Postersitzungen, Donnerstag, 29. 9. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 4 13:30 - 14:30 29.09.2016
Postersitzung PDo04
Retina: AMD
Vorsitzende/r: Andreea Gamulescu (Regensburg), Peter Wiedemann (Leipzig)

Referent/in: Marlene Saßmannshausen (Bonn)
Ziel: Ziel der Studie war die topographische Analyse der Veränderung der skotopischen Netzhautfunktion über ein Jahr bei Patienten mit retikulären Drusen (RDR) und altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). Methoden: Mittels multimodaler Bildgebung (Farbfundusphotographie, konfokale Scanning Laser Ophthalmoskopie: Nahinfrarot, Fundusautofluoreszenz, Multicolor, Spektral-Domain optische Kohärenztomographie (SD-OCT): Volumenschnitt: 30° x 25°, ART mindestens 9 Bilder, 61 B-Schnitte, Abstand 120 µm) wurden Netzhautareale mit RDR (Kategorie 1) und gesunder Netzhaut (Kategorie 2) bei 26 Augen von 22 Patienten (Alter: Median 73 Jahre, Bereich 63-88) identifiziert. Die skotopische Fundus-kontrollierte Perimetrie (30 Minuten Dunkeladaptation, 56 Stimuluspunkte, Goldmann Größe V, 200msec, 4-2 Strategie, MP-1S, Nidek Technologies, Padova, Italien) erfolgte bei Erstuntersuchung (t0) und nach einem Jahr (t1, Mittelwert 12,5 Monate (9-19). Zu beiden Zeitpunkten wurde jeweils vor der eigentlichen Untersuchung ein sog. Filtertest zur Bestimmung der Stärke des Neutralfilters (ND) durchgeführt. Ergebnisse: Bei 13 Augen wurde sowohl bei t0 und t1 der ND 1,0 verwendet, während bei 6 Augen der ND 2,0 und bei 7 Augen ein Wechsel von ND 2,0 zu 1,0 nach einem Jahr erfolgte. Die mittlere skotopische Sensitivität (im folgenden Werte nur für die 13 Augen mit ND 1,0) betrug 14,7dB±1,9 (12,1-18,7) bei t0 und zeigte eine mittlere Veränderung von +0,2dB±2,3 (-4-5,2) nach einem Jahr (p=0,91). Für die Bereiche innerhalb Kategorie 1 betrug bei t0 die mittlere Anzahl der Testpunkte 35,4 (17-51) mit einer Zunahme auf 38,1 (19-51) bei t1 (p= 0,03). Die skotopische Sensitivität der Kategorie 1 war sowohl zu t0 (12,9dB±2,6) als auch zu t1 (13,8dB±2,4) im Vergleich zu Arealen der Kategorie 2 zu t0 (18,3dB±1,5) und zu t1 (17,7±2) erniedrigt (t0:p=0,001; t1:p=0,002). Nach einem Jahr zeigten sich keine wesentlichen Veränderungen jeweils innerhalb der Areale der Kategorie 1 (+ 0,9dB±2,6 (-4,3-6,1))(p=0,2) und Kategorie 2 (-0,6±1,9 (-4,2-2))(p=0,3). Schlussfolgerungen: Die skotopische Netzhautfunktion ist sowohl bei Erstuntersuchung als auch nach einem Jahr in Bereichen von RDR signifikant im Vergleich zu benachbarten Netzhautarealen ohne sichtbare pathologische Veränderungen reduziert. Innerhalb eines Jahres war keine wesentlich weitere Verschlechterung messbar. Diese Ergebnisse ergeben Hinweise auf das dynamische Wachstumsverhalten von RDR und deren Auswirkungen auf die Netzhautfunktion.
