Postersitzungen, Donnerstag, 29. 9. 2016

 
dt/engl
Posterkabinett 3 13:30 - 14:30 29.09.2016
Postersitzung PDo03
Kornea: Diagnostik // Diagnostics
Vorsitzende/r: Christian Meltendorf (Magdeburg), Berthold Seitz (Homburg/Saar)

Referent/in: Anna-Karina Maier (Berlin)
EINLEITUNG: Postoperative Augendruckerhöhungen nach Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty (DMEK) treten regelmäßig auf. In dieser Studie wurde der Effekt der cornealen Hornhautdicke auf die Augendruckmessung mit vier verschiedenen Augendruckmesstechniken untersucht. METHODEN: In einer prospektiven Studie wurde der Augendruck von 46 Augen von 46 Patienten, bei denen eine DMEK an der Charité zwischen März und Mai 2015 durchgeführt wurde, präoperativ und 1 und 3 Monate nach der Operation gemessen. Die Augendruckmessung erfolgte mit einem Noncontact pneumatischen Tonometer (NCT), dem iCare, dem Goldmann Applanationstonometer (GAT) und dem dynamischen Konturtonometer. Die zentrale Hornhautdicke wurde mit dem Vorderabschnitts-OCT ermittelt. ERGEBNISSE: Der mittlere Augendruck gemessen mit dem NCT, iCare, GAT und DCT lag präoperativ bei 14,3, 11,6, 12,7 und 16,0 mmHg, nach 1 Monat bei 13,1, 12,6, 12,7 und 16,0 mmHg und nach 3 Monaten bei 14,7, 14,5, 12,9 und 17,7 mmHg. Die gemessene Augendruck korreliert nur zwischen GAT und NCT (p = 0,119), GAT und iCare (p = 0,892), und iCare und NCT (p = 0,081) nach 1 Monat, sowie zwischen iCare und NCT (p = 0,702) nach 3 Monaten. Präoperativ zeigte sich keine Korrelation zwischen der Hornhautdicke und dem gemessenem Augendruck. 3 Monate postoperativ korrelierte die Augendruckmessung mit NCT und i Care und die Hornhautdicke signifikant (p = 0,003, p = 0,041). SCHLUSSFOLGERUNG: Die Korrelation zwischen den 4 verschiedenen Augendruckmessmethoden war schlecht mit einer breiten Streuung der Werte. Daher ist ein Wechsel der Augendruckmesstechnik nicht zu empfehlen. Die zentrale Hornhautdicke und die Augendruckmessung mittels NCT oder iCare korrelierten postoperativ, aber nicht mittels GAT oder DCT. Während die GAT annähernd stabile Messwerte generierte, tendierten die Messungen mittels NCT, iCare und DCT postoperativ zu höheren Werten im Vergleich zu präoperativ. Trotzdem detektierten alle 4 Messmethoden eine Augendruckerhöhung, die einer Therapie bedurfte. Daher sind prinzipiell alle 4 Messmethoden für die Routineuntersuchung nach DMEK geeignet.
Referent/in: Jana Giers (Frankfurt)
Einleitung: Die periphere bandförmige hypertrophe Hornhauttrübung wurde erstmalig 2003 beschrieben. Bisher gibt es nur wenige Fallberichte oder Beschreibungen. Wahrscheinlich liegen Beschreibungen des Krankheitsbildes unter dem Begriff „Salzmann-Degeneration“ vor. Ziel dieser Studie war es, die Vaskularisation im Bereich der Trübungen mit einer neuartigen Methode darzustellen. Methode: Der Hornhautbefund wurde bei 19 Patienten (w: 75%, ØAlter: 60,3± 8,7; m: 25%, ØAlter: 48,2± 11,6) mit der Diagnose mittels Spaltlampenkamera fotografiert und mit dem Angiovue Imaging™ System der optischen Kohärenz Tomographie (OCT) OptoVue XR Avanti (Fremont, Kalifornien; USA) beidseits dargestellt. Die Untersuchung erfolgte, wie von dem Gerät automatisch vorgegeben, zentral sowie manuell peripher im Bereich der Trübungen. Bei allen Patienten wurden beide Augen untersucht, um nach Veränderungen zu schauen, die klinisch vielleicht nicht erkennbar sind. Bei 58% waren beide Seiten betroffen. Neben der Pachymetrie Karte (corneal pachymetrie map) wurden die-Schnittbilder und eine OCT-Angiografie (OCTA) im Bereich der Trübungen durchgeführt. Ergebnis: Bei 12 von 19 Patienten (63%) konnten mit dem OCTA limbusüberschreitende Gefäße im Bereich der Hornhauttrübungen dargestellt werden. Diese konnten anhand der Spaltlampenfotos seltener und nur viel ungenauer dargestellt werden. Zudem konnten die angiographischen Bilder direkt mit einer Hornhaut-Schnittbildaufnahme des dargestellten Bereiches angeschaut werden und so die genaue Lokalisation der Gefäßveränderungen mit der Dicke der Hornhautveränderung verglichen werden. Schlussfolgerung: Das -OCTA bietet die Möglichkeit dezente Vaskularisationen in der Hornhautperipherie genauer und standardisierbarer darzustellen als mit der Spaltlampenfotografie.
