Postersitzungen, Freitag, 30. 9. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 5 13:15 - 14:15 30.09.2016
Postersitzung PFr05
Strabologie & Kinderophthalmologie // Strabology & Pediatric Ophthalmology
Vorsitzende/r: Dorothea Besch (Tübingen), Susanne Trauzettel-Klosinski (Tübingen)

Referent/in: Alexander Schuster (Mainz)
Hintergrund: Strabismus ist eine Sehstörung, bei der ein Auge von der Parallelstellung abweicht. Ziel dieser Studie ist es die Prävalenz von Schielen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu bestimmen und assoziierte Faktoren, insbesondere die frühkindliche Entwicklung der Kinder zu evaluieren. Methodik: Die Prävalenz von Schielen wurde anhand der Datenerhebung der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) von 2003 bis 2006 erhoben, einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe von 0 bis 17 Jahre alten Kindern und Jugendlichen. Das Vorliegen von Schielen wurde durch Antworten der Eltern im Fragebogen erhoben. Mögliche Risikofaktoren wurden mittels „Directed Acyclic Graphs“ identifiziert. Assoziierte Faktoren wurden durch Items aus dem Elternfragebogen mittels multipler logistischer Regression bestimmt und Effektschätzer (Odds ratios) und deren 95%-Konfidenzintervalle berechnet. Hierbei wurde ein Modell mit Geschlecht, Alter, Reifestatus, Probleme in den ersten vier Lebenswochen und amtlicher Behinderung als Einflussgrößen entwickelt. Ergebnisse: Im Alter von 0-17 Jahren war die Prävalenz von Schielen in Deutschland bei 4,1% [3,7%; 4,5%]. Bei Jungen lag die Prävalenz bei 3,7% [3,3%; 4,2%], bei Mädchen bei 4,4% [3,9%; 5,0%]. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern war insbesondere auf die geringere Prävalenz von Strabismus bei Jungen im Alter von 2 bis 3 Jahren zurückzuführen, diese betrug 1,3% [0,7%; 2,4%] bei Jungen und 3,4% [2,2%; 5,4%] bei Mädchen. Im höheren Alter zeigten sich lediglich kleinere Schwankungen zwischen den Geschlechtern. Strabismus war mit Alter (in 2-Jahresschritten: OR=1,06 [1,01; 1,11]), Frühgeburtlichkeit (OR=2,13 [1,53; 2,96]) und einer bekannten amtlichen Behinderung assoziiert (OR=4,38 [2,68; 7,13]). Die Zusammenhänge zwischen Strabismus und den ersten vier Lebenswochen (OR=1,31 [0,96; 1,78]) und zu Geschlecht (OR=0,85; [0,67; 1,10]) waren weniger eindeutig. Schlussfolgerung: Wir berichten erstmals die Prävalenz von Schielen in einer repräsentativen deutschen Stichprobe. Es zeigt sich eine geringere von den Eltern berichtete Prävalenz von Schielen bei Jungen im Altern von 2-3 Jahren, während im höheren Alter sich die Prävalenzen nicht unterscheiden. Schielen ist mit Frühgeburtlichkeit und einer amtlichen Behinderung assoziiert. In diesen Risikogruppen sollte eine frühzeitige augenärztliche Vorstellung erfolgen um gegebenenfalls eine Amblyopiebehandlung beginnen zu können.
