeist einseitig auftretenden Symptome umfassen neben einer Sehminderung, Metamorphopsien und ein zentrales Skotom. Fallbeschreibung: Es erfolgte die Erstvorstellung eines 52-jährigen gesunden Patienten mit einer seit mehreren Monaten bestehenden Sehverschlechterung auf 0,3 auf dem linken Auge in unserer Praxisklinik.Da der Patient zunächst eine Fundusuntersuchung in Mydriasis ablehnte, wurde eine Optische Kohärenztomographie (OCT) durchgeführt. Hier zeigte sich eine neurosensorische Abhebung, welche, auch aufgrund der zutreffenden epidemiologischen Faktoren, den Verdacht auf eine RCS nahe legte. Nach Einwilligung in die Mydriasis bei fehlendem sichtbaren Quellpunkt und einer ungewöhnlichen randständigen, sehr flachen Strukturveränderung, sah man in der Funduskopie neben der serösen Abhebung der Makula eine große, weißliche Volumenzunahme temporal inferior in Kombination mit einer kontalateralen Ablatio.Auch in der Fluoreszenzangiographie konnte weder ein für die RCS typischer Quellpunkt noch das sog. Schornsteinphänomen nachgewiesen werden. Dagegen wurde ein ca. vier Papillendurchmesser großes exsudatives Areal unterhalb der Makula auffällig.Unter diesem Aspekt wurde der Patient mit dem Verdacht auf ein Aderhautmelanom in ein Tumorzentrum überwiesen. Dort erfolgte nach Diagnosebestätigung die Bestrahlung mit einem Ruthenium-Applikator und, bei fehlender Regredienz, zusätzlich eine Protonenbestrahlung. Es konnte eine gute Tumorregression erreicht werden. Schlussfolgerung: Die Funduskopie in Mydriasis bleibt weiterhin die Methode der Wahl für die ophthalmologische Diagnostik. Apparative Verfahren können die Diagnosestellung zwar erleichtern, die Funduskopie bislang jedoch nicht vollständig ersetzen. Eine neurosensorische Abhebung legt zwar den Verdacht auf eine RCS nahe, kann aber auch Ausdruck einer schwerwiegenden Netzhautpathologie sein.
Referent/in: Anja-Maria Davids (Berlin)
Einleitung: Bei Aderhautnävi handelt es sich um die häufigsten intraokularen Tumore mit einer Prävalenz von 6,5% bei Europäern. Sie sind typischerweise pigmentiert mit einem glatten Rand und werden oft von Drusen begleitet. Eine Beeinträchtigung des Visus liegt meist nicht vor. Wir haben eine Mikroperimetrie bei zentral liegenden Aderhautnävi durchgeführt und die funktionellen Befunde mit den morphologischen OCT-Ergebnissen verglichen. Methoden: In die Analyse wurden Patienten mit einem Nävus in parafoveolärer Lokalisation eingeschlossen. Als Ausschlusskriterien galten okuläre Nebenerkrankungen wie Glaukom, Katarakt, AMD, diabetische Retinopathie. Bei allen Patienten führten wir eine automatische standardisierte 10° Mikroperimetrie (37 Untersuchungspunkte) durch (Gerät: Maia Mikroperimeter, CenterVue). Die Sensitivität wurde in 3 konzentrischen Ringen um die Fovea analysiert. Statistisch verglichen wurden die Ergebnisse der Untersuchungspunkte von der Läsionsoberfläche mit den Werten außerhalb der Nävi.Des Weiteren wurde der Fernvisus mittels ETDRS-Tafeln bestimmt und SD-OCT Volumenscans der Makula mit Autofluoreszenz-(AF) sowie Infrarotaufnahmen durchgeführt. Ergebnisse: Es wurden bisher 8 Patienten mit einem mittleren Alter von 65,9±12,9 Jahren untersucht. Der mittlere Visus lag bei 0,09±0,11 LogMAR. 7 von 8 Nävi waren in den Infrarotaufnahmen hyperreflektiv. In den Autofluoreszenzaufnahmen fanden sich in 4 Fällen hyperreflektive Drusen wobei die Nävi selber isoreflektiv waren. Die mittlere Sensitivität im Bereich des Nävus betrug bei Patienten mit Drusen 19,65±1,69dB und war im Vergleich zu 26,69±0,28dB in Bereichen der dazu korrelierenden nävusfreien Netzhaut signifikant reduziert (p< 0,0001). Die Sensitivität im Bereich der Nävi ohne Drusen lag bei 26,56±0,46dB und war nicht signifikant reduziert im Vergleich zu 26,72±0,25dB in dem dazu korrelierenden Netzhautareal außerhalb der Nävi (p=0,78). Mittels der OCT-Aufnahmen erhoben wir bei 4 Patienten eine regelrechte Netzhautschichtung ohne Drusen oder RPE-Unregelmäßigkeiten. Bei den anderen 4 Patienten waren Drusen mit RPE-Defekten nachweisbar. Darunter befand sich ein Patient mit sub- und intraretinaler Flüssigkeit. Schlussfolgerung: Insgesamt zeigte sich bei Patienten mit zentralem Aderhautnävus eine gute zentrale Sehfunktion, jedoch leicht herabgesetzte Makulasensitivität im Bereich des Nävus. Das Ausmaß des Sensitivitätsverlustes hängt von dem Vorliegen von Drusen und assoziierten RPE-Defekten ab.
