Freie Vortragssitzungen, Freitag, 30. 9. 2016

 
dt/engl
Saal 3 08:15 - 09:30 30.09.2016
Freie Vortragssitzung Fr06
Plastische Chirurgie, Lider, Orbita // Plastic Surgery, Lids, Orbita
Vorsitzende/r: Claudia Auw-Hädrich (Freiburg), Frank Schüttauf (Tübingen)

Referent/in: Annemarie Klingenstein (München)
Fragestellung: Die kombinierte PET/CT ermöglicht eine präzise Aussage über die Tumormorphologie sowie den Tumormetabolismus. Die maximale Stoffwechselaktivität wird bei der PET über den maximalen „Standardized Uptake Value“ (SUVmax) quantifiziert. Der diagnostische Wert der PET/CT wurde nun bei Patienten mit Verdacht auf ein orbitales Lymphom evaluiert. Methodik: Es wurden 11 Patienten mit Verdacht auf ein orbitales Lymphom prätherapeutisch und 7 Patienten mit gesichertem orbitalem Lymphom posttherapeutisch mittels kombinierter bzw. side-by-side Ganzkörper-PET/CT untersucht. Bei allen Patienten erfolgte eine histologische Sicherung und Klassifikation des Lymphoms (2 maligne T-Zell- und 16 maligne B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome). Es wurde auf eine Abhängigkeit des SUVmax vom Behandlungsstatus, vom Lymphomstadium (Ann Arbor Klassifikation) und vom histologischen Malignitätsgrad des Lymphoms getestet. Ergebnisse: Bezüglich der prä- und posttherapeutischen SUVmax-Werte der orbitalen Lokalbefunde zeigte sich in der PET-Komponente ein hoch signifikanter Unterschied (p< 0,001, exakter Test nach Fisher). Lymphome fortgeschrittenerer Stadien exprimierten signifikant höhere SUVmax-Werte (p=0,026, exakter Test nach Fisher). In diesem Patientenkollektiv bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem histologischen Malignitätsgrad des Lymphoms und dem SUVmax. Schlussfolgerungen: In der PET/CT lässt sich der vitale Tumormetabolismus eines orbitalen Lymphoms akkurat darstellen. Es zeigte sich in der PET nach erfolgreichem Therapieansprechen kein erhöhter Tumorstoffwechsel mehr. Dies unterstreicht den sinnvollen Einsatz der PET/CT für das Therapiemonitoring. Auch für das Ganzkörperstaging findet die PET/CT in der Lymphomdiagnostik wichtige Verwendung. Besonders Lymphome fortgeschrittener Stadien stellen sich stoffwechselaktiv dar. Auf eine histologische Probegewinnung für die adäquate Therapieentscheidung kann jedoch nicht verzichtet werden.
Referent/in: Matthias Keserü (Hamburg)
Die histologisch gesicherte Exzision stellt bei periorbitalen Basalzellkarzinomen den Goldstandard dar. Nichtsdestotrotz existieren in der klinischen Praxis immer wieder Fälle, in denen aufgrund verschiedener Ursachen eine chirurgische Lösung nicht möglich ist. Seit der Zulassung von Vismodegib zur Behandlung fortgeschrittener Basalzellkarzinome existiert eine Behandlungsalternative, über die auch der okuloplastische Chirurg in ausgewählten Fällen nachdenken sollte. Anhand mehrerer Fallbeispiele werden die Möglichkeiten, Risiken und Behandlungsstrategien mit Vismodegib bei der Behandlung periorbitaler Basalzellkarzinome erläutert
Referent/in: Polina Biletska (Kyiv)
Introduction: Traditional surgery of large marginal chalazion is associated with a high risk of scarring that leads to anatomical abnormalities of the lid margin, meibomian glands dysfunction, eyelash misgrowth and patient’s unsatisfaction. Aim: To investigate if meibomian glands probing can cure the chalazion and minimize surgical trauma. Methods: 46 years old woman with chronic blepharitis and multiple chalazia in past. She complained of painless dense formation on the edge of the upper eyelid of the left eye during last month. She used antibiotic drops without significant effect. She underwent surgical treatment of lower eyelid marginal chalazion of the right eye in 2015 with the subsequent formation of notch on the lid margin, persistent tearing and patient unsatisfaction.We performed meibomian gland probing and chalazion puncture with a Maskin’s 4mm probe under local infiltration anesthesia with articaine 4%. Content of the chalazion was expressed with Meibum expressor forceps. Chalazion cavity flushed through the Maskin’s meibomian tube with 5% Betadine solution. At the end of procedure we made injection of 0.01 ml dexamethasone 0.4% solution through the Maskin’s meibomian tube. Content of the chalazion sent to the morphological study. Topical antibiotic drops 4 times a day prescribed. Results & Discussion: The postoperative course was uneventful. Within 7 days after the procedure cosmetic and anatomical eyelid condition was satisfactory and remained so within 4 months of observation without recurrence. We believe that the proposed method of treatment is less traumatic comparing to the traditional, and in terms of healing and cosmetic effect - is more preferable for patients with a marginal chalazion. Pathology of chalazion is meibomian gland lipogranuloma with a granulomatous inflammation surrounding lipid vacuole. Drainage of the contents of the vacuole and antiseptic flush help to neutralize infection and dexamethasone inhibits the inflammatory response.This treatment is only possible in the case of chalazion location near the edge of the eyelid. Conclusions: Probing of the marginal chalazion cavity with further application of antiseptic and dexamethasone allows treatment of the inflammatory process without compromising the integrity of the mucosa, meibomian gland damage and does not lead to scarring of the eyelid margin.
