Postersitzungen, Freitag, 30. 9. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 8 13:15 - 14:15 30.09.2016
Postersitzung PFr08
Retina: Diagnostik OCT // Diagnostics OCT
Vorsitzende/r: Lutz Hesse (Heilbronn), Focke Ziemssen (Tübingen)

Referent/in: Gregor Eberlein (München)
Fragestellung: Mit der Angio-OCT Technik steht seit kurzem ein Verfahren zur Verfügung, welches eine Darstellung der Gefäßbahn ohne Farbstoff ermöglicht. Diese Darstellung wird durch einen komplizierten Algorithmus erreicht, der auf zeitversetzten OCT-Aufnahmen basiert und der damit potentiell anfällig für Fehlrefraktionen sein könnte. Wir untersuchten deshalb, inwieweit die Messqualität dadurch beeinflusst wird, ob ein Patient ohne Korrektur, mit der eigenen Brille oder mit Kontaktlinsen untersucht wird. Methodik: Wir untersuchten drei augengesunde Probanden welche im täglichen Leben sowohl eine Brillenkorrektur als auch weiche Kontaktlinsen benutzen. Alle Untersuchungen wurden von demselben und in dieser Aufnahmetechnik erfahrenden Untersucher durchgeführt, um einen möglichen interindividuellen Einfluss auf die Messqualität zu minimieren. Zunächst wurde pro Auge jeweils eine Messung ohne Brille, dann unmittelbar folgend mit Brillenkorrektur durchgeführt. Anschließend wurde die Messung mit der patienteneigenen weichen Kontaktlinse durchgeführt, sobald nach Einsetzen der eigenen weichen Kontaktlinsen ein subjektiv guter Seheindruck vorlag. Bei jeder Messung wurde sowohl ein 3x3 Scan als auch ein 6x6 Scan durchgeführt. Insgesamt wurden pro Proband damit 12 Untersuchungen durchgeführt. Als Maß für die Messqualität wurde die gerätespezifische sogenannte „Signalstärke“ verwendet. Diese wird vom Hersteller auf einer Skala von 0 bis 10 angegeben (10 als maximal erreichbarer Wert mit der höchsten Qualität). Nach Herstellerangaben wird eine Signalstärke von 6 oder höher als akzeptabel angesehen. Ergebnis: Alle untersuchten Augen waren kurzsichtig (minus 1,75 bis minus 4,5 dpt) ohne zusätzlichen Astigmatismus. Bei allen untersuchten Augen konnte eine zufriedenstellende Messqualität mit einer Signalstärke von mindestens 6 erreicht werden. Die durchschnittliche Signalstärke in den Untersuchungen „ohne Refraktionsausgleich“ betrug 9,42. „Mit Brillenglas“ wurde eine durchschnittliche Signalstärke von 9,00 und „mit weichen Kontaktlinsen“ eine durchschnittliche Signalstärke von 8,42 ermittelt. Schlussfolgerung: Die Aufnahmequalität („Signalstärke“) mit dem Angioplex™ (Carl Zeiss Meditec, Inc.) nimmt durch Messungen mit Brillenglas bzw. mit Kontaktlinse ab. Daher sollten vor entsprechenden Aufnahmen alle Refraktionskorrekturen einschließlich Kontaktlinsen entfernt werden.