Referent/in: Lukas Kreilkamp (Jena)
Einleitung: Die Ätiologie der trockene Form der AMD ist bisher nicht vollständig geklärt. Unter Verwendung von Fluorescence-lifetime-Imaging-Ophthalmoscopy (FLIO), einem neuen und nicht invasiven Bildgebenden Verfahren zur Detektion von stoffwechselbedingten Veränderung in der menschlichen Retina, haben wir Drusen und Pigmentverschiebungen bei Patienten mit trockener AMD untersucht. Methoden: Es wurden 4 Patienten mit einer trockenen AMD (mittleres Patientenalter 71± 10,5) mittels FLIO (Heidelberg-Engineering, Heidelberg, Germany) untersucht. Der Fluoreszenzzerfall wurde in zwei Spektralkanälen (Kanal1: 490-560nm; Kanal2: 560-700nm) gemessen und anschließend wurde die zeitaufgelöste Fluoreszenzintensität 3-exponentiell für jeden Bildpixel angepasst. Daraus ergaben sich die Parameter Fluoreszenzabklingzeit t1 bis t3 sowie die dazugehörige Amplituden A1 bis A3. Der Amplituden-gewichtete Mittelwert (tm) jedes Kanals und Pixels wurde als Hauptparameter für die weitere statistische Analyse genutzt. Drusen und Pigmentverschiebungen wurden anhand von Fundusfotos, OCT und Fundusautofluoreszenz (FAF) identifiziert. Ergebnisse: Deutliche Verlängerungen der mittleren Fluoreszenzlebensdauern um 9,3±5,4%, p< 0.0005 (Kanal 1) bzw. 7,9±6,7%, p=0.003 (Kanal 2)wurden auf hyperpigmentierten Fundusarealen im Vergleich zur Umgebung gemessen. Auch weiche Drusen zeigten signifikant verlängerte Abklingzeiten tm:2,2±1,9% (p=0.024) bzw. 2,8±1,7% (p=0.005) in den beiden Spektralkanälen. Schlussfolgerung: FLIO ist geeignet, Drusen und Hyperpigmentierungen bei trockener AMD zu charakterisieren. Eine geplante Verlaufsbeobachtung der Patienten kann möglicherweise Aufschluss über den prognostischen Wert des Verfahrens geben.
Referent/in: Ioannis Papapostolou (Münster)
Hintergrund: Die geographische Atrophie (GA) als eine Spätform der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist eine häufige Ursache für einen schweren Sehverlust. In großen prospektiven Studien (FAM) konnte gezeigt werden, dass sich hinter dieser Bezeichnung verschiedene Krankheitsbilder verbergen. In histologischen Untersuchungen wurde zudem die Vermutung geäußert, dass als primäre Ursachen und Schädigungsorte für die Entwicklung einer GA sowohl das RPE als aber auch die Photorezeptorschicht oder die Choriokapillaris in Frage kommen kann. Ziel der vorliegenden Studie war es, diese Hypothese mittels verschiedener bildgebender Verfahren zu untersuchen. Methode: Hierzu wurde bei 15 Patienten mit dem klinischen Bild einer GA (15 Augen) die Fläche des veränderten Areals in der Fundusautofluoreszenz (FAF) zur Beurteilung des RPE-Schadens, auf SD-OCT (Spectralis, HE) En-face-Aufnahmen mit der Segmentierung auf Ebene der IS/OS-Linie zur Charakterisierung des PR-Schadens und auf Aufnahmen in der OCT-Angiographie (OCT-A, Angiovue, Optovue) mit einer Segmentierung auf der Ebene der Choriokapillaris (CC) zur Beurteilung einer Regression in dieser Schicht vermessen. Ergebnisse: Die Flächenausmessung auf der Ebene der verschiedenen Schichten (PR vs RPE vs CC) zeigte bei allen Augen eine unterschiedliche Ausdehnung der jeweils atrophischen Areale. Setze man das atrophe Areal in der FAF als 1 so zeigte sich bei 13,3% ein größeres atrophes Areal in der SD-OCT En-face-Aufnahme. Dies deutet auf einen größeren PR-Schaden im Verhältnis zum RPE hin. Demgegenüber zeigte sich bei 20% auf der CC-Darstellung in der OCT-A ein größeres atrophes Areal gegenüber dem atrophen Areal in der FAF. Schlussfolgerungen: Bei der GA ermöglicht die multimodale Bildgebung mittels FAF, En-face-OCT und OCT-A eine differenzierte Betrachtung der atrophen Veränderungen auf der Ebene des RPE, der Photorezeptoren und der CC. Befunde der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass die in histologischen Untersuchungen vermuteten differenzierten Veränderungen und GA-Phänotypen durch diese Methoden eventuell klinisch charakterisiert werden können. Dies könnte neben der phänotypischen Charakterisierung der GA auch für die Beurteilung zukünftiger therapeutischer Ansätze hilfreich sein.