Referent/in: Melanie Jäger (Gießen)
Purpose: To compare anterior chamber depth (ACD), keratometry (K), and astigmatism measurements taken by IOLMaster™ and Pentacam®HR in paediatric eyes and to correlate them with age, gender, axial length (AL) and objective refraction (OR). Design: Prospective observational case series. The study protocol was approved by our Institution´s Review Board. Methods: Eighty seven consecutive children (40 girls, 47 boys) underwent ACD, keratometry and astigmatism measurements with both devices. The ages ranged from 3 to 17 years (mean 8.8 years). Axial length (AL) was measured on IOLMaster™, pachymetry, anterior chamber volume and anterior chamber angle were performed by Pentacam®HR. The inter-device agreement was made by the 95% limits of agreement analysis according to Bland and Altman. The correlations between age, gender, AL and ACD were analyzed by Pearson coefficient. Results: Spherical equivalent of the right eyes measured by objective refraction was +1.04 D ± 3.04 D (SD) (median +0.69 D, range -16.13 D to +9.50 D), i.e. 67 % of the right eyes were hypermetropic and 25 % were myopic. Mean AL was 22.49 mm ± 1.46 mm (SD) (median 22.46 mm, range 19.62 to 30.58 mm). Mean anterior chamber depths were calculated to be 3.48 mm ± 0.25 mm (SD) (median 3.51 mm, range 2.89 to 4.01 mm) by IOLMaster™ and 3.03 mm ± 0.36 mm (SD) (median 3.05 mm, range 1.51 to 3.65 mm) by Pentacam®HR. There was good agreement of astigmatism measured by Pentacam®HR and IOL Master™. Mean anterior chamber angle was 36.56° ± 6.96° (SD) (median 36.98°, range 18.70 to 55.53°). Mean anterior chamber volume was 185.13 mm³ ± 29.23 mm³ (SD) (median 183.17 mm³, range 123.00 to 255.33 mm³). Corneal thickness in the pupil center was 567.41 μm ± 35.49 μm (SD) (median 565.00 μm, range 486.00 to 651.00 μm) and thinnest cornea was 561.89 μm ± 36.72 μm (SD) (median 562.00 μm, range 453.33 to 635.00 μm). Age correlated significantly with AL, IOLMaster™ ACD and Pentacam®HR ACD ((r = 0.594, p = 0.01, r = 0.427, p = 0.01, r = 0.422, p = 0.05). Conclusion: IOLMaster™ and Pentacam®HR have significant differences in anterior chamber measurements but good agreement in corneal power measurements. The poor agreement for ACD measurements may be due to different optic methods and accommodative changes induced by the instruments. Therefore, a single instrument is recommended for studying longitudinal changes in anterior chamber measurements. Age is an influencing factor for both AL and ACD values in children.
Referent/in: Milena Stech (Freiburg)
Hintergrund: Die Ursache des Aphakieglaukoms ist bisher nicht geklärt. Eine Hypothese besagt, dass im Auge verbleibendes Linsenepithel das Trabekelmaschenwerk umformt und seine Funktion mindert. Daher verglichen wir zwei Kohorten, die innerhalb eines Zentrums identisch behandelt wurden bis auf den Unterschied, dass in der ersten Gruppe die Linsenkapsel inklusive Zonula komplett entfernt und diese in der zweiten Gruppe belassen wurde. Methoden: Eingeschlossen wurden Kinder, die wegen ein- oder beidseitiger Katarakt im ersten Lebensjahr operiert und anschließend mit formstabilen Kontaktlinsen versorgt wurden. Gruppe 1 umfasste 41 Augen (11 einseitige, 30 beidseitige Linsentrübungen), Gruppe 2 umfasste 33 Augen (15 einseitige, 18 beidseitige Linsentrübungen). Das Operationsalter betrug in Gruppe 1 bei einseitigen Fällen im Median 4,0 Monate, bei beidseitigen 3,0 Monate, in Gruppe 2 bei einseitigen 8,1 Monate und bei beidseitigen 2,4 Monate. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug in Gruppe 1 12,4 (einseitig) bzw. 13,2 Jahre (beidseitig) und in Gruppe 2 6,6 (einseitig) bzw. 11,9 Jahre (beidseitig). Folgende Parameter wurden erhoben: Glaukominzidenz (Kaplan-Meier Analyse), Visus, Refraktion, Stereosehfunktion, Bulbuslänge, Hornhautradien, Compliance (Kontaktlinsen/Okklusionstherapie). Ergebnisse: Wir sahen keinen signifikanten Unterschied in der Glaukomrate beider Operationstechniken mit tendenziell geringerer Rate in Gruppe 2: nach 10 Jahren betrug sie 19% in Gruppe 1 und 14% in Gruppe 2 (p>0,05). Einseitig operierte Kinder erzielten einen medianen Visus von logMAR 0,7 in beiden Gruppen, beidseitig operierte Kinder erzielten in Gruppe 1 einen medianen Visus von logMAR 0,4 und in Gruppe 2 0,2 (p=0,05). Schlussfolgerung: Unsere Daten sprechen gegen die Induktion eines Aphakieglaukoms durch verbleibende Linsenepithelien nach Lentektomie im Säuglingsalter. Möglicherweise reicht die statistische Güte der Daten nicht aus, den geringen Unterschied als signifikant herauszuarbeiten. Der Kapselfaktor hatte keinen nachteiligen Einfluss auf die Sehschärfe. Ein Belassen der peripheren Linsenkapsel erleichtert eine sekundäre Linsenimplantation.