Referent/in: Sonja Mertsch (Düsseldorf)
Purpose: The aim of this study was to establish a novel 3D in vitro model based on plastic compressed collagen (PCC) gels and human donor corneas, and to analyze the molecular mechanisms involved in axonal regeneration in the cornea. Methods: Murine adult dorsal root ganglion neurons (DRGs) were plated either on or into freshly prepared PCC gels, into stromal pockets prepared in human corneas or on laminin-coated plastic as a control. DRGs were fixed and stained after various time points and analysed using immunocytochemistry for βIII-tubulin and GAP43 for visualization of axons. Axonal growth was assessed using a confocal scanning microscope (Leica SP8) and ImageJ software. Results: While DRGs spontaneously developed axons on PCC gels and grew axons into the gels after 2 days, seeding cells into the gels delayed axonal outgrowth by nearly 2 days. Nevertheless these neurons maintained their growth capacity and developed axonal growth comparable to respective controls after 5 days. Within the 3D PCC gel, axons formed a network similar to in in vivo cornea, but axon growth was rather aberrant and undirected. Axonal density and length of DRGs on the PCC gel were comparable with axons grown on laminin-coated plates. However, those in the gel showed a slightly reduced axonal density and length presumably due to the 3D matrix density. DRGs seeded into the corneal stroma showed a significant delay in their growth capacity. However, after 5 days DRGs formed axons which grew into the stromal tissue of the cornea. Conclusions: The results of this study suggest that the PCC gel based 3D culture model, as well as the corneal stromal pocket model, are suitable for analyzing corneal axonal regeneration. The 3D structure enables the cells to show an in vivo-like growth pattern, preventing potential artifacts that may be observed in simple 2D culture systems where cell phenotypes and signaling pathways are altered. Understanding of the molecular mechanisms underlying axonal regeneration will help to develop therapeutic approaches for improving corneal reinnervation.
Referent/in: Nicole Zimmermann (Berlin)
Einleitung: Die Studie vergleicht die biomechanischen Eigenschaften der Hornhaut bei Patienten mit einer seit mindestens 10 Jahren bestehender systemischer Sklerodermie mit einer gesunden Kontrollkohorte. Material und Methoden: Untersucht wurden 14 Sklerodermie-Patienten und 38 Kontrollprobanden. Ein randomisiertes Studienauge pro Proband wurde nichtinvasiv auf die biomechanischen Eigenschaften zentrale Hornhautdicke (CCT), corneale Hysterese (CH) und cornealer Resistenzfaktor (CRF) untersucht. Die Bestimmung des Augeninnendrucks (IOP) erfolgte anhand der verschiedenen Messmethoden Goldmann-Applanationstonometrie (GAT), dynamische Kontourtonometrie (DCT) und Non-Contact-Tonometrie (NCT) mit dem Ocular Response Analyzer (ORA). Ergebnisse: Der IOD war in allen Untersuchungsverfahren bei Sklerodermie-Patienten signifikant geringer als bei der Kontrollgruppe (DCT IOP : p = 0,048, NCT IOPgat : p = 0,002, NCT IOPcc : p = 0,000). Die CCT war ebenfalls bei Sklerodermie-Patienten signifikant dünner (p = 0,001). Bezüglich der CH und des CRF ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede. Die korrigierte CH und der korrigierte CRF zeigten nach Anwendung der Korrekturgleichung CHkorr–CRFkorr in beiden Gruppen eine negative Differenz, die im Gegensatz zur Kontrollgruppe (-0,66) bei den Sklerodermie-Patienten (-0,83) leicht erniedrigt war. Schlussfolgerung: Es konnte keine Veränderung der biomechanischen Parameter (CH, CRF) bei Sklerodermie-Patienten festgestellt werden. Der verminderte Differenzwert der korrigierten CH und des CRF´s deutet in der Sklerodermie-Gruppe auf eine leichte Degression der viskösen Komponente sowie eine verringerte korneale Dämpfungskapazität hin. Die dünnere CCT und der erniedrigte Differenzwert lassen auf veränderliche Prozesse in der Zusammensetzung der kornealen Extrazellulärmatrix bei Sklerodermie-Patienten schließen.