Referent/in: Maximilian Pfau (Bonn)
Hintergrund: Natürliche Verlaufsstudien zur geographischen Atrophie (GA) bei AMD deuten auf eine hohe interindividuelle Variabilität der Progressionsraten hin. Zu den identifizierten Progressions-Prädiktoren gehören zählen unter anderem die Läsionsfläche, der Fundus Autofloreszenz (FAF) Phänotyp sowie die „Circularity“ - das Verhältnis aus Fläche und Perimeter zum Quadrat. Ziel dieser Analyse ist zu prüfen, ob der Läsions-Perimeter (Umfang) als Maß der eigentlichen Grenzfläche stärker mit der zukünftigen GA-Progression korreliert als die „Circularity“ oder Läsionsfläche. Methoden: Die Fläche von GA wurde mittels der RegionFinder SoftwareTM (Heidelberg Engineering, Deutschland) in 1003 Visiten von insgesamt 204 Patienten (301 Augen) der prospektiven natürlichen Verlaufsstudien FAM (“Fundus Autofluorescence Imaging in Age-related Macular Degeneration”, NCT00393692) und DSGA (“Directional Spread in Geographic Atrophy”, NCT02051998) vermessen. Die annotierten FAF-Aufnahmen wurden mittels eines anwendungsspezifischen ImageJ-Plugins (Bethesda, Maryland, USA) ausgewertet. Ergebnisse: Ein Subanalyse von Visiten (n=75), die verblindet durch zwei Readern ausgemessen wurden, ergab eine hohe Intra-Klassen-Korrelation für die Fläche (0,98), den Perimeter (0,92) sowie eine moderate Intra-Klassen-Korrelation für den Maximaldurchmesser (0,76). In der Gesamtanalyse basierend auf 1003 Visiten von 204 Patienten (301 Augen) zeigte der Perimeter (Spearman’s rho 0,679; p< 0,001) im Vergleich zum Maximaldurchmesser (0,614; p< 0,001), der „Circularity“ (-0,584; p< 0,001) und der Läsionsfläche (0,491; p< 0,001) die stärkste Korrelation mit der zukünftigen GA-Progressionsrate (Median [IQR]: 1,38 mm^2/Jahr [0,710 – 2,42]). Diskussion: Im Vergleich zu bisher bekannten Konfigurations-beschreibenden Parametern der GA zeigt der Perimeter die stärkste Korrelation mit der zukünftigen Progressionsrate. Dieser neu-identifizierte Risikofaktor für die GA-Progression kann in klinischen Studien zwecks Stratifizierung dienlich sein. Die Assoziation zwischen Perimeter und Progression untermauert, dass die Größe der Grenzfläche zwischen GA und umgebender Netzhaut und die in diesem Bereich stattfindende GA-Expansion stärker zur Gesamtprogression der GA beiträgt als die de-novo Entstehung neuer Foci.