Referent/in: Andrea Hoffmann (München)
Hintergrund: Berichtet wird über den Fall einer sekundären fibrovaskulären Neovaskularisation der Papille bei familiärer exsudativer Vitreoretinopathie (FEVR) im Kindesalter. Die FEVR stellt eine meist autosomal-dominante Erkrankung dar, die vorwiegend im asiatischen Raum auftritt. Das klinische Bild ist sehr variabel und reicht vom Bild des asymptomatischen Genträgers bis zum massiven beidseitigen Visusverlust durch kombiniert traktiv rhegmatogene Netzhautablösungen. Methodik: Kasuistik Falldarstellung: Ein 12-jähriges Mädchen stellte sich mit einer, bei einer Routinekontrolle aufgefallenen, einseitigen Visusminderung am rechten Auge in unserer Kinderambulanz vor. Allgemeinerkrankungen oder eine Frühgeburtlichkeit lagen nicht vor. In der Familie waren keine Netzhauterkrankungen bekannt. Die bestkorrigierte Sehschärfe betrug rechts 0,05 und links 1,25. Funduskopisch zeigte sich am rechten Auge eine randunscharfe, prominente Papille mit einem fibrovaskulären Neovaskularisationssegel, das nach temporal über die Makula zog. In der temporal inferioren Netzhautperipherie zeigten sich multiple intraretinale Fleckblutungen und subhyaloidale Blutungen sowie eine weißliche, prominente Läsion mit Exsudaten in der äußeren temporalen Peripherie. Das Partnerauge zeigte funduskopisch keine Auffälligkeiten. Die durchgeführte Fluoreszenzangiographie ergab beidseits, rechts mehr als links, annähernd zirkuläre periphere Ischämien mit abrupt endenden, gestreckten Gefäßen und Teleangiektasien. Bei 9°° Uhr peripher zeigte sich die prominente fibrovaskuläre Proliferation mit deutlicher Leckage im Verlauf. Die Angio-OCT zeigte das zentrale fibrovaskuläre Neovaskularisationssegel mit aus der Papille entspringenden Gefäßen. Eine cMRT und MR-Angio waren unauffällig. Am rechten Auge wurde eine transpupilläre periphere Laserkoagulation der avaskulären Retina in Vollnarkose durchgeführt. Bei der Verlaufskontrolle zeigte sich eine Rückbildung des zentralen Neovaskularisationssegels mit einem Visusanstieg auf 0,2. Schlussfolgerung: Die FEVR ist eine sehr seltene aber potentiell schwerwiegende Erkrankung die zur Erblindung führen kann. Sie kann aufgrund der unterschiedlichen Penetranz und möglicher Neumutationen auch bei negativer Familienanamnese auftreten und schon im frühen Teenageralter manifest werden. Eine frühzeitige Laserkoagulation der peripheren Netzhautischämien kann die VEGF-Freisetzung inhibieren und Neovaskularisationen sowie traktive Netzhautveränderungen verhindern.
Referent/in: Anja-Maria Davids (Berlin)
Einleitung: Bei der kongenitalen Myasthenie handelt es sich um eine seltene Erkrankung im Kindesalter, die sich nach der Geburt manifestiert. Im Gegensatz zur juvenilen Myasthenie, die durch die Bildung von Autoantikörper ihre Wirkung erst nach dem 1.Lebensjahr entfaltet, liegt der kongenitalen Myasthenie ein genetischer Defekt zugrunde, der u.a. in einem Acetylcholinrezeptors-Defizit mündet. Die meisten Formen treten sporadisch auf und werden autosomal-rezessiv oder -dominant vererbt. Eine frühe Diagnosestellung ermöglicht eine frühzeitige Therapie und damit die Unterstützung einer normalen Entwicklung des betroffenen Kindes. Kasuistik: Wir sahen eine 9 Monate alte Patientin mit beidseitiger Ptosis zum Ausschluss eines Schielens. Anamnestisch erfolgte die Entbindung nach der 38. Schwangerschaftswoche bei Verdacht auf eine Plazentaverkalkung. Das Kind fiel durch schwaches Schreien auf. Auf Nachfrage wurde eine Saugschwäche bestätigt. Aufgrund einer