Referent/in: Pieter Nelis (Münster)
Hintergrund: Veränderungen der foveal avaskulären Zone (FAZ) können im Rahmen verschiedener retinaler Erkrankungen wie der diabetischen Retinopathie oder des venösen Gefäßverschlusses auftreten. Die OCT-Angiographie (OCT-A) ist ein neues, nichtinvasives Bildgebungsverfahren, das eine schichtaufgelöste Darstellung der retinalen Perfusion ermöglicht. Ziel der Untersuchung war es, die Übereinstimmung der FAZ-Quantifizierung zweier OCT-A Geräte im superfiziellen und tiefen Plexus zu bestimmen. Methoden: 10 Augen von 10 gesunden Probanden wurden eingeschlossen (♀ 3 - ♂ 7; 49,04 ± 21,6 Jahre) OCT-A Aufnahmen wurden mit zwei OCT-A Geräten (AngioVue, Optovue; AngioPlex, Carl Zeiss Meditec) als 3x3mm2 Aufnahme jeweils zweimal durchgeführt. Die FAZ wurde innerhalb der Segmentierung des superfiziellen Plexus (3 µm-15 µm unterhalb der lamina limitans interna) und des tiefen Plexus (15 µm-70 µm unterhalb der lamina limitans interna) manuell ausgemessen. FAZ-Daten beider Geräte wurden analysiert hinsichtlich Korrelation zwischen den beiden OCT-A Geräten, zwischen dem superfiziellen und tiefen Plexus, sowie einer Altersabhängigkeit. Ergebnisse: Die Variabilität zwischen erster und zweiter Messung war vergleichbar niedrig bei beiden Geräten im superfiziellen Plexus (3x3mm2: Intra-class correlation coefficient (ICC) Angiovue 0,89; Angioplex 0,915). Im tiefen Plexus zeigte das Optovue-Gerät eine größere Variabilität als das Zeiss-Gerät (3x3mm2: ICC Angiovue 0,6; Angioplex 0,85). Die FAZ betrug im superfiziellen Plexus 0,24 ± 0,07 mm2 (Angiovue) und 0,26 ± 0,05 mm2 (Angioplex) und im tiefen Plexus 0,34 ± 0,05 mm2 und 0,73 ± 0,12 mm2). FAZ-Werte korrelierten gut zwischen den Geräten im superfiziellen Plexus (p>0,01), aber schlecht im tiefen Plexus (p=0,57). Die Größe der FAZ korrelierte negativ mit zunehmendem Alter, diese war aber bei beiden Geräten nicht signifikant. Schlussfolgerungen: Grundsätzlich ist die Quantifizierung der FAZ mittels OCT-A reproduzierbar. Der Vergleich beider Geräte zeigt eine gute Übereinstimmung in der FAZ des superfiziellen Plexus, aber einen deutlichen Unterschied in der Größe der FAZ des tiefen Plexus, bedingt durch Projektionsartefakte und unterschiedliche Segmentierungsverfahren. Eine Standardisierung der FAZ-Quantifizierung ist für die zukünftige Anwendung der OCT-A notwendig.
Referent/in: Florian Alten (Münster)
Hintergrund: Ziel der Untersuchung war die Analyse der Gefäßdichte und des Blutflusses der Choriokapillaris (CC) bei Patienten mit retikulären Pseudodrusen (RPD) mittels optischer Kohärenztomographie Angiographie (OCT-A). Methoden: Dekorrelationswerte von OCT-A CC Bildern von 20 RPD Patienten wurden im oberen äußeren Sektor des EDTRS-Grids gemessen und mit altersgematchten gesunden Kontrollpersonen verglichen. Die CC Gefäßdichte und der CC Flussindex wurden innerhalb einer Segmentierung von 30 µm bzw. 10 µm erhoben. Die CC Messwerte wurden korreliert mit der Anzahl von RPD, dem überwiegenden RPD Stadium, dem überwiegenden RPD Typ, der Größe der von RPD betroffenen Fläche und der choroidalen Dicke. Ergebnisse: Bei gesunden Personen nahm die CC Gefäßdichte und der CC Flussindex in Korrelation zu fortschreitendem Alter insbesondere ab einem Alter von 60 Jahren ab (CC Gefäßdichte: 30 µm: p=0,0084; 10 µm: p=0,001; CC Flussindex: 30 µm: p=0,0012; 10 µm: p=0,001). In der RPD Gruppe war die CC Gefäßdichte (10 µm: 98.244) und der CC Flussindex (89.00) signifikant erniedrigt gegenüber der gesunden Kontrollgruppe (99.030, p=0.0042; 98.11, p=0.0007). Die RPD Anzahl korrelierte mit einer verringerten CC Gefäßdichte (30 µm: p=0,0279; 10 µm: p=0,0732) nicht jedoch zu Veränderungen im CC Flussindex. Es bestand kein Zusammenhang zwischen CC Daten und dem RPD Stadium, dem RPD Typ, der Größe der von RPD betroffenen Fläche und der choroidalen Dicke. Schlussfolgerungen: Die Veränderungen der CC in der OCT-A bei Patienten mit RPD weisen auf eine Beteiligung der CC bei der RPD Pathogenese hin.
