Postersitzungen, Donnerstag, 29. 9. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 9 13:30 - 14:30 29.09.2016
Postersitzung PDo09
Trauma
Vorsitzende/r: Martin Spitzer (Tübingen), Arne Viestenz (Homburg/Saar)

Referent/in: Vanessa Frommherz (Freiburg)
Fragestellung: Durch die Angleichung der deutschen Sprengstoffgesetze an den europäischen Standard im Jahr 2012/2013 bezüglich der zugelassenen erhöhten Menge von Schwarzpulver in Silvester-Feuerwerkskörpern stellt sich die Frage nach einer Zunahme der Verletzungshäufigkeit und des Schweregrades durch Feuerwerkskörper. Methodik: Es wurden die Krankenakten von 1138 Patienten gesichtet, die zu den Jahreswechseln 2009-2015 an der Klinik für Augenheilkunde und seit 2012 auch in der Notfallpraxis der kassenärztlichen Vereinigung vorstellig wurden (Silvesternacht und ein Tag danach). Die Silvesterverletzungen wurden nach Schweregrad untergliedert in leichte (beispielsweise mit Lokaltherapie behandelbare) und schwere (beispielsweise mit intraokularer Beteiligung und/oder Operationspflichtigkeit). Ergebnisse: Die Silvester-assoziierten Patientenverletzungen schwankten zwischen 15 und 21 % aller Patientenkontakte im Beobachtungszeitraum. Der langfristige Trend zeigt sich rückläufig (10% im Jahr 2015). Der Schweregrad der Verletzungen ist zeitlich konstant. Insbesondere um den Jahreswechsel 2012/2013 ist keine Zunahme der Häufigkeit und des Schweregrads von Silvesterverletzungen zu verzeichnen. Schlussfolgerung: Insgesamt nimmt die Anzahl der Patienten mit einer Verletzung durch Feuerwerkskörper eher ab – auch nach Angleichung der Gesetzte an den europäischen Standard. Da aber immer noch schwere Verletzungen zu verzeichnen sind, sollte weiter für Schutzbrillen und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Feuerwerkskörpern geworben werden.
Referent/in: Thomas Kern (Hannover)
Einführung: Mit einer Wühlmausfalle assoziiert man ein typisches Holzgestell mit einer aufgesetzten metallenen Fangvorrichtung. Leider haben sich bereits viele Wühlmäuse an diese Art von Fallen gewöhnt, so dass sie häufig nutzlos sind. Eine neuartigere Methode ist die Einführung von pistolenähnlich anmutenden Sprengwerkzeugen, die mit Bolzenschuss-ähnlicher Munition geladen werden. Die Wühlmaus stirbt durch den Gasdruck bei Betätigung des Auslösemechanismus. Fallbeschreibung: Beim vorliegenden Fall ist eine solche Konstruktion für eine Augenverletzung verantwortlich, bei der akzidentiell die Zündung verfrüht ausgelöst wurde. Die Patientin stellte sich mit vermindertem Visus und multiplen Fremdkörpereinsprengungen an beiden Augen sowie periokulär vor. Die primär eingeleitete Fremdkörperentfernung von vermeintlichen Schmauchspuren musste durch eine ambulante Operation mit Bindehauteröffnung in Lokalanästhesie erweitert werden. Es wurden keine typisch grau-weißlichen Schmauchspuren gefunden, sondern harte grünliche Fremdkörper entfernt. Erst durch Infiltrationsanästhesie ließen sich die Fremdkörper -teils in der Tenon gelegen - entfernen. Intraokular zeigten sich keine Fremdkörper. Die Visusrehabilitation erfolgte innerhalb einiger Tage. Die Ausbürstung von periokulären Fremdkörpern wurde durch die hiesige dermatologische Klinik durchgeführt. Diskussion / Schlussfolgerung: Die sprengstoffbasierten Wühlmausfallen werden mit Patronen beladen, die sonst üblicherweise für Bolzenschussgeräte verwendet werden. Nach Beladung mit der Munition wird die Schussfangvorrichtung in den Wühlmausgang eingeführt. Hierbei kommt es immer wieder zu einer verfrühten, akzidentiellen Betätigung des Auslösemechanismus. Die Verletzungsmuster waren bisher durch Dermatologie, Hand- und Unfallchirurgen beschrieben worden, wobei es sogar bis zu Extremitätenamputationen gekommen ist. Die grünlichen - dicker als übliche von Feuerwerkskörpern herrührende Schmauchspuren - Fremdkörper entstammen am ehesten von der frontalen Deckung der Munition (farbliche Kunststoffaufsätze), die deutlich tiefer in das Gewebe dringen. Dies führt zu einer notwendigen Erweiterung der sonst üblichen Fremdkörperentfernung an der Spaltlampe. Ein ähnlich gelagerter Fall wurde in der ophthalmologischen Literatur bisher nicht beschrieben.