verzögerten motorischen Entwicklung wurde bereits eine Krankengymnastik nach Bobath eingeleitet. Orthoptisch erhoben wir eine gut kompensierte Nahexophorie von -2^ mit positivem Interesse für den Lang-I-Test. Der organische und skiaskopische Befund war unauffällig. Die beidseitige Ptosis wurde bestätigt. Bei der Prüfung der Motilität wurden die Seitblicke vermieden, der Kopf wurde kompensatorisch mitbewegt. Ergebnis: Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose erfolgte eine molekulargenetische Untersuchung mit Nachweis einer compound heterozygoten Mutation im CHRNE-Gen (epsilon-Untereinheit des Acetylcholinrezeptors). Daraufhin wurde eine Therapie mit Pyridostigmin(Mestinon), einem Acetylcholinesterase-Inhibitor, begonnen. Diese führte zu einer deutlichen Besserung der Motilität, inklusive Regredienz der Ptosis. Zusammenfassung: Fällt im ersten Lebensjahr eine Muskelhypotonie und bulbäre Symptomatik mit Saug-,Kau- und Schluckschwäche auf, sollte ein myasthenes Syndrom ausgeschlossen werden. Verlauf und Schweregrad der Erkrankung sind sehr unterschiedlich. Banale respiratorische Infekte können zu einer plötzlichen Ateminsuffizienz bis hin zum plötzlichen Kindstod führen. Anders als bei der autoimmunologisch ausgelösten Myasthenia gravis lassen sich keine Serumantikörper gegen Acetylcholinrezeptor oder MuSK nachweisen. Die Identifizierung des genetischen Defekts ist notwendig um eine adäquate Therapie zu beginnen und eine regelrechte Kindesentwicklung zu ermöglich sowie Komplikationen im weiteren Lebensweg zu vermeiden.
Referent/in: Barbara Käsmann-Kellner (Homburg/Saar)
Fragestellung: Im Laufe der Evolution haben sich die Augen von einer seitlich zu einer frontalen Position bewegt, wodurch die monokularen Gesichtsfelder sich zu einem binokularen Sichtfeld überlappen konnten. Bei binokularen Säugetieren entsteht binokulare Wahrnehmung durch eine kombinierte Wirkung von Signalen aus verschiedenen anatomischen Strukturen: der ipsilateralen temporalen Hemiretina und der kontralateralen nasalen Hemiretina sowie aus dem Foveabereich, dessen retinale Ganglionzelen zum Teil durch das Corpus callosum laufen. Es ist bekannt, dass ein frühkindliches Schielen gehäuft bei angeborenen Krankheiten, die atypische Bahnenverläufe haben, auftritt (z.B. Albinismus, Hypoplasie oder Agenesie des Corpus callosum). Methodik: Analyse von Patienten mit frühkindlichem Schielsyndrom FKSS und mit Fehlinnervationssyndromen mittels Albino-VEP. Ergebnis: Bei 114 Patienten mit FKSS, fehlendem Nystagmus und gutem Visus (>0,6) am Führungsauge wurde ein Albino-VEP durchgeführt. Es fanden sich bei 22% albinismus-typische chiasmale Kreuzungen. Bei 66% fand sich unilateral eine atypische Kreuzung, während die Gegenseite dies nicht zeigte. 12% hatten eine unauffällige chiasmale Kreuzung. Desweiteren fanden wir bei Patienten mit Duane Turk Stilling Syndrom (DTS, Retraktionssyndrom) ebenfalls Patienten mit atypischer Kreuzung; ein Patient mit deutlichen Albinismus-Symptomen und DTS nutzt sein vom DTS betroffenes Auge zur Fixation, da so der Nystagmus deutlich beruhigt ist. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse stützen den klinischen Eindruck, daß Albinismus einen wesentlich breiteren Phänotyp hat als bislang angenommen. Zudem könnten die Ergebnisse zum tieferen Verständnis der Pathogenese des frühkindlichen Schielens beitragen. Unseres Wissens nach ist eine einseitig auftretende albinotypische chiasmale Kreuzung noch nicht mit frühlindlichem Schielen in Verbindung gebracht worden.