Referent/in: Martin Gliem (Bonn)
Fragestellung: Pseudoxanthoma elasticum (PXE) ist eine seltene Multisystemerkrankung, welche durch Kalzifizierung elastischer Fasern gekennzeichnet ist. Fundusveränderungen entstehen durch eine Verkalkung der Bruch’schen Membran. Einzelfallberichte weisen darauf hin, dass neben den klassischen Befunden wie Peau d’orange, angioiden Streifen und chorioidaler Neovaskularisation (CNV) auch eine chorioretinale Atrophie entstehen kann. Ziel dieser Arbeit war, die Häufigkeit, phänotypischen Charakteristika sowie die Progression der chorioretinalen Atrophie bei PXE zu untersuchen. Methodik: Insgesamt wurden 276 Augen von 139 Patienten mit PXE mittels Fundus Farbfotographie, konfokaler Fundus Autofluoreszenz (AF) und hochauflösender optischer Kohärenztomographie untersucht. Die Progressionsrate der Atrophie wurde basierend auf longitudinalen Fundus AF Aufnahmen quantifiziert. Ergebnis: Eine chorioretinale Atrophie war in insgesamt 90 Augen (32%, mittleres Alter 60, Spanne 32-88 Jahre) nachweisbar. In 19 Augen (7%, mittleres Alter 56, Spanne 37-77 Jahre) zeigte sich eine Atrophie ohne Zeichen einer aktiven oder fibrotischen CNV. Die Häufigkeit sowohl einer chorioretinalen Atrophie als auch einer CNV stieg mit dem Alter an. Patienten >70 Jahre zeigten alle eine chorioretinale Atrophie und/oder Zeichen einer CNV, wenngleich der Schweregrad deutlich variierte. Augen mit früher reiner chorioretinaler Atrophie (n=13, keine Zeichen einer CNV) zeigten typischerweise musterdystrophieartige Veränderungen (100%), retikuläre Pseudodrusen (82%) und eine reduzierte chorioidale Dicke. Fortgeschrittene Atrophien waren meistens multifokal und reichten über die Gefäßbögen sowie bis nasal des Sehnervenkopfes. Die mittlere Größenzunahme der Atrophie lag bei 3.3 ±1.3 µm2/Jahr (Mittelwert±Standardabweichung) ohne und 1.6 ±1.1 µm2/Jahr mit assoziierter CNV. Schlussfolgerung: Chorioretinale Atrophien sind ein häufiger Befund bei Patienten mit PXE. Sie sind durch einen frühen Beginn sowie schnelle Progression charakterisiert und führen zu einem CNV-unabhängigen Sehverlust. Der Phänotyp zeigt Gemeinsamkeiten mit der geographischen Atrophie bei Patienten mit AMD, was auf gemeinsame pathogenetische Wege hinweist.
Referent/in: Clemens Jürgens (Greifswald)
Background: The role of macular pigment is not completely understood, but different effects have been described to explain its possible protective function. One important aspect is the absorption of blue light that might limit damages caused by short wavelength visible light. Several techniques exist to determine macular pigment optical density (MPOD), but they require either specialized devices or show insufficient accuracy. We present a simple blue channel intensity ratio derived from nonmydriatic fundus images and its association with age related macular degeneration (AMD) in a large population-based study. Methods: We analyzed fundus images from participants of the population-based Study of Health in Pomerania (SHIP-Trend). All subjects underwent nonmydriatic funduscopy of the right eye. AMD was graded by one reader based on the classification of the Rotterdam Study. For our analysis we summarized AMD subgroups into early AMD (stages 0b and 1b) and late AMD (stages 0c, 1a, and 2-4). Using the imaging software Photoshop (Adobe, Ireland) we determined the mean blue channel intensity in the macular region and a peripheral retinal area. The ratio of both values was calculated as measure of the relative blue light absorption of the macula. Data was analyzed by multinomial logistic regression adjusted for age. Results: Fundus photographs with adequate image quality were available from 1468 individuals. No signs of AMD were found in 881 cases (60.0%), early AMD was present in 423 subjects (28,8%), and 164 participants (11.2%) had late AMD. The means of the blue channel were 0.13 ± 0.54 for no AMD, 0.06 ± 0.17 for early AMD, and 0.09 ± 0.44 for late AMD. We found a significant association between the blue channel ratio and early AMD (p=0.002). Late AMD was not associated with the blue channel ratio. Conclusions: In this study, the ratio of the blue channel intensity between macular and peripheral retinal regions in nonmydriatic fundus images was positively associated with early stages of AMD. These results raise evidence that this parameter might be useful as early predictor for AMD development. This hypothesis will be verified in the upcoming SHIP follow-up examinations.