Referent/in: Marie-Louise Farecki (Münster)
Hintergrund: Die OCT-Angiographie (Phase-Variant-OCT) ist eine neue, nicht-invasive Methode der Darstellung verschiedener Gefäßschichten der Makula. Ziel der vorliegenden Studie war es, bei klassischen und okkulten CNV im Rahmen einer exsudativen AMD die Befunde in den tieferen Netzhautschichten und oberflächlichen Aderhautschichten bezüglich ihrer Ausdehnung, Größe und Perfusion zu analysieren und zu vergleichen. Patienten und Methode: Mittels Fluoreszeinangiographie (FA) wurden 25 CNV bei Patienten mit einer exsudativen AMD klassifiziert: 7 CNV überwiegend klassisch, 8 minimal klassisch, 10 rein okkulte CNV. Die Gefäßdarstellungen in der OCT-Angiographie (Angiovue, Optovue, Fremont CA, USA) wurden bei ihnen in den klassischen und okkulten Anteilen analysiert. Hierbei wurden systematisch die mittlere Aderhaut, die Choriokapillaris, die RPE-Schicht und die äußere Netzhaut-Schicht mit Schichtdicken von 20 µm dargestellt und in diesen Ebenen die Ausdehnung der CNV und das perfundierte Areal innerhalb der CNV bestimmt. Ergebnisse: Bei allen CNV-Läsionen ließ sich der Gefäßanteil in der OCT-Angiographie in verschiedenen Schichten darstellen. Hierbei zeigte sich, dass klassische Anteile eine bis in die äußeren Netzhautschichten sichtbare Ausdehnung hatten. Auf dieser Ebene lag die durchschnittlichen Größe bei 0,62 mm2 mit 0,4 mm2 perfundiertem Areal. Okkulte Anteile ließen sich schlechter abgrenzen, ihre maximale Ausdehnung lag bei 3,8 mm2 mit 1,9 mm2 perfundiertem Areal auf Ebene der Choriokapillaris. Insgesamt zeigte sich bei den klassischen Anteilen innerhalb der Läsion ein größeres Perfusionsareal im Vergleich zu okkulten Anteilen. Schlussfolgerungen: Die OCT-Angiographie kann die in der FA definierten Typen und Anteile einer CNV im Rahmen der exsudativen AMD abgrenzen und darstellen. Während klassische CNV insgesamt kleiner sind, zeigen sie eine höhere Perfusionsrate und dehnen sich bis in die äußeren Netzhautschichten aus. Okkulte CNV sind vor allem auf Ebene der Choriokapillaris darstellbar, insgesamt größer, jedoch mit einer geringeren Perfusion.
Referent/in: Matthias Gutfleisch (Münster)
Fragestellung: Die OCT-Angiographie (OCT-A) ist eine neue, nichtinvasive Methoden, um innerhalb kurzer Zeit ohne intravenös applizierten Farbstoff Darstellungen der verschiedenen retinalen und choroidalen Gefäßschichten der Makula zu erhalten. Ziel dieser Studie war es, nach einem Riss des retinalen Pigmentepithels (RPE-RIP) im Rahmen einer exsudativen AMD den Verlauf des nicht mehr mit retinalem Pigmentepithel (RPE) bedeckten Areals in der OCT-A zu analysieren. Methodik: Bei 5 Patienten mit einem RPE-RIP wurden Visus, Fundusfoto, FAG mit ICG, Fundusautofluoreszenz (FAF), SD-OCT (HRA 2, Heidelberg Engineering) und OCT-A (SSDA-Modus, Angiovue, Optovue) untersucht. Das durchschnittliche follow-up betrug 5,8 Monate. Die Fläche des RPE-freien Areals wurde im AF-Bild und anhand der Gefäße der Choriokapillaris (CC) im RPE-freien Areal mit einer Schichtdicke von 20 μm analysiert. Daneben wurde in diesem Areal der Anteil der Fläche mit gemessenem Flow im Verhältnis zur Gesamtfläche des RPE-freien Areals ausgewertet (Fläche-Flow-Ratio). Ergebnisse: Bei allen Augen ließ sich der RIP-Bereich in der FAF und in der OCT-A abgrenzen. Das RPE-freie Areal hob sich bei 60% der Augen in der OCT-A durch eine höhere Signalstärke von der umgebenden CC ab. Bei 2 von 5 Augen konnte eine Verkleinerung des RPE-freien Areals in der FAF und in der OCT-A beobachtet werden. Bei 2 von 5 Augen zeigte sich eine Verringerung der Fläche-Flow-Ratio. Schlussfolgerungen: Die OCT-A kann das in der FAF hyperfluoreszente RPE-freie Areal häufig abgrenzen und auch eine Verkleinerung des RPE-freien Areals unter der Behandlung zeigt sich in beiden Verfahren. Zudem ist in der OCT-A nach einem RPE-RIP eine Verminderung der Perfusion auf der Ebene der Choriocapillaris im Bereich des RPE-freien Areals zu sehen, die allerdings nicht zu einer kompletten Atrophie sondern eher zu einem Gefäßumbau der Choriokapillaris führt.