Referent/in: Richard Bergholz (Berlin)
Fragestellung: In Fällen kombinierter horizontaler und vertikaler Schielabweichungen stellt sich die Frage nach der optimalen Operationstechnik zum Erreichen des Parallelstandes. Für diese Arbeit wurde die Wirksamkeit der zusätzlichen Höhenverlagerung der Horizontalmotoren bei kombinierten Schielstellungen untersucht. Methodik: Retrospektive Analyse von 17 Patienten, bei denen an einem Auge eine Kombination aus horizontaler und vertikaler Verlagerung des M. rectus medialis und lateralis durchgeführt wurde. Verglichen wurden die präoperativen Befunde mit den 3 Monate postoperativ erhobenen. Ergebnis: Im Mittel erfolgte eine Horizontalverlagerung von 12 Millimeter bei einer mittleren präoperativen Horizontalabweichung von 30.9^ in der Ferne. Postoperativ lag die mittlere Horizontalabweichung bei 5.63^. Dies entspricht einer Änderung des Schielwinkels von 2.3^ pro Millimeter Verlagerung. Die mittlere Vertikalverlagerung betrug 5.5 mm bei einem mittleren vertikalen Fernschielwinkel von 7.9^. Postoperativ lag die mittlere Vertikalabweichung bei 4^, was einer Änderung des Schielwinkels von 1^ pro Millimeter Verlagerung entspricht. Bezüglich des Fernschielwinkels korrelierten sowohl die Vertikal- als auch die Horizontalverlagerung mit dem Operationseffekt. Schlussfolgerungen: Durch Verlagerung der Horizontalmotoren kann ein Höhenschielen ausgeglichen werden, die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist aber niedrig. In unserer Untersuchung korrelierte die Verlagerungsstrecke mit dem Operationseffekt, so dass eine genaue Dosierung prinzipiell möglich ist.
Referent/in: Ulrich Voigt (Jena)
Fragestellung: Bei einer Frontalissuspension mittels Faden besteht das Risiko einer Fadenunvertäglichkeit. Die Verwendung von autologer Fascia lata sollte diese Komplikation minimieren. Methode: Im postoperativen Verlauf einer doppelten Frontalisschlinge mittels Mersilenefaden trat eine Abstoßungsreaktion auf, der Faden musste entfernt werden. Deshalb wurde bei allen weiteren Operationen ein 8x1 cm autologes Fascia lata Tx am Oberschenkel entnommen. Die Fascie wurde vollständig von Fett befreit und längs aufgeschnitten, so dass ein insgesamt 16 cm langer Streifen entstand. Dieser wurde mittels 6x0 Vicrylfäden am Tarsus fixiert und als einfache Frontalisschlinge eingebracht. Ergebnisse: Bei 6 Kindern mit congenitaler Ptosis wurde bei engmaschiger Kontrolle auf Grund eines Visusabfalles und Störungen des Sterosehens die Indikation zur Frontalissuspension mittels autologer Fascia lata gestellt. Bei allen Kindern heilte die Fascienschlinge reizfrei und ohne Komplikationen ein. Wir erreichten eine sehr gute Lidhebung und die Stabilisierung des Visus und Stereofunktion. Die Wunde am Oberschenkel heilte bei allen Kindern ohne Komplikationen ab. Schlussfolgerungen: Die autologe Fascia lata ist für eine Frontalissuspension bei congenitaler Ptosis sehr gut geeignet. Abstoßungsreaktionen sind nicht zu erwarten. Die funktionellen Ergebnisse entsprechen denen mittels Fadenmaterial. Die sehr gute Verträglichkeit, sowie die kosmetischen und funktionellen Ergebnisse rechtfertigen den chirurgischen Mehraufwand und die vorübergehende Mobilitätseinschränkung der Kinder.
Referent/in: Hatem Saeed (Cairo)
Purpose: To study the technique of the anteriorization of the inferior oblique in the management of unilateral superior oblique palsy as regards the efficacy , stability , and possible complications with particular attention to postoperative anti-elevation syndrome Methods: Fifteen cases with unilateral superior oblique palsy ranging in age from 5 to 19 years .All cases underwent full ophthalmological and strabismological evaluation with particular attention to the vertical 3 step test and head tilt..Studying old photos was helpful to document the degree of head tilt in older patients.Any element of amblyopia in children was detected and addressed.The degree of hyperdeviation in the primary position ranged from 6 to 25 prism diopters (17.2 ± 6.89 PDs).The degree of overaction of the ipsilateral inferior oblique ranged from +2 to +4 (3 ± 0.73).All patients exhibited a preoperative head tilt to the sound side.Forced duction test was done in all cases to exclude secondary contracture of the ipsilateral superior rectus muscle.All cases underwent anteriorization of the ipsilateral overacting inferior oblique muscle with the insertion of the anterior tip of the disinserted muscle parallel to and flush with the temporal edge of insertion of the inferior rectus muscle and the posterior part of the disinserted muscle was sutured to the sclera 2-3 mm temporal to the anterior part .Results were reported regarding : Postoperative hyperdeviation in the primary position,postoperative inferior oblique overaction,postoperative head tilt,postoperative vertical 3 step test ,postoperative binocular vision status,postoperative fundus extorsionand postoperative complications with particular attention to postoperative anti-elevation syndrome. Results: As regards postoperative hypertropia In the primary position the surgery could achieve orthotropia in 67% of cases (10 patients).and in 93.4% of cases the postoperative hypertropia could be brought to ≤ 5 PDs( considered as a successful result.).Overaction of the ipsilateral inferior oblique disappeared in 93.4% of cases.Normalization of the vertical 3 step test , improvement in head tilt and correction of fundus torsion was achieved in 86.7% cases.None of the cases experienced postoperative anti-elevation syndrome. Conclusion: Anteriorization of the inferior oblique is an effective and safe choice in the management of unilateral superior oblique palsy.