Referent/in: Tatiana Zhmud (Vinnitsa)
Aim: To study the intensity of the ORP processes in the cornea with an experimental conjunctivitis and development of diabetes mellitus. Methods: For realization of experiments 52 rabbits were used, each with the weight of 2,2 - 2,9 kg.These were divided into three groups: the first - control group (8 rabbits), the second one - an experimental group comprising of animals with acute conjunctivitis (23 rabbits), the third one - an experimental group comprising of conjunctivitis and streptozotocin diabetes (21 rabbits). The activity level of OR enzymes of lacticdehydrogenase, malatedehydrogenase, glucose6phosphate dehydrogenase and glutathioneperoxidase was evaluated in the cornea tissue and tear liquid. Results: The experiment enabled to obtain the following results: the activity level of OR enzymes in the cornea of animals with conjunctivitis at the acute inflammatory phase under streptozotocin diabetes remarkably decreased as compared to the data where conjunctivitis was not accompanied by diabetes. At all terms of the monitoring there was a decrease of activity level of lacticdehydrogenase (at 1st term - 18,0% (р< 0,05), at 2nd- 12,5%, at 3rd- 7,3%), malatedehydrogenase (1st term - 16,2% (р< 0,05), 2ndterm - 10,4%, at 3rd term - 6,5%), glucose6phosphatedehydrogenase (at 1st term - 19,2% (р< 0,05), at 2 - 8,7%, at 3 - 7,8%), glutathioneperoxidase (at 1 term - 14,4% (р< 0,05), at 2- 9,9%, at 3- 5, 0%.The activity level of oxidoreductases in the tear liquid was remarkably higher at all terms of monitoring, which testifies to stability distortion in cellular membrane structures. The increased activity level of lactic dehydrogenase at the 1st term made up 25,0% (р< 0,05), at 2- 22,7% (р< 0,05), at 3- 9,9%; malatedehydrogenase at the 1st term by 19,5% (р< 0,05), at the 2nd- by 14,4%, at the 3rd - by 8,2%; glucose6phosphatedehydrogenase at the 1st term - 22,3% (р< 0,05), at the 2nd - 20,3% (р< 0,05), at the 3rd- 13,2% and decrease of activity level of glutathioneperoxidase at the 1term by 21,8% with (р< 0,05), at the 2- by 19,6 % (р< 0,05), at the 3- by 10,2%. Conclusions: The research has shown that the state of OR enzymes during the inflammatory process in the cornea tissues of animals with streptozotocin diabetes is remarkably distorted. In the tear liquid of animals with the developing experimental conjunctivitis and diabetes mellitus a remarkable growth of ORP is traced which testifies to the stability distortion of cellular membrane structures.