Referent/in: Laurenz Pauleikhoff (München)
Fragestellung: Durch die seit kurzem zur Verfügung stehende Optische Kohärenztomographie-Angiographie (OCTA) haben sich immer neue Anwendungsfelder hierfür ergeben. Diese Studie untersucht die Befunde der OCTA bei nativen choroidalen Neovaskularisationen (CNV) im Vergleich zu den konventionellen Fluorescein- (FLA) und Indocyanin-Grün- (ICGA) Angiographien. Methodik: Im Rahmen der Studie wurden 6 Augen von Patienten mit unbehandelter CNV im Rahmen einer exsudativen altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) nacheinander einem Spektral-Domänen OCT, OCTA, FLA sowie ICGA unterzogen. Die OCTA Aufnahmen wurden mithilfe des Optovue RTVue XR Avanti (Optovue, Inc., Freemont, CA, USA) erstellt. Ergebnis: Die Qualität der Aufnahmen variiert sehr stark in Abhängigkeit von der Art der Pathologie. Während die Darstellung der Gefäßneubildungen bei den drei Patienten mit klassischer CNV gut möglich ist, scheint die Bildgebung besonders bei den zwei Patienten mit Pigmentepithelabhebungen nur eingeschränkt möglich, da bei diesen die automatische Segmentierung der Retina durch die Software nicht korrekt erfolgte. Generell können stärker ausgeprägte Pathologien, wie eine ödematös aufgetriebene Retina oder eine geografische Atrophie die Interpretation der Ergebnisse erschweren, da hierbei die Sichtung ebenfalls beeinträchtigt sein kann. Durch die, im Vergleich zu den konventionellen Angiographien deutlich verlängerte, Aufnahmezeit kann es zudem besonders bei älteren Patienten zu vermehrten Bewegungsartefakten in der OCTA kommen, die zum Teil nicht klar von Pathologien abgrenzbar sind. Daneben kommen methodikbedingt die Hämodynamik sowie Leakage, Pooling und Staining-Phänomene in der OCTA nicht zur Darstellung. Schlussfolgerung: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die OCTA eine interessante Ergänzung der bisherigen Diagnostik bei CNV liefern kann. Durch weitere Verbesserungen bezüglich einer besseren dreidimensionalen Darstellbarkeit beziehungsweise einer Verkürzung der Aufnahmezeit würde die Aussagekraft dieser Technologie noch weiter verbessert.