Referent/in: Hanna Furmanchuk (Minsk)
Purpose: We analysed 86 cases of surgical correction of consecutive exotropia on amblyopic eye in adults, operated elsewhere for non-accomodative esotropia before age of 10 ears. Purpose of retrospective study was to reveal indications for one- or two muscle surgery on previously operated eye in patients, treated for consecutive exotropia in our clinic in 2009-2015. Follow-up lasted at least 6 months in all cases. Methods: According to previous files of our patients, primarily bimedial recession had been performed in 25 cases, and recession\resection in 61 cases. We performed medial rectus (MR) advancement (5 mm from limbus) under local anesthesia with control by cover-test for near and Krimsky reflex in orthoposition. Remaining exotropia indicated additional lateral rectus (LR) recession. Location of MR was evaluated in relationship to equator prior to advancement. Results: Three patients out of group with bimedial recession had MR located behind equator. All three cases were corrected by single MR advancement. Remaining 83 patients with revised MR located anteriorly to or on equator, all needed additional recession of LR. Patients stayed orthophoric 6 months of follow-up without additional correction. Conclusions: Despite of type of initial surgical approach for primary esotropia, consecute exotropia correction indicates two-muscle surgery for stable orthophoria of amblyopic eye. One-muscle surgery (MR advancement) is extremely rare situation, related to cases with important dislocation of MR behind equator of eye.
Referent/in: Jens Heichel (Halle)
Hintergrund: Die Sondierung und Überdruckspülung der ableitenden Tränenwege (TNW) bei konnataler Dakryostenose kann in Lokalanästhesie (LA) oder Allgemeinanästhesie (AA) durchgeführt werden. Im Rahmen medizinischer Interventionen können durch Schmerzen aber auch Ängste starke Stressempfindungen sowohl bei Eltern als auch bei den behandelten Kindern hervorgerufen werden. Methodik: Mittels Fragebögen (n = 65) beurteilten die Eltern ihr eigenes Stressempfinden sowie das ihrer Kinder. Das Alter der Kinder betrug im Mittel 8,5 Monate (SD = 7,42), jenes der Eltern 30,8 Jahre (SD = 6,17). Untersucht wurden der Einfluss der Anästhesieform, das Vertrauen in die ärztliche Behandlung, der Therapieerfolg, Vorerfahrungen mit AA, das Bildungsniveau der Eltern, das Alter der Eltern und Kinder, die Anzahl der Kinder und der zeitliche Abstand zur Behandlung auf das Stresserleben. Der Stress wurde auf einer Skala von 1 (kein Stress) bis 10 (maximaler Stress) bewertet. Ergebnisse: Das elterliche Stressempfinden (M = 7,15) unter der Behandlung in LA wurde übereinstimmend stark mit dem ihrer Kinder (M = 7,82) eingeschätzt. Die Eltern beurteilten den kindlichen Stress bei einer Behandlung in LA (n = 47; M = 7,34) signifikant höher als bei einer Behandlung in AA (n = 18; M = 6,06; p < .05). Eltern mit zwei oder mehr Kindern beurteilten ihren eigenen Stress signifikant niedriger als Eltern mit einem Kind. Eltern mit Vorerfahrungen mit AA zeigten ein signifikant höheres Stressniveau. Alle anderen Faktoren hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Stressbewertung. Schlussfolgerung: Die Stressbelastung für ihre Kinder während der TNW-Spülung in LA wurde durch die Eltern signifikant höher bewertet als bei Anwendung in AA. Dennoch zeigte sich eine gleiche Akzeptanz der LA im Vergleich zur AA.