Referent/in: Johannes Kroher (Regensburg)
Anamnese: Ein 27-jähriger syrischer Asylsuchender stellte sich 10 Wochen nach einer Bombenverletzung in unserer Ambulanz vor. Der Patient berichtete, zunächst nur eine Mandibulafraktur erlitten zu haben und erst 3 Wochen nach dem Trauma rechtsseitig eine Visusminderung, Schmerzen, einen Exophthalmus sowie ein Innenschielen bemerkt zu haben. Die Erstvorstellung in unserer Klinik erfolgte erst weitere 7 Wochen später, da das Krankheitsbild zunächst nicht erkannt wurde. Befunde: Bei Erstvorstellung betrug der Visus rechts 0,5, auf dem linken Auge 1,0 sine correctionem. In der Hertel-Exophthalmometrie zeigte sich ein Exophthalmus von 5mm rechtsseitig. Ebenso zeigte sich eine massive Einschränkung der Abduktion am rechten Auge. Mittels Spaltlampenmikroskopie und Funduskopie konnten erweiterte konjunktivale und episklerale Gefäße und erweiterte retinale Venen mit ausgeprägten retinalen punkt- und streifenförmigen Blutungen festgestellt werden. Verlauf: Aufgrund der klinischen Symptome bestand der dringende Verdacht auf eine traumatisch bedingte arteriovenöse Sinus-cavernosus-Fistel. Eine bereits durchgeführte Kontrastmittel-Computertomographie wurde erneut befundet und hat die Verdachtsdiagnose erhärtet. Es erfolgte im Verlauf eine interventionelle CT-Angiographie mit Coiling und Verschluss der Arteria carotis interna durch die Kollegen der Neuroradiologie. Präinterventionell wurde eine ausreichende Kollateralversorgung des Carotisstromgebietes über den Circulus arteriosus willisi sichergestellt. Drei Tage nach interventionellem Fistelverschluss stellte sich der Patient zur Verlaufskontrolle vor. Anamnestisch bestand bereits ein deutlicher Rückgang der Symptomatik. Es zeigte sich bereits ein Visusanstieg auf 0,7 sine correctionem, der Exophthalmus war mit 3mm Seitendifferenz rückläufig. Die Erweiterung der konjunktivalen und episkleralen Gefäße und der retinalen Venen zeigte sich verringert bei in Resorption befindlichen Blutungen. Unverändert zeigte sich noch die Einschränkung der Abduktion. Zusammenfassung: Es handelt sich um einen typischen Fall von traumatischer arteriovenöser Fistel des Sinus cavernosus mit klassisch protrahiertem Auftreten der Symptome und klinischen Befunde. Dieser Fall zeigt insbesondere die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit und die zentrale Rolle des Ophthalmologen bei der Erkennung des seltenen Krankheitsbildes.
Referent/in: Katerina Hufendiek (Hannover)
Background: Phototoxic maculopathy has usually been reported in patients overexposed to sunlight or after viewing an eclipse.Other types of retinal phototoxic injury caused by light emitted by an arc welder, or halogen filaments and operating microscopes have also been reported.UV and far-IR radiation are absorbed by the cornea and the lens,whereas visible light,near-IR radiation, and intensive near UV emissions penetrate to the retina, leading to photochemical retinal damage.The incidence of phototoxic maculopathy is low (0.14%, with 15% of cases caused by welding),but it may be permanent and sight-threatening. Methods: Retrospective analysis of SD-OCT, fundus autofluorescence (FAF), electroretinogram (ERG) and clinical features of two cases with acute phototoxic foveal injury. Results: Case 1: 22-year-old man with acute visual loss and paracentral dark spots in the left eye two days after electric arc welding. Best-corrected visual acuity (VA) was 0.2.Slit lamp examination was unremarkable,ophthalmoscopy revealed an oval yellowish lesion in the foveola.SD-OCT showed a focal hyperreflective band (width 280µm)extending into all foveal layers with severe interruption of the inner retinal layers (IRL) and disruption of the outer retinal layers (ORL): external limiting membrane band (ELM),ellipsoid zone,interdigitation zone and RPE band.FAF in the left eye and all examinations of the right eye were normal.Prednisolone 1mg/kg was administered.At two weeks follow up VA was 0.3.SD-OCT showed significant recovery of IRL and partially of ORL.Fullfield and multifocal electroretinogram (mfERG) were normal. Case 2: 26-year-old woman with reduction in VA in the right eye over 3 weeks after working with a magnifying lens under high Illumination prior to professional printing. Baseline VA was 0.6 OD.Slit lamp examination was unremarkable. Funduscopy revealed an oval depigmented lesion in the fovea.SD-OCT showed moderate interruption of the IRL and severe disruption of the ORL,FAF was normal.At 8 weeks follow up VA had improved to 1.0.SD-OCT revealed complete recovery of IRL and ORL.Fullfield and mfERG were normal. Conclusion: Phototoxic maculopathy after arc welding and enhanced light exposure is rare.In case 2 the retinal damage was reversible without visual sequela.In case 1 at short follow up the structural findings improved in the IRL.SD OCT is most effective method for identifying and documenting these small changes in retinal layers seen with this type of retinal injury.