Referent/in: Maria Borrelli (Düsseldorf)
Hintergrund: Meibom-Drüsen sind modifizierte Talgdrüsen in der Tarsalplatte; durch den Lidschlag scheiden sie Meibum aus und verhindern dadurch eine vorzeitige Verdunstung des Tränenfilms. Bei älteren Patienten stellt sich im Rahmen von senilen Veränderungen oft eine horizontale Laxizität des Unterlides ein. Dies kann mit einer Verringerung der Meibum-Expression einhergehen, was möglicherweise zu Symptomen eines trockenen Auges führen kann. Ziel: Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob eine laterale Zügelplastik die Meibum-Expression, Tränenfilmeigenschaften sowie Symptome des trockenen Auges beeinflusst. Methoden: Acht Patienten mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MDD) und Unterlidlaxizität (positiver Snap-Back-Test und positiver Pinch-Test) wurden vor und drei Monate nach lateraler Zügelplastik klinisch untersucht. Erhobene Parameter beinhalteten: Symptome ( durch OSDI beurteilt), Lipidschichtdicke (LLT, mit LipiView®Interferometer gemessen), Tränenfilmaufrisszeit (BUT), Tränenmeniskushöhe und bulbäre Bindehautinjektion (beurteilt durch Oculus Keratograph 5 M®), Lidrand-parallele Bindehautfalten (LIPKOFs), Schirmer-I-Test , Anzahl der exprimierbaren Meibomdrüsen (quantifiziert mit dem Meibom-Drüsen Evaluator®, TearScience) und Hornhautstippung mit Fluorescein (gemäß dem Oxford-Grading-Systemt). Die laterale Zügelplastik beinhaltete die horizontale Verkürzung des Unterlides mit Re-Fixierung des Tarsus am Periost der Innenseite der lateralen Orbitawand. Um Unterschiede zwischen den verschiedenen Subgruppen zu analysieren, wurde der t-Test verwendet. Ergebnisse: Das mittlere Alter der Patienten betrug 77,1 ± 5,2 Jahre. Sowohl die subjektiven Symptome (OSDI, von 42 ± 24 auf 23 ± 21; p < 0,005), als auch Tränenfilmaufrisszeit (von 5.5 ± 2,6 auf 10 ± 6,8; p = 0,08), LIPKOFs (von 2,9 ± 0,6 auf 2,5 ± 0,7; p < 0,05), bulbäre Bindehautinjektion (von 1,4 ± 0,5 auf 1,2 ± 0,5; p < 0,001), Tränenmeniskushöhe (von 0,8 ± 0,3 auf 0,6 ± 0,2 p = 0,06), Lipidschichtdicke (von 64,3 ± 30,4 auf 74,1 ± 27,8) und die Anzahl der exprimierbaren Meibom-Drüsen (von 5 ± 3,7 auf 7,4 ± 3 p < 0,05) verbesserten sich drei Monate nach der Operation. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass die laterale Zügelplastik durch Verkürzung und Straffung des Unterlides zur Funktionsverbesserung der Meibom-Drüsen führt und somit Anzeichen und Symptome eines trockenen Auges verbessert.