Referent/in: Katharina Blobner (München)
Fragestellung: Untersuchung der klinischen Anwendung der Optische Kohärenz Tomographie-Angiographie (OCT-A) anhand eines Fallbeispiels bei chorioidalem Hämangiom, im Vergleich zur Fluorescein-Angiographie (FLA) und Indocyaningrün-Angiographie (ICGA). Hier wurde untersucht ob eine vergleichbare Beurteilung durch die OCT-A möglich ist und welchen klinischen Stellenwert sie hat. Methoden: Die Patientin erhielt neben einer vollständigen augenärztlichen Untersuchung eine OCT-Angiographie welche mithilfe des Optovue RTVue XR Avanti (Optovue, Inc., Freemont, CA, USA) aufgenommen wurde, eine SD-OCT, Fundus Photographie, Sonographie und FLA sowie ICGA. Ergebnisse: Im OCT zeigte sich im Bereich der Makula eine kuppelförmige Prominenz, bei einem regelrechten strukturellen Aufbau der Netzhautschichten mit einer umschriebenen subretinalen Flüssigkeitsblase am unteren Gefäßbogen. Die Sonographie zeigte eine solide Läsion mit scharfer vorderer Begrenzung, hoher internen Reflektivität, ohne Orbita Verschattung. In der FLA und vor allem ICGA zeigten sich die für ein chorioidales Hämangiom typische frühe fleckige Hyperfluoreszenz und eine diffuse, intensive späte Hyperfluoreszenz, besonders der tiefen chorioidalen Gefäße. In der durchgeführten OCT-A konnte zentral eine korrekte automatische Segmentierung beobachtet werden. Gemäß der Erwartung zeigte sich in der oberflächlichen Schichtung ein regelrechter Befund. Auch die Choriokapillaris zeigte einen regelrechten Strukturaufbau, ebenfalls im Bereich der Flüssigkeitsblase. Im peripheren Bildbereich zeigten sich Artefakte bei fehlerhafter Segmentierung, welche auf die ausgeprägte, zentrale Prominenz des Hämangioms zurückzuführen ist. Schlussfolgerung: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die OCT-A, zumindest in diesem Fall, nicht ausreichend war zur Diagnosefindung, vor allem wegen der geringen Eindringtiefe. Lediglich die oberflächliche Schichtung und die Choriokapillaris waren darstellbar. Da die Hauptveränderungen in der tiefen Choroidea zu verzeichnen waren, kommen wir zu der Schlussfolgerung dass bei den aktuellen technischen Möglichkeiten der OCT-A, die FLA und vor allem ICGA weiter erforderlich bleiben zur Differenzierung und Beurteilung tief liegender Pathologien wie es bei einem chorioidalem Hämangiom der Fall ist.