Referent/in: Arne Bringewatt (München)
Fragestellung: Die Spektral-Domänen Optische Kohärenztomographie (SD-OCT) ist geeignet, um die senile Retinoschisis (sRS) in Retinaläsionen zu identifizieren (Stehouwer, Tan et al. 2014). In einer retrospektiven Analyse soll der Beitrag der SD-OCT in der Diagnostik der sRS vergleichend zur Ultraschall-Echographie (UEG) beschrieben werden. Anhand der SD-OCT lassen sich auch hintere Glaskörperabhebungen (PVD) klassifizieren (Uchino, Uemura et al. 2001). Die Beurteilung des Glaskörper(GK)-Status über der sRS durch SD-OCT soll ermittelt werden. Methodik: Retrospektive Auswertung der Untersuchungsbefunde von 26 Patienten (mittleres Alter=69,5 Jahre; SD=8,6) mit klinischem Verdacht auf sRS in 33 Augen (MW Visus= 0,8 SE; SD=0,25; hyperop= 78,7%). Alle Patienten erhielten eine UEG- (CineScan S® Quantel Medical) und eine SD-OCT-Untersuchung (SPECTRALIS® Heidelberg Engineering) des betroffenen Netzhautabschnittes. In 32 Augen wurde der GK-Status nach Uchino mittels Makula-Scan klassifiziert. Der GK über der sRS wurde im peripheren SD-OCT Scan auf Darstellbarkeit überprüft. Ergebnisse: Die SD-OCT bestätigte in 29 (87,9%) Augen eine sRS. Die UEG zeigte in 26 (78,8%) Augen eine sRS an. In 22 Fällen (66,7%) unterschieden sich die Ergebnisse beider Methoden nicht. In 7 Augen (21,2%) sicherte nur die SD-OCT die sRS. Die UEG sicherte in 4 Augen (12,1%) die Diagnose allein. Das betroffene Netzhautareal lag in 75% dieser Fälle außerhalb der SD-OCT Reichweite. Mit 22 (66,7%) Augen fand sich die sRS meist temporal. Ein Zusammenhang zwischen Methodenbefund und Ort der sRS konnte nicht gezeigt werden (Yates correction=0,02; Phi=-0,09). 27 (86,35%) Augen konnten durch das SD-OCT hinsichtlich der betroffenen Schicht oder Fasern zwischen den Schichten beurteilt werden. Der GK lag in 4 sRS-Augen (12,5%) an. 9 Augen (28,1%) zeigten Zwischenstadien (Stadium 1-3). 19 Augen (59,4%) wiesen im SD-OCT eine komplette PVD auf. In keinem peripheren Scan ließ sich der GK eindeutig beurteilbar darstellen. Schlussfolgerungen: In 33,3% der Fälle gelang nur durch Kombination der beiden Untersuchungsmethoden die Bestätigung der Verdachtsdiagnose der sRS. Unterschieden sich die Methodenbefunde, war die SD-OCT in 63,6% der Fälle für die Diagnose verantwortlich. Wir empfehlen, neben der UEG die SD-OCT bei der Diagnostik der sRS zusätzlich einzusetzen.
Referent/in: Maximilian Wintergerst (Bonn)
Fragestellung: Welche Algorithmen zur automatisierten Analyse retinaler Biomarker der Alters-abhängigen Makuladegeneration (AMD) in der Optischen Kohärenztomographie (OCT) gibt es, wie funktionieren sie und welche Genauigkeit erreichen sie im Vergleich zu etablierten Referenzstandards? Methodik: Eine Literaturrecherche in MEDLINE, MEDLINE In-Process, Science Citation Index Expanded und Conference Proceedings Citation Index wurde bis März 2016 durchgeführt. Informationen zur automatischen Analyse von AMD-Biomarkern wurden extrahiert und deskriptiv zusammengefasst. Die Qualität der Algorithmen wurde durch Vergleich mit etablierten Referenzstandards bewertet. Zwei unabhängige Gutachter beurteilten unter Verwendung einer Modifizierung des Quality Assessment of Diagnostic Accuracy Studies 2 (QUADAS-2) die Risk of Bias in Bezug auf Patientenselektion, Index- und Referenz-Test und des Ablaufs und Timings. Ergebnisse: Es wurden 26 Artikel eingeschlossen. Die meisten Algorithmen zur Drusen und Pigmentepithelabhebung (PED) Erkennung beruhen auf einem Vergleich des segmentierten retinalen Pigmentepithels (RPE) mit einem idealen, interpolierten RPE. RPE Atrophie Erkennung basiert auf einer partiellen Summen-Voxel-Projektion der Choroidea. Zur Erkennung intra- und subretinaler Flüssigkeit, sowie für Computer-aided-diagnosis(CAD)-tools wurden verschiedene Ansätze, wie Grauwert- oder Gradienten-basierte Segmentierung, Textur- und Formerkennung , sowie die Graphentheorie genutzt. Verglichen mit manueller Auswertung von Referenzstandards wurden Korrelationskoeffizienten von 0.78 - 0.97 für Drusen, 0.80 - 0.97 für Atrophie, 0.30 - 0.95 für PED und 0.90 - 0.98 für intra- und subretinale Flüssigkeit erreicht. CAD-tools erzielten AUC Werte von 0.94 - 0.99, Sensitivität von 0.90 - 1.00 und Spezifität von 0.89 - 0.92. Schlussfolgerung: Die automatisierte Analyse von AMD-Biomarkern in der OCT ist vielversprechend. Die Validierung der meisten Algorithmen erfolgte allerdings in selektierten Patientenkollektiven, die ausschließlich den jeweiligen Biomarker, wie z. B. Drusen, vorwiesen. Entsprechend ist die Leistung unter weniger selektierten Bedingungen unklar. Zusätzlich unterscheiden sich die publizierten Algorithmen beträchtlich hinsichtlich verwendeter Qualitätskriterien. Vor dem Hintergrund des teils hohen Potentials bisheriger Algorithmen ist die Entwicklung von Verfahren zur ganzheitlichen, alle AMD-Pathologien einschließenden Analyse aussichtsreich.