Referent/in: Lisa Zimmermann (Freiburg)
Fragestellung: Die makuläre Hornhautdystrophie ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung der Hornhaut, die histologisch auch Guttae aufweisen kann. Guttae finden sich sowohl unspezifisch als Degenerationszeichen als auch spezifisch bei der Fuchs-Endotheldystrophie. Da die Fuchs-Endotheldystrophie wesentlich häufiger vorkommt als die makuläre Hornhautdystrophie, ist ein Vorliegen beider Erkrankungen bei ein- und demselben Patienten denkbar. Es soll die Frage geklärt werden, ob die Mutationen, die für die makuläre Hornhautdystrophie verantwortlich sind, zu der Entstehung von Guttae führen, oder ob zusätzlich Mutationen einer Fuchs-Endotheldystrophie zu der Entstehung der Guttae führen. Methodik: Wir untersuchten 6 Patienten mit makulärer Hornhautdystrophie mit Guttae auf das Vorliegen für eine Fuchs-Endotheldystrophie typische TGC-Repeatexpansion (>50 TGC) im Intron 2 des TCF4-Gens und/oder typische Mutationen im CHST6-Gen. Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Keiner der 6 Patienten zeigte das typische und bekannte Mutationsmuster einer Fuchs-Endotheldystrophie mit einer TGC-Repeatexpansion (>50 TGC) im Intron 2 des TCF4-Gens. Die weitere genetische Analyse des Exon 3 des CHST6-Gens, das für die Entstehung einer makulären Dystrophie als krankheitsauslösend beschrieben wurde, zeigte bei allen 6 Patienten teils noch nicht beschriebene krankheitsursächliche Mutationen, teilweise in Kombination mit bekannten Mutationen, (c.280G>A, p.Asp94Asn compound heterozygot; c.68T>A, p.Leu23His homozygot; c.997T>C, p.Trp333Arg compound heterozygot; {c.225C>A, p.His75Gln; c.493T>C, p.Cys165Arg}; c.590T>G, p.Ile197Ser homozygot; c.610C>T, p.Pro204Ser homozygot). Diskussion: Unsere genetischen Untersuchungen weisen darauf hin, dass bei den 6 von uns untersuchten Patienten die Guttae in Hornhäuten mit makulärer Dystrophie eher eine degenerative Veränderung darstellen. Erstaunlicherweise wiesen alle Patienten eine neue Mutation des CHST6-Gens auf, in 2 von 6 unserer Patienten fanden wir je eine bisher unbekannte heterozygote Mutationen neben einer bereits bekannten Mutation (compound Heterozygotie), 3 homozygote bisher unbekannter Mutation und 1 compound heterozygot mit 2 unbekannten Mutationen. Möglicherweise begünstigen diese Mutationen die Entstehung degenerativer Guttae.
Referent/in: Katrin Wacker (Freiburg)
Introduction: Fuchs endothelial corneal dystrophy (FECD) is characterized by progressive corneal edema caused by endothelial dysfunction. In this study, we evaluated relationships between endothelial function and morphologic parameters by determining the percent recovery per hour (PRPH) of central corneal thickness after purposefully swelling the cornea. Methods: Twenty-nine corneas of 21 phakic FECD patients and 8 healthy control participants were examined by slit-lamp biomicroscopy. FECD severity was graded as mild, moderate, or advanced based on confluence and area of guttae, and presence of edema (modified Krachmer scale). Effective endothelial cell density (ECDe) was determined from the area of guttae and local cell density in confocal microscopy images. Steady state corneal thickness (CTss) and central corneal backscatter were measured from Scheimpflug images (Pentacam HR). Backscatter was standardized to a fixed scatter source. Corneal swelling was induced by wearing a low-oxygen transmissible contact lens for two hours and de-swelling was measured over five hours after lens removal or until corneal thickness returned to CTss. PRPH was 100*(1 – e-k), where k was determined by regression models from CT(t)=(d*e-kt) + CTss (d is swelling). Results: Induced corneal swelling was not different across groups (53 µm, 95% CI, 48–57; p=0.3, likelihood ratio test). PRPH was higher in controls (49%/h, 95% CI, 41–57) than in advanced FECD (37%/h, 95% CI, 29–44; p=0.04 for difference). Faster de-swelling (higher PRPH) was associated with lower FECD grade (p=0.02), lower ECDe (p=0.04), lower baseline central corneal volume (p=0.04), and lower anterior and posterior central backscatter (p=0.003 and p=0.01). In a multivariable model, only anterior backscatter and swelling were associated with PRPH (R2=0.47). Conclusion: Corneal hydration control is reduced and recovery of central corneal edema is impaired as FECD becomes more severe. Measuring anterior corneal backscatter may help to estimate corneal endothelial function and may help with clinical decision-making.