Referent/in: Hana Langrová (Hradec Králové)
Purpose: To determine long term effects of rheopheresis on the advanced dry form of age-related macular degeneration. Methods: We treated 65 patients, average age of 69.3 years, treated with rheopheresis and 55 patients, average age of 73.5 years, comprising the control group. In the treatment group, soft drusen and confluent soft drusen were present in 68 eyes, drusenoid pigment epithelium detachment (DPED) was found in 48 eyes. In the control group, soft drusen were present in 54 eyes and DPED in 38 eyes. Wet form of AMD was found in 14 eyes of treated patients and in 18 eyes of controls and these eyes were not included into the evaluation. Minimum follow-up period was 5 years. Each treated patient received series of 8 rheophereses of 1.5 plasma volume within 10 weeks. We evaluated rheological parameters and measured size of soft drusen area, size of DPED, best-corrected visual acuity (BCVA), electroretinography (ERG) at baseline and every 6 months. Results: In the treatment group, the baseline mean BCVA was 73.6 letters of ETDRS charts followed by slight improvement of values up to 2 years and thereafter slight decrease to final BCVA of 73.8 letters. In the control group, the baseline mean BCVA was 71.2 letters and it decreased continuously, significantly after 4 years, to final BCVA of 64.8 letters (p = 0.031). We found improvement of the morphological findings in 62% of treated patients and only in 7% of controls, whereas progression to the wet form of disease or geographic atrophy was noted in only 7% of treated patients and in 37% of controls. DPED area became smaller in 80% of patients, whereas it enlarged in 47% of controls. We found preserved integrity of IS/OS photoreceptor junction in fovea in 68% of treated patients and its defect in fovea in 67% of controls. We found stabilization of the activity of ganglion cells, cone system and central retinal region with eccentricity between 1.8° and 30° in treated patients and its alteration in controls, which was significant in follow-ups at 3.5 years and longer. Conclusion: We demonstrated positive effect of rheopheresis on both anatomical and functional findings of treated patients that persisted over many months. Supported by MH CZ – DRO (UHHK, 00179906)
Referent/in: Fredeeric Gunnemann (Münster)
Hintergrund: Die OCT-Angiographie (OCT-A) ist eine neue Methode, um im Rahmen einer exsudativen AMD zwei und dreidimensional Gefäßstrukturen über und unter dem RPE darzustellen. Ziel der vorliegenden Studie war es, durch Korrelation von OCT-A Befunden mit den Darstellungen in der Fluoreszenz-/Indocyaningrün- Angiographie (FA/ICG) und im SD-OCT eine phänotypische Beschreibung von vaskularisierten PE-Abhebungen bei gut abgrenzbarer Typ-1 CNV (okkulte CNV) mit assoziierter seröser PE-Abhebung vorzunehmen. Patienten und Methode: Bei 10 Patienten wurde im FA/ICG und SD-OCT eine gut abgrenzbare Typ-1 CNV (okkulte CNV) mit assoziierter seröser PE-Abhebungen diagnostiziert. Bei diesen Patienten wurde zudem eine OCT-A (Avanti/FA Optovue) vorgenommen. Diese Befunde wurden in der etablierten zweidimensionalen Darstellung verglichen. Zudem wurden die Daten in ein externes Bildverarbeitungsprogramm (Amira) exportiert und hier zur dreidimensionalen Darstellung verarbeitet. Bei allen Aufnahmen wurde der Teil der angrenzbaren CNV und der Teil der serösen PE-Abhebung separat beschrieben (Oberflächenstruktur, Flow-Areale). Ergebnisse: Generell ermöglicht die dreidimensionale SD-OCT und OCT-A Darstellung eine wesentlich bessere phänotypische Visualisierung der exsudativen Veränderungen. Hierbei zeigten alle im FA/ICG gut abgrenzbare Typ 1 CNV-Anteile in den 3D SD-OCT Bildern eine unregelmäßige, wellige Oberflächenstruktur und im 3D OCT-A diskret von der Umgebung abgrenzbare neugebildete Flow-Areale. Demgegenüber zeigte der Anteil der serösen PE-Abhebung eine glatte Oberflächenstruktur und ein kugelig-nierenförmiges Erscheinungsbild in der 3D Darstellung. Flowareale waren hier nicht sichtbar. Schlussfolgerungen: Die Kombination zwei- und dreidimensionaler Darstellungen vaskularisierter PE-Abhebungen ermöglichen eine differenziertere phänotypische Beschreibung und Charakterisierung individueller Befunde. Dies ermöglicht eine neue und wesentlich bessere Darstellung der vorliegenden morphologischen (3D SD-OCT) und vaskulären (3D OCT-A) Pathologien. Insbesondere vaskularisierte Anteile können hierbei mittels OCT-A spezifisch dargestellt werden. Hierdurch können sich eine differenzierte Beobachtung therapeutischer Effekte und eine Weiterentwicklung individualisierter therapeutischer Strategien ergeben.
