Keynote Lecture Samstag

Samstag, 1.10.2016, 11:30 – 12:15
von Graefe Saal
Albrecht-von-Graefe-Gedächtnisvorlesung:
Augenheilkunde als medizinische Leitdisziplin

Begrüßung
Horst Helbig
Präsident der DOG

Die Albrecht-von-Graefe-Medaille als Teil der Graefe-Erinnerungskultur
Martin Rohrbach

Laudatio
Horst Helbig

Präsident der DOG

Albrecht-von-Graefe-Gedächtnis-Vorlesung:
Augenheilkunde als medizinische Leitdisziplin

Eberhart Zrenner
Tübingen

Überreichung der Albrecht-von-Graefe Medaille

Im Turnus von 10 Jahren verleiht die DOG die ­Albrecht-von-Graefe-­Medaille an Ophthalmologen, die sich heraus­ragende Verdienste um die Förderung der ­Ophthalmologie ­erworben haben.
Die Albrecht-von-Graefe-­Medaille ist die höchste Auszeichnung der DOG. Im Jahr 2016 wird sie an Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Eberhart Zrenner ­verliehen. Im Anschluss an die Verleihung hält Prof. Zrenner die Albrecht-von-Graefe-Gedächtnis­vor­lesung zum Thema Augenheilkunde als medi­zinische Leitdisziplin.

Darin wird Eberhart Zrenner darlegen, dass die Augenheilkunde in vielen medizinischen Bereichen eine Vorreiterrolle übernommen hat. Während die Ophthalmologie im 19. Jahrhundert eine medizinische Spitzenstellung durch die Sinnesphysiologie und im 20. Jahrhundert durch Mikrochirurgie und optische Medizintechniken begründete, entwickelt sie sich im 21. Jahrhundert in eine biomedizinisch-therapeu­tische Leitdisziplin. Dies zeigen die zahlreichen klinischen Studien und Ergebnisse der Anwendung der Genersatz-Therapie, der neuronalen Stammzell-Transplantation, der Neuroprotektion, der Ankopplung technischer Sensorik an Neurone der Sehbahn, der Optogenetik und der Entwicklung von „small molecules“ als Biomarker und Therapeutika, für die Beispiele vorgestellt werden. Die Augenheilkunde im deutschen Sprachraum steht dabei an vorderster Front der wissenschaftlichen Entwicklung; sie muss jedoch angesichts des beschleunigten globalen und europäischen Forschungs- und Finanzierungs-Wett­bewerbs noch eine „pole-position“ durch Schwerpunktbildung und strukturelle­ Optimierung der Forschungsmöglichkeiten speziell in der universitären Augenheilkunde erreichen.

Eberhart Zrenner, der parallel Medizin und Elektrotechnik studierte, widmete sich insbesondere der Erforschung von hereditären Netzhauterkrankungen und baute an der Tübinger Klinik ein Forschungsinstitut auf, das sich mit elektrophysiologischer, zellbiologischer und molekulargenetischer Grundlagenforschung befasst. Er entwickelte unter anderem einen Retina-Chip, mit dem blinde, an Retinitis pigmentosa erkrankte Patienten ein Orientierungssehen wiedergewinnen können. Außergewöhnlich ist insbesondere der Einsatz des gebürtigen Münchners für die Forschungsförderung in der Augenheilkunde – über viele Jahre war er Fachkollegiat für Augenheilkunde bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und er ist Chair des European Vision Institute. Darüber hinaus wurde Zrenner in zahlreiche renommierte Wissenschaftseinrichtungen wie die Leopoldina, Max-Planck-Gesellschaft und den Wissenschaftsrat berufen, er war mehrmals Dekan der Tübinger medizinischen Fakultät.