Referent/in: Anna Schuh (München)
ZIEL: Vorgehen bei einem nach 7 Jahren progressiven Osteom; Therapie mit Ranibizumab als zugelassene Therapie bei sekundärer CNV METHODEN: Eine 28-jährige Patientin stellte sich zur jährlichen Routinekontrolle bei einem seit 2008 bekannten parapapillären choroidalen Osteom (CO) am linken Auge vor. Der Visus war im Vergleich zu den Voruntersuchungen von 1,0 auf 0,7 abgesunken. OCT (Optische Kohärenztomographie) und FLA (Fluoreszenzangiographie) Aufnahmen zeigten eine Befundprogression nach zentral. Als therapeutische Option wurde eine Bestrahlung diskutiert, die jedoch von der Patientin abgelehnt wurde. Drei Monate später war der Visus auf 0,3 abgefallen. OCT und FLA bestätigten den klinischen Verdacht auf eine subfoveale CNV am Rande des CO. Die Patientin erhielt daraufhin 4 Injektionen Ranibizumab intravitreal (IVTR) im Abstand von jeweils 4 Wochen. Zum Kontrolltermin wurde jeweils der Visus erhoben, eine Funduskopie sowie eine OCT Aufnahme durchgeführt. ERGEBNISSE: Vier Wochen nach der ersten IVTR zeigte sich ein Visusanstieg auf 0,5 und eine Rückbildung der intraretinalen Flüssigkeit. Vier Wochen nach der 3. IVTR kam es zu einer weiteren Flüssigkeitsrückbildung intraretinal und zu einem Visusanstieg auf 0,8. Insgesamt zeigte sich damit eine deutliche Befundbesserung unter IVTR. Es ist bekannt, dass die Hälfte der Patienten mit CO innerhalb von 10 Jahren ein Tumorwachstum aufweist, das häufig mit einem Visusabfall um mehr als 3 Zeilen verbunden ist. Der dekalzifizierte Tumor scheint eine chronische Stimulation auf die Retina auszuüben, was die Freisetzung von VEGF und somit Entstehung einer CNV begünstigt. SCHLUSSFOLGERUNG: Eine frühzeitig erkannte subfoveale CNV bei progressivem Osteom kann gut mit VEGF-Inhibitoren als zugelassene Therapie bei sekundärer CNV behandelt werden. Daher ist auch bei diesem gutartigen Tumor ein engmaschiges Montioring unverzichtbar.
Referent/in: Yordan Cvetkov (Regensburg)
Fragestellung: Eine seltene Komplikation bei okulozerebralem Non-Hodgkin-Lymphom ist die Optikusbeteiligung. Anhand einer Kasuistik sollen Diagnostik, Therapie und Prognose dieser seltenen okulären Beteiligung dargestellt werden. Methodik: Eine 80-jährige Patientin mit seit 2011 bekanntem hochmalignem ZNS-Lymphom stellte sich notfallmäßig mit einer seit einer Woche bestehenden akuten Visusminderung am rechten Auge vor. Die ZNS-Infiltration befand sich seit einer Radiatio 2012 in Remission. Eine seit 2013 eingetretene beidseitige vitreoretinale Beteiligung war mit intravitrealen Injektionen (Methotrexat und Dexamethason) zuletzt vor 8 Monaten therapiert worden. Der Visus lag anfangs bei Metatafelvisus rechts mit deutlichem positiven afferenten Pupillardefekt. Funduskopisch zeigte sich am rechten Auge ein ausgeprägtes Papillenödem und streifige parapapilläre Blutungen. Die Papille selbst und die Papillengefäße waren nicht sichtbar und erschienen verdeckt, im Papillen-OCT zeigten sich der Papille aufgelagerte hyperreflektive Verdichtungen. Die Angiographie zeigte eine Blockade in dem Bereich der prominenten Papillenauflagerung mit umgebender Schrankenstörung ohne Hinweise für einen vaskulären Prozess. In der zerebralen Bildgebung zeigte sich eine Enzephalopathie in den basalen Hirnabschnitten. Die neuroonkologische Abklärung ergab eine Meningeosis lymphomatosa. Ergebnisse: Aufgrund des ungewöhnlichen Papillen- und OCT-Befundes, des neuen Nachweises einer zerebralen Aktivität sowie der Besserung von Visus und Optikusinfiltration unter intrathekaler Therapie, die insbesondere bei einem ischämischen Ereignis nicht zu erwarten wäre, wurde die Diagnose einer Lymphom-bedingten Optikusinfiltration gestellt. Die betreuenden Onkologen leiteten eine intrathekale Chemotherapie mit liposomalem Cytarabin. Es zeigte sich ein Visusanstieg auf 0,2 mit deutlichem Rückgang der Optikusschwellung. Schlussfolgerungen: Eine Optikusinfiltration bei okulozerebralem Lymphom ist eine seltene Entität. Die Häufigkeit wird in der Literatur mit 5 % der Patienten mit ZNS-Lymphom angegeben. Wegen der kleinen Fallzahl existiert bisher kein Therapiealgorithmus. Die Behandlungsoptionen beinhalten Kombinationen aus Radiotherapie, intrathekaler und intravitrealer Chemotherapie. In den meisten Fällen kommt es zur Besserung der Sehkraft. Die mittlere Überlebensrate bei Optikusbeteiligung wird auf 6 Wochen bis 7 Monate geschätzt.