Referent/in: Josefine Urban (Berlin)
Hintergrund: Randomisierte kontrollierte Phase III Studien haben die Wirksamkeit der intravitrealen Anti-VEGF Therapie für die Behandlung der exsudativen altersbedingten Makuladegeneration (AMD) belegt. In einer retrospektiven Analyse evaluierten wir eigene „real life“ Ergebnisse der Therapie mit Aflibercept bei Patienten mit exsudativer AMD, die über einen Zeitraum von 12 Monaten an der Universitätsaugenklinik der Charitè Campus Benjamin Franklin behandelt wurden. Methoden: In die Auswertung wurden Patienten mit exsudativen AMD eingeschlossen, bei denen Therapie mit Aflibercept nach Februar 2013 initiiert wurde und die eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 12 Monaten erreichten. Ausschlusskriterien für die Auswertung waren: 1. Anti-VEGF-Therapie aus anderen Gründen als exsudative AMD; 2. ausgeprägte subretinale Fibrose oder geographische Atrophie subfoveolär; 3. Therapiewechsel während der Auswertungszeit von ersten 12 Monaten und 4. Vitrektomie in der Anamnese oder jeglicher intraokularer Eingriff während der Auswertungszeit. Eine Vorbehandlung mit Ranibizumab oder Bevacizumab war zulässig, wenn die letzte intravitreale Injektionen mindestens 3 Monate vor dem Einschluss zurücklag. Statistisch ausgewertet wurden die Visusergebnisse (gemessen mit ETDRS Tafeln) in zwei Subgruppe gebildet: Gruppe A beinhaltete Patienten, die eine Behandlung strickt nach Fachinformation erhielten (3 monatliche Injektionen gefolgt mit Applikationen alle 8 Wochen). In der Gruppe B befanden sich Patienten, bei denen nach 3 monatlichen Injektionen die Re-Applikationen unregelmäßig erfolgten (bedingt durch Notwendigkeit eines erneuten Kostenübernahmeantrages oder Non-Adhärenz seitens Patienten) Ergebnisse: Visusergebnisse von insgesamt 47 Patienten, die den Einschlusskriterien entsprachen, wurden im Rahmen der Analyse ausgewertet. 64 % des Studienkollektives waren Frauen (n=30) und 36 % Männer (n= 17). Das mittlere Alter lag bei 75,3 ± 6,8 Jahre. Bei 45% der Patienten wurde das rechte Auge (n=21) und in 55% der Patienten das linke Auge (n=26) behandelt. In der Gruppe A (Behandlung strikt nach der Fachinformation) kam es bei 14 Patienten zu einem Visusanstieg von initial 0,33±0,26 auf 0,43±0,17 nach 12 Monaten. Die Visusverbesserung war allerdings nicht statistisch signifikant (p=0,11). Auch bei Patienten der Gruppe B (n=33), bei denen unregelmäßige Re-Applikationen erfolgten, kam es zu einem nicht signifikanten Visusanstieg 0,33±0,21 auf 0,37±0,23 nach 12 Monaten (p=0,51). Ein Vergleich der Visusbesserung in den beiden Gruppe zeigte einen nicht signifikanten Unterschied (Gruppe A von 0,1±0,28 vs. Gruppe B von 0,05±0,15 ; p=0,27). Schlussfolgerung: In Alltagbedingungen kam es unter Aflibercept-Therapie zwar zu einem Visusanstieg, die signifikante Visusbesserung der Zulassungsstudien konnte jedoch nicht erreicht werden. Sowohl aus privaten Gründen, aber vor allem aufgrund der verzögert bewilligten Krankenkassenanträge fällt es vielen Patienten oft schwer, den Zeitplan von 7 Injektionen in einem Jahr einzuhalten. Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Visusergebnisse dieser Patienten im Vergleich zu Patienten, die strikt nach der Fachinformation behandelt wurden, jedoch nur nicht signifikant schlechter waren.