Referent/in: Jan Köhler (Hannover)
Einleitung und Fragestellung: Lamelläre posteriore Keratoplastiken finden eine immer weitere Verbreitung bei der Therapie von Endotheldystrophien. Für ein Aufklaren der Hornhaut wird die Notwendigkeit einer möglichst vollständigen Anlage des Transplantates postuliert. Kann die Hornhaut nach DMEK auch bei zu 50% abgelöstem Transplantat aufklaren? Methodik: Fallbeschreibung Ergebnisse: Vorgestellt wird der Fall eines 68-jährigen Patienten mit bds. Fuchsscher Endotheldystrophie, bei der es zu einer deutlichen Visusminderung bds. gekommen war. Sechs Wochen nach DMEK und Re-Bubbling wurde bei Verdacht auf Transplantatversagen und fortbestehendem Hornhautödem eine Re-DMEK indiziert, da das Transplantat im unteren Bereich abgelöst war. Der Eingriff konnte jedoch aufgrund eines zwischenzeitlich eingetretenen Apoplex nicht zeitnah durchgeführt werden. Bei der Wiedervorstellung zur geplanten OP weitere sechs Wochen später zeigte sich eine fast vollständig aufgeklarte Hornhaut, obwohl das Transplantat in der unteren Hälfte vollständig abgelöst war. Die OP wurde zunächst ausgesetzt, da der Patient eine deutliche Visusbesserung bemerkt hatte. Der Visus ist seitdem trotz langsam fortschreitender Ablösung stabil bei 0,63; die Hornhaut blieb bis zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung klar. Schlussfolgerungen: Kleinere Dehiszenzen oder Restinseln denudierten Stromas können nach bisherigen Erfahrungen mit der DMEK belassen werden. Unser Fall zeigt, dass auch bei halb abgelöstes Transplantat ein Entquellen des Stromas eintreten kann. Der Nachweis von Endothelzellen spricht für eine Migration um die abgelöste Membran herum auf die denudierten Hornhautbereiche. Eine Re-DMEK steht zur Diskussion, die Durchführung ist aufgrund des guten Visus aber noch nicht konkret geplant.
Referent/in: Maximilian Schultheiss (Tübingen)
Einleitung: Zur Untersuchung der Auswirkungen der Phakoemuslifikation auf das Hornhautendothel stehen derzeit nur Tierversuchsmodelle bzw. Modelle mit kultivierten Endothelzellen zur Verfügung. Letztere haben in Folge der Kultivierung diverse Nachteile: die Endothelzellen dedifferenzieren und zudem erfolgt die Kultivierung meist auf nicht elastischem und planen Plastik. Ziel war deshalb die Entwicklung eines Phakoemulsifikations-Schädigungsmodells unter Verwendung von enukleierten Schweineaugen, die anschließend in einer organotypischen Kultur für 15 Tage kultiviert wurden. Material und Methoden: Unter sterilen Bedingungen wurde an frischen Schweineaugen Phakoemulsifikations-Energie in der Pupillarebene freigesetzt (Gesamtdauer: 5 Minuten Phakoemuslifikation, Applikationsart: abwechselnd 10 Sek. Phakoemulsifikation und 10 Sek. Spülung, Aspiration: 200 mmHg, Phakoenergie: 30%). Anschließend erfolgte die Präparation von sogenannten “split corneal buttons” und die Kultivierung für 15 Tage. Die Kontrollen wurden nur kultiviert. An Tag 1, Tag 8 und Tag 15 der Kultivierung wurden die Endothelzellen mittels Lichtmikroskopie fotographiert und an Tag 15 erfolgte zusätzlich eine Färbung mit Alizarin Rot S und Trypanblau. Anschließend wurde die Zellmorphologie des Hornhautendothels und die Anzahl der Endothelzellen pro mm2 verblindet ausgewertet. Ergebnisse: Nach 15 Tagen Kultivierung wiesen die Hornhäute, welche mit Phakoemulsifikation behandelt worden waren, disseminiert Alizarin Rot S-gefärbte Areale auf, die auf eine freiliegende Descement-Membran hindeuten. Diese Areale bestanden bei den Kontrollen fast nicht. Zudem war der Endothelzellverlust bei der Phako-Gruppe signifikant höher gewesen (1217± 443 Zellen/mm² bzw. 32%) als bei der Kontrollgruppe (443± 190 Zellen/mm² bzw. 11%). Schlussfolgerung: Es wurde ein Phakoemulsifikations-Schädigungsmodell unter Verwendung von enukleierten Schweineaugen erfolgreich etabliert, das isoliert durch die Freisetzung von Phakoemulsifikationsenergie zu einem signifikanten Endothelzellverlust führt. Hierdurch können die Wirkweise der Phakoemulsifikation auf das Hornhautendothel sowie mögliche protektive Substanzen kostengünstig und ohne Tierversuche nun untersucht werden.