Referent/in: Claus von der Burchard (Kiel)
Fragestellung: Bisher erfolgt die Indikation zur Reinjektion bei exsudativer AMD auf einer ärztlichen Abwägung zwischen objektiven (v.a. OCT) und klinischen Parametern. In dieser Studie wurde untersucht, inwieweit eine alleinige Auswertung der objektiven OCT-Parameter diese Therapieentscheidung abbilden kann. Methodik: Es wurden retrospektiv ca. 600 OCT-Datensätze von 30 Patienten mit langjährigem Verlauf einer exsudativen AMD ausgewertet. Es erfolgte eine semiquantitative Auswertung AMD-relevanter OCT-Parameter, u.a. der Pigmentepithelabhebung, der subretinalen Flüssigkeit, der intraretinalen Flüssigkeit sowie der zentralen Netzhautdicke. Zusätzlich erfolgte eine Quantifizierung des zentralen Makulavolumens mit einem Durchmesser von 6, 3 und 1mm nach manueller Korrektur der Segmentationslinien. Nachfolgend wurde untersucht, inwiefern die unterschiedlichen Parameter mit der tatsächlich erfolgten Entscheidung zu einer IVOM bzw. mit einer strengen IVOM-Entscheidung gemäß den Richtlinien der DOG/BVA übereinstimmten. Ergebnis: Es konnte gezeigt werden, dass Änderungen im zentralen Makulavolumen von 6mm Durchmesser gegenüber einem Trockenbefund desselben Patienten mit einer Sensitivität von 90% und Spezifität von 84% mit der IVOM-Indikation gemäß DOG/BVA korrelieren. Eine Beschränkung des ausgewerteten Volumens auf einen Durchmesser von 3mm führte zu ähnlichen Werten (90%/82%), bei einer Beschränkung auf 1mm zeigte sich bei gleicher Sensitivität eine herabgesetzte Spezifität (90%/75%). Werden weitere Parameter wie eine Quantifizierung der subretinalen Flüssigkeit hinzugenommen, kann die Validität der Tests noch weiter erhöht werden. Schlussfolgerung: Es zeigt sich, dass mehrere OCT-Parameter gut mit einer Therapieentscheidung zur IVOM korrelieren. Die Kenntnis dieser Parameter bietet daher ein großes Potential, die ärztliche Therapieentscheidung zu unterstützen und durch Erleichterung des Therapie-Monitorings die Versorgungsqualität von AMD-Patienten in Deutschland zu erhöhen.