Referent/in: Liga Radecka (Riga)
Introduction: Wet-AMD is one of the most common retinal diseases among the elderly population and repeated intravitreal anti-VEGF injections is the standart treatment of this disease. Objectives and aim: To determine whether the posterior vitreous detachment (incomplete which reaches the fovea without traction on the foveola or complete) affects the treatment results of intravitreal injections with anti-VEGF in patients with wet-AMD. Methods: Retrospective study. Spectral Domain OCT data were analyzed in 31 patients with wet-AMD who were treated with monthly anti-VEGF intravitreal injections for one year. According to the status of posterior vitreous before treatment (incomplete PVD which reaches the fovea without traction on the foveola or complete PVD) patients were divided into two groups. Central retinal thickness (CRT) changes after three, six, nine and twelve repeated injections compared to data prior to the treatment were analyzed in both groups. Results: From analyzed 31 patients 13 (42%) had incomplete PVD and (58%) had complete PVD. In incomplete PVD group mean CRT before treatment was 466 µm (SD 84µm), but after 3 injectons it was 288 µm (SD 89µm), after 6 injections – 302µm (SD 72µm), after 9 injections – 286 µm (SD 71µm), but after 12 injections – 309 µm (SD 90µm). Mean difference in CRT after 3 following injections was reduction of 179 µm or 38,4%. But mean difference in CRT after 12 repeated injections was reduction of 157 µm or 33,7% if compare with data before treatment. In complete PVD group mean CRT before treatment was 434µm (SD 82µm), but after 3 injections it was 293 µm (SD 82µm), after 6 injections – 295µm (SD 49µm), after 9 injections – 296 µm (SD 72µm), but after 12 injections – 296 µm (SD 76µm). After 3 repeated injections mean difference in CRT was reduction of 141 µm or 32,5%. But after 12 injections mean reduction in CRT was 138 µm or 31,8%. ANOVA repeated measures shows statistically significant reduction of CRT in both groups after inicial 3 intravitreal anti-VEGF injections (p< 0,001), but does not change statistically significant during next nine months of treatment. There was not statistically significant difference between results of both groups (p>0,05). Conclusion: Incomplete PVD which reaches the fovea without traction on the foveola does not affect the effectiveness of the anti-VEGF treatment in wet-AMD more than complete PVD.
Referent/in: Marie-Christine Bründer (Freiburg)
Fragestellung: Die OCT ist derzeit keine Kassenleistung zur Verlaufskontrolle bei IVOM-Therapie. Wir untersuchten die Sensitivität und Spezifität einer subjektiven Sehverschlechterung (Visusminderung und/oder zunehmende Metamorphopsie) nach einer Therapiepause für die Erkennung einer reaktivierten Erkrankungsaktivität bei verschiedenen Makula-Erkrankungen. Methodik: Eingeschlossen wurden Patienten mit feuchter altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD), myoper chorioidaler Neovaskulariation (mCNV), diabetischem Makulaödem (DMÖ), Makulaödem bei Venenastverschluss (VAV) oder Zentralvenenverschluss (ZVV), die zuvor mit Anti-VEGF (Bevacizumab, Ranibizumab oder Aflibercept) behandelt wurden Es wurden nur Patienten untersucht, die sich zur Verlaufskontrolle nach Injektionspause bei zwischenzeitlich ruhigem Befund vorstellten. Die subjektive Einschätzung der Sehfähigkeit (Visusminderung, Metamorphopsie) wurde über einen Fragebogen erfasst. Der Visusverlauf wurde aus der klinischen Dokumentation entnommen. Die Entscheidung über eine Reaktivierung der Erkrankung erfolgte anhand der klinischen Parameter und Befundung des OCT durch einen erfahrenen Kliniker. Ergebnis: 378 von 923 Patienten benötigten eine erneute intravitreale Anti-VEGF-Therapie bei Reaktivierung der zugrundeliegenden Erkrankung. Die Sensitivität einer subjektiven Sehverschlechterung für eine erneute behandlungsbedürftige Aktivität war niedrig (0.28-0.46), dies bei hoher Spezifität (0.86-1.0). Eine subjektiv wahrgenommene Sehverschlechterung war bei DMÖ, VAV und ZVV ein starker Prädiktor für die Notwendigkeit erneuter Injektionen (positiver prädiktiver Wert: DMÖ 0.88, VAV 0.89, ZVV 1.0), jedoch nicht bei nAMD und mCNV (0.59 respektive 0.67) Die Hinzunahme einer Visusminderung im Sehtest als fakultativer Faktor zur subjektiven Einschätzung des Seheindrucks verbesserte die Sensitivität (0.32-0.6), allerdings unter Inkaufnahme einer schlechteren Spezifität. Schlussfolgerung: Eine vom Patienten berichtete Sehverschlechterung nach Therapiepause sollte unbedingt ernst genommen werden, da insbesondere bei Patienten mit DMÖ, VAV und ZVV mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erneute intravitreale Anti-VEGF-Therapie erforderlich ist. Die niedrige Sensitivität der subjektiven Einschätzung macht eine OCT-Untersuchung zur frühzeitigen Erkennung einer Reaktivierung jedoch unerlässlich.