Referent/in: Maged Alnawaiseh (Münster)
Purpose: The aim of the study is to evaluate scheimpflug corneal densitometry in patients with amiodarone-induced keratopathy (AK). METHODS: In this study 66 patients receiving amiodarone therapy were consecutively enrolled and examined using the Oculus Pentacam®. Densitometry data in different corneal layers and in different annuli were extracted, analyzed and compared with densitometry values of 66 healthy controls. Duration of treatment, cumulative dose, Orlando-stage (slit lamp biomicroscopy), serum concentration of amiodarone and N-desethylamiodarone were also determined and the correlation to different densitometry data was evaluated. RESULTS: The total corneal light backscatter at total corneal thickness and at total diameter was significantly higher in the amiodarone-group compared with the control group (AK-group: 28.3±5.2; control group: 24.4±4.2; p < 0.001). Dividing the corneal surface into different layers at total thickness, the differences were significant in all layers (p < 0.001). The serum concentrations of the metabolite N-desethylamiodarone correlates with different densitometry values, especially in the 0-2 mm annulus in the anterior layer (r= 0.419; p= 0.001) and the cumulative dose and duration of treatment correlate significantly with the densitometry values in the 0-2 mm annulus at total thickness (p= 0.014 and p= 0.022 consecutively). CONCLUSIONS: Corneal densitometry is a useful, objective method to quantify amiodarone-induced keratopathy and can help monitoring the amiodarone therapy. The serum level of the active metabolite N-desethylamiodarone correlates with the extent of the keratopathy in the anterior layer, whereas chronic changes in the stroma correlate with the cumulative dose and duration of treatment
Referent/in: Cindy Walter (Potsdam)
Hintergrund: Die Qualität des Hornhautendothels stellt u.a. einen prognostischen Faktor für den postoperativen Verlauf nach Katarakt-Operation dar. Für das perioperative Management und die Patienten-aufklärung ist die Kenntnis darüber vorteilhaft. Prognostische Faktoren für die Wahrscheinlichkeit einer geringen Endothelzelldichte wären im klinischen Alltag hiflreich, wenn nicht routinemäßig eine Endothelzellzahl-Messung durchgeführt wird. Daher soll diese Studie herauszufinden, welche Faktoren die Endothelzelldichte beeinflussen. Methode: Die Studie umfasst 395 Augen von 216 Probanden, bei denen jeweils mit Hilfe des Non-Kontakt-Endothel-Spiegelmikroskops (SeaEagle®, Rhine-Tec GmbH) die Endothelzelldichte gemessen wurde. Zusätzlich erfolgte eine spaltlampenmikroskopische Untersuchung. Anschließend wurde die gemessene Endothelzelldichte mit den folgenden Faktoren verglichen: Alter, Geschlecht, Achsenlänge, Cornea guttata, Pseudoexfoliatio lentis (PEX), PEX-Glaukom, Glaukom und Diabetes mellitus. Ergebnisse: Das Alter der Probanden lag im Mittel bei 72 Jahren (30 bis 96 Jahre). Von den 216 Probanden waren 115 weiblich und 101 männlich. Die Endothelzelldichte betrug im Mittel 2120 (+ 217) Zellen/mm² mit einer Standardabweichung von 217 Zellen/mm². Das Verhältnis von Endothelzelldichte und Alter sowie Achslänge zeigte keine Korrelation (ρ= -0,08 bzw. ρ= -0,11; Spearman-Rangkorrelation). Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie bezüglich PEX, PEX-Glaukom und Normaldruckglaukom im Vergleich zur Kontrollgruppe (p< 0,05). Jedoch zeigten sich Signifikanzen bezüglich Cornea guttata und Diabetes mellitus mit einer jeweils geringeren Endothelzelldichte und reduziertem prozentualem Anteil an hexagonalen Zellen im Vergleich zur Kontrollgruppe (p< 0,05). Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Cornea guttata und Diabetes mellitus ist das Risiko einer niedrigen Endothelzelldichte mit vermindertem Anteil an hexagonalen Zellen erhöht, so dass diese Patienten entsprechend aufgeklärt werden sollten und das operative Setting ggf. angepasst werden kann (z.B. Wahl des Viskoelastikums). Insbesondere sollte diesen Patienten eine präoperative Endothelzellzahl-Messung empfohlen werden.