Referent/in: Matthias Klopfer (München)
Hintergrund: Plötzliche oder in der augenärztlichen Routine aufgedeckte unerwartete Visusminderungen bei Kindern lösen große Besorgnis und deshalb eine intensive Diagnostik aus. In der OCT gut darstellbare Makulaveränderungen (Ödem, Blutung, Pigmentverschiebungen, Narben) geben schnell Aufschluss über den Läsionsort und lassen an juvenile Makulopathien oder Traumata (z.B. Contusio bulbi) denken. Über letztere wird aber nicht immer freiwillig berichtet. Der zunehmend problemlose Zugang (Online-Handel, Import) zu billigem Laserspielzeug (z.B. als Taschenlampen oder modifizierte Laserpointer) stellt eine massive Gefahr für das Augenlicht insbesondere von Kindern dar. Methoden und Ergebnisse (Kasuistik): Berichtet wird über ein achtjähriges Mädchen, das vom Augenarzt wegen einer Visusminderung bei Verdacht auf submakuläre Blutung durch Prellung und mit der Frage nach operativer Intervention geschickt wird. Die beste Sehschärfe beträgt rechts 0,6 und links 1,0. Bei normalen VAA und klaren Medien fallen ophthalmoskopisch rechts deutlich foveale, aber auch links parafoveale helle Pigmentverschiebungen auf. In der SD-OCT ist in diesen Arealen jeweils eine umschriebene Desintegration der Pigmentepithel-Photorezeptorschicht ohne weitere strukturelle und funktionelle Veränderung in den Kontrollen nach vier Wochen und sechs Monaten erkennbar. Resultat ist die irreversible thermische Zerstörung des Pigmentepithel-Rezeptorkomplexes mit der Folge einer bleibenden, nicht effektiv zu therapierenden Visusminderung. Die gezielte Nachfrage ergibt, dass das Mädchen mit Laserspielzeugen (LED-Taschenlampe mit zentraler Laserdiode (rot) und modifizierter Laserpointer (rot) mit „Star-light“-Aufsatz) gespielt hatte. Schlussfolgerung: Scheinbar spontane Visusminderungen mit umschriebenen makulären Defekten insbesondere bei Kindern müssen auch an eine Schädigung durch Laserlicht (z.B. Laserspielzeug) denken lassen. Die gezielte Nachfrage in der Anamnese ist diagnoseweisend. Fatalerweise hemmt die kindliche Neugier den Lidschlussreflex und lenkt im Vertrauen auf die ein Spielzeug kennzeichnende Harmlosigkeit den energiedichten Laserstrahl auf die Fovea, sodass bei genügend langer Betrachtungszeit auch leistungsärmere Laser zerstörerisch wirken. Weil darüber hinaus unkontrolliert wesentlich leistungsstärkere Laserprodukte erhältlich sind, muss aus augenärztlicher Sicht grundsätzlich vom Umgang mit Laserprodukten (auch mit Laserspielzeug) durch Kinder abgeraten werden.
Referent/in: Philipp Herrmann (Bonn)
Purpose: To analyze the retinal damage and natural history of laser burns from commercially available high-output laser pointers. Methods: Functional assessment included best corrected visual acuity testing and fundus-controlled photopic microperimetry. Multi-modal retinal imaging included confocal scanning laser ophthalmoscopy, color fundus photography, and optical coherence tomography (OCT). The visual output spectrum and total power of the devices was determined by using a spectrometer and power meter. Results: All children (10-16 years old, 4 boys, 1 girl) reported paracentral scotomata immediately after laser pointer exposure. Visual acuity at presentation ranged from 0.4 and 1.0. One child had bilateral and four had unilateral burns within a distance of 100 µm from the foveal center. OCT at first presentation consistently showed reflectivity changes throughout all retinal layers. Intraretinal fluid was observed in 2 patients. Review over 3-16 months revealed anatomic normalization of inner retinal layers, but persistent alterations in the outer retina and the retinal pigment epithelium. No secondary choroidal neovascularization occurred during the review period. At the last examination, visual acuity ranged from 0.9 to 1.2. However, all patients had a persistent scotoma. The laser devices were all obtained from online or street markets. The total sustained output power of the green (532-540 nm peak wavelength) lasers ranged from 32 mW to 95 mW. None of the devices was correctly labeled. Conclusions: Commercially available laser pointers may have an unsafe energy output that may lead to persistent retinal damage with corresponding scotoma when directed to the eye. Awareness of risks of such devices needs to be raised as their availability becomes easier and official regulations are not yet in place to control for distribution and actual power output.