Referent/in: Egbert Matthé (Dresden)
Ziel: Venöse Verschlüsse können angiographisch in ischämisch und nicht-ischämisch unterteilt werden, wobei Hämorrhagien mitunter Ischämien verdecken können. Arterielle Verschlüsse zeigen ein Ödem der inneren Netzhautschichten, welches charakteristische OCT-Veränderungen mit Reflektivitätszunahme dieser Schichten bietet. Ziel der Untersuchung war es, diese Veränderungen auch bei venösen Verschlüssen zu finden, zu quantifizieren und mit einem angiographischen Ischämienachweis zu korrelieren. Besteht ein Unterschied zwischen Gesunden, nicht-ischämischen und ischämischen venösen Verschlüssen? Methoden: Retrospektive Auswertung von 29 Augen von 29 Patienten mit Zentralvenen- oder Venenastverschluß. Klassifizierung mit Fluoreszein-Angiographie in ischämisch/nicht-ischämisch. Aufnahme von SD-OCT-Netzhautschnitten im Verschlußgebiet. Export als Schwarz-auf-Weiß-Scans in Adobe Photoshop. Markierung repräsentativer Bereiche in präretinalem Glaskörper (GK), Ganglienzellschicht (GC), innerer plexiformer Schicht (IPL) und äußerer nukleärer Schicht (ONL) innerhalb von 1000µm von der Fovea. Auswertung der Graustufen als Maß der Reflektivität (0: schwarz, hohe Reflektivität – 255: weiß, geringe Reflektivität). Vergleich dieser Werte mit den der Partneraugen (Students t-test, zweiseitig, heteroskedastisch; p< 0,05 als signifikant gewertet). Ergebnisse: Die Reflektivitäten des GK unterschieden sich nicht signifikant zwischen Gesunden, nicht- ischämischen und ischämischen Verschlüssen (250; 246; 245; p>0,05). Die Reflektivitäten von GC und IPL nahmen zu mit signifikantem Unterschied zwischen gesund und beiden Verschlußformen (GC: 160; 130; 102; p< 0,05 sowie 189; 160; 147; p< 0,05), nicht aber zwischen ischämisch und nicht-ischämisch (p=0,63 und p=0,24). Die Werte für die ONL waren nicht verschieden (225; 235; 238; p>0,05). Schlussfolgerung: Die Reflektivität der inneren Netzhautschichten ist in den Augen mit venösen Verschlüssen im Vergleich zu gesunden Augen erhöht. Diese Reflektivitätserhöhung ist bei ischämischen Verschlüssen deutlicher als bei nicht-ischämischen. Die Veränderung in den äußeren Netzhaut-Schichten ist nicht signifikant. Durch die bereits geräteintern erfolgende Bildbearbeitung sind weitergehende, v.a. quantifizierende Aussagen aufgrund der Reflektivitätsänderung aber nur bedingt möglich.
Referent/in: Anna De Roeck (Kiel)
Purpose: Retinal changes after photocoagulation have been investigated by optical coherence tomography (OCT) in patients whose retinal tissue morphology appeared widely intact. We adressed the question whether severely diseased, i. e. angiographically ischemic or edematous retina reacts differently to photocoagulation than intact tissue. Material and Methods: We analysed continuous wave photocoagulation (PC) lesions (532nm/300µm/200 ms) in OCT images (Heidelberg Spectralis®) taken before, 1hr., 1 and 3mo. after treatment. We examinated 4 groups of 3 patients each with diabetic retinopathy (DR) vs. retinal vein occlusion (RVO) and angiographically no/light vs. severe ischemia. We evaluated 328 lesions and analyzed changes over time in retinal thickness (RT) in the lesion center and greatest linear lesion diameter (GLD) by ANOVA with repeated measurements with RT or GLD as intraindividual factor and patient as interindividual factor. Patients were also later compared in Tukey post hoc tests. Results: Changes over time and differences between patients were significant for RT and GLD as well (all p< 0.001). In light DR, baseline RT was 252± 37µm (mean ± SD). It increased 1hr. after PC to 272± 36µm and returned to baseline after 3 months (254± 44µm). In severe DR, baseline RT was 269± 64µm with a slight increase to 276± 63µm after 1hr, but normal 248± 50µm after 3mo. In RVO, RT was 294± 46µm (light) and 415± 134µm (severe) at baseline and decreased continually to 260± 57µm and 294± 77 µm. Statistically, we could not? determine homogenous subgroups corresponding to clinical diagnoses. GLD after 1hr. was 379± 157µm in severe RVO but >460µm in all other groups (514± 87, 466± 118, 484± 126 µm), and shrunk to < 340µm after 3 mo (303± 70 to 337± 67µm). GLD over time changed homogenously in a group with 3 severe RVO, 2 severe DR and 1 light RVO, while the rest of patients did not form homogenous subgroups according to diagnoses. Conclusions: PC induces some swelling in dry retina. Laser-induced and pre-existent retinal swelling resolves mostly over 3mo. and remains elevated only in severely ischemic RVO. In severe RVO, GLD´s were smaller after 1hr. than in other groups, but GLD values after 3mo. were comparable in all groups. Systematic variation of the tissue response seems to depend on the individual patient rather than the disease entity, as statistical power was lower than we had expected from qualitative image evaluation.