Referent/in: Sandra Liakopoulos (Köln)
Fragestellung: Die SD-OCT-Technologie hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem unverzichtbaren diagnostischen Verfahren bei chorioretinalen Pathologien entwickelt. Die multizentrische ORCA-Studie wurde Ende 2012 als Substudie der nicht-interventionellen OCEAN-Studie gestartet und untersucht die Befundungsqualität von SD-OCT-Aufnahmen. Methodik: Die quantitative und qualitative Befundung von SD-OCT-Aufnahmen wurde untersucht bei Patienten, welche aufgrund einer neovaskulären AMD (nAMD), eines diabetischen Makulaödems (DMÖ) bzw. eines Makulaödems aufgrund eines retinalen Venenverschlusses (RVV) mit Ranbizumab behandelt werden. Sofern eine SD-OCT-Kontrolle durchgeführt wurde, dokumentiert der Studienarzt die Befunde anhand eines elektronischen Fragebogens und übermittelt die Aufnahmen an drei Reading Center, die verblindet eine Befundung der Aufnahmen anhand eines gemeinsam entwickelten Standard-Protokolls durchführen. Die SD-OCT-Befundung der Studienärzte wird anschließend mit der standardisierten Befundung der Reading Center verglichen. Ergebnisse: Aktuell liegen Baseline-Daten von 378 Patienten der ORCA Studie aus 36 aktiven Studienzentren vor. Die Studienzentren stellten bei 237 Patienten die Diagnose nAMD, bei 56 Patienten die Diagnose RVV und in 85 Fällen die Diagnose DMÖ. Intraretinale Flüssigkeit (subretinale Flüssigkeit) war nach Auswertung der Reading Center in 294 (204) Fällen vorhanden. Bei 11 (49) Patienten bzw. in 4% (24%) wurde diese von den Studienzentren nicht erkannt. Bei 43 (28) Patienten dokumentierten die Studienzentren Flüssigkeit, welche durch die Reading Center nicht bestätigt werden konnte. 73% der von den Studienzentren als korrekt beurteilten Segmentierungslinien wurden von den Reading Centern als fehlerhaft bewertet. Schlussfolgerungen: Intra- und / oder subretinale Flüssigkeit waren bei Baseline bei fast allen Patienten vorhanden bei insgesamt moderater bis guter Übereinstimmung zwischen Reading Centern und Studienzentren, wobei subretinale Flüssigkeit häufiger übersehen wurde als intraretinale Flüssigkeit. Die Qualität der automatischen Segmentierung der Netzhautgrenzen durch die Software wurde häufig überschätzt. Eine zuverlässige Bewertung von SD-OCT-Aufnahmen bildet die Grundlage einer optimalen, SD-OCT-gestützten Anti-VEGF-Therapie. Die Analyse der ORCA-Studie kann eine Aussage darüber treffen, welche SD-OCT-Parameter im Praxisalltag sicher bewertet werden und welche eine Variabilität in der Befundung aufweisen.