Referent/in: Jan Lübke (Freiburg)
Fragestellung: Das Marfan-Syndrom wird mittels einer Kriterienliste, der sogenannten Ghent-Kriterien, diagnostiziert. Hierbei wird zwischen Haupt- und Nebenkriterien unterschieden. Das einzige Hauptkriterium der Augen ist die Linsendislokation. Die Nebenkriterien der vergrößerten Achslänge und der abgeflachten Hornhautradien wurden in der letzten Überarbeitung der Kriterien durch Myopie > -3 dpt. ersetzt. Hornhautradien und Achslänge wirken sich beim Marfan-Syndrom gegenteilig auf die Refraktion aus. Ebenso wurde auch in gesunden Augen ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Eigenschaften des Auges beschrieben. Daher ist es sinnvoll, die Hornhautradien separat zu betrachten. Wir berichten hier über den Vergleich bezüglich der Hornhautradien zwischen einer Marfan- und einer alters- und achslängengematchten nicht-Marfan-Gruppe. Methodik: Retrospektiv wurden 74 Biometrien von rechten Augen von 74 Marfan-Patienten, die sich an unserer Klinik vorstellten, mit einer Vergleichsgruppe von 74 gesunden Patienten verglichen. Diese Vergleichsgruppe wurde mittels propensity-score-matching gebildet. Multivariate Vergleiche zwischen beiden Gruppen wurden bezüglich Hornhautradius 1 und 2 (K1 und K2) berechnet. Anschließend wurde eine Receiver operating characteristics (ROC) Kurve für K1, K2 und den Mittelwert beider K-Werte berechnet. Ergebnisse: Das mediane Alter in der Marfan-Gruppe betrug 45,3, in der nicht-Marfan-Gruppe 44,4 Jahre (p< 0,834). Die mediane Achsenlänge betrug 24,82 mm in der Marfan-Gruppe und 24,88 mm in der Kontrollgruppe (p< 0,661). Beide K-Werte zeigten statistisch signifikante Unterschiede: der mediane K1 war 8,27 mm in der Marfan- und 7,87 mm in der nicht-Marfan-Gruppe (p< 0,001), der mediane K2 war 8,23 mm in der Marfan- gegen 7,67 mm in der Vergleichsgruppe (p< 0,001). Die “area under the curve” in der ROC-Analyse war 0.82 für K1, 0,78 für K2 und 0,8 für den Mittelwert der K-Werte. Die beste Trennung zeigte sich für einen K1 >8,16 mm mit einer Sensitivität von 73% und einer Spezifität von 81%. Schlussfolgerung: Beide K-Werte zeigten statistisch signifikante Unterschiede wobei der flache Radius (K1) in unserer Untersuchung besser zwischen Marfan- und nicht-Marfan-Patienten trennt. Mit einer Sensitivität von 73% und einer Spezifität von 81% zeigte sich ein K1 von >8,16 mm als gut geeigneter Grenzwert. Da die Hornhautradien leicht und automatisierbar erhoben werden können, sehen wir diese als unterstützendes Diagnosetool für das Marfan-Syndrom.