Referent/in: Falk Sommer (Dresden)
Fragestellung: Die Oberlid-Blepharoplastik gewinnt unter Berücksichtigung der Entwicklung der Alterspyramide und dem zunehmenden ästhetischen Anspruch auch jüngerer Patienten weiter an Bedeutung. Über den Lamellenkontakt sind Auswirkungen auf die Lidspannung, den Tränenfilm und die Hornhautkonfiguration möglich. Der Beitrag stellt die prä- und postoperative Hornhautkonfiguration bei Patienten dar, die sich einer Oberlid-Blepharoplastik unterzogen. Methoden: Prospektiv wurden Vorderabschnitts-Tomografie (Pentacam®) und viskoelastische biomechanische Hornhaut-Eigenschaften (ocular response analyzer, ORA®) prä- und 4 Wochen postoperativ bei 20 Patienten ausgewertet, die sich einer Oberlid-Blepharoplastik unterzogen. Ergebnisse: Die Patienten zeigten 4 Wochen nach Oberlid-Blepharoplastik eine Zunahme der cornealen Hysterese und des cornealen Resitenzfaktors jedoch keine signifikanten Veränderungen von dünnster Hornhautstelle, Hornhautastigmatismus und Kmax-Wert. Schlussfolgerung: Die Oberlid-Blepharoplastik hat Einfluss auf die mittels ORA® gemessenen biomechanischen Eigenschaften der Hornhaut jedoch keinen auf die mittels Pentacam ® ermittelten Parameter.
Referent/in: Polina Lebedeva (Minsk)
Purpose: To evaluate the clinical results of different method of surgical treatment of paralytic lower eyelid ectropion. Material and methods: The study included 61 patients (25 men (40.98%), 36 women (59.02%), mean age 56.4 years, varied from 22 to 79 years old) with paralytic lower eyelid ectropion and lagophthalmos operated on during the period from 2011 to 2016. The existence of lagophthalmos and lower eyelid ectropion ranged from 1 month to 66 years. The paralytic lower eyelid ectropion was severe – in 45 (73.77%), moderate – in 16 (26.23%) patients. Lagophthalmos value ranged from 6 to 15 mm. Cornea was involved in 37 (60.65%) cases (exposure keratitis – 19, corneal ulcers – 8, corneal perforations – 3, cornea neovascularization – 7). BCVA varied from 2/20 to 20/20 in 38 (62.29%) patients. Depending on the surgery performed, patients were divided into two groups. The 1st group consisted of 32 patients (32 eyes) who underwent lower eyelid plasty with donor tissues materials (fascia lata – 18, dura mater – 11, cartilage – 3). The 2nd group consisted of 29 (29 eyes) patients who underwent lower eyelid plasty with the use of the mesh implants (50% – prolene, 50% – monocryl, the pore size of at least 3mm). Results: The position of the lower eyelid remained stable during follow up in all patients of the 2nd group. In the 1st group we observed the sagging of the lower eyelid (1.44 ± 1.14mm). In 7 (21.87%) relapsed ectropion of the lower eyelid was revealed. The reduction of lagophthalmos grade was significantly better in the 2nd group as compared with the results in the 1st group. The value of lagophthalmos reduction was 7.7 ± 2.34 mm in the 2nd group and 5.4 ± 2.9 mm in the 1st group; p < 0.05. In the 1st group 2 (6.25%) patients subjectively qualified the results of surgery as "excellent", 21 (65.63%) – as "good" and 9 (28.12%) – as "satisfactory". In the 2nd group 11 (37.93%) patients subjectively assessed the results as "excellent", 17 (58.62%) – as "good" and 1 (3.45%) – as "satisfactory". Conclusions: The use of the mesh implant for the lower eyelid plasty provide the stability of correct eyelid position and helps to reduce the grade of lagophthalmos and tearing. The value of lagophthalmos reduction was significantly better in the 2nd group as compared with the results in the 1st group. Subjective satisfaction with cosmetic results of surgical treatment considerably improves patient’s quality of life and increases their social adaptation.
Referent/in: Ralf Ungerechts (Darmstadt)
Fragestellung: In einer retrospektiven Studie werden die Erfolgsraten der Laserdacryoplastik unter Verwendung eines Diodenlasers bestimmt und mit den Erfolgsraten unter Verwendung eines Erbium:YAG-Lasers verglichen. Die Rekanalisation erfolgt mit dem Diodenlaser bei einer Wellenlänge von 980nm durch thermische Schädigung des Gewebes, der Erbium:YAG-Laser liegt bei einer Wellenlänge von 2940nm im Bereich des Absorptionsmaximums von Wasser, eine im geschlossenen System sich entwickelnde Kavitationsblase bewirkt die Öffnung punktförmiger Stenosen. Material und Methoden: Retrospektiv wurden 94 Patienten (64 Frauen, 30 Männer, Durchschnittsalter 60,78 Jahre) mit 107 absoluten Tränenwegsstenosen in die Auswertung eingeschlossen, die im Jahr 2010 mit einer Laserdacryoplastik mittels Diodenlaser behandelt wurden. In Allgemeinanästhesie wurde zunächst eine Dacryoendoskopie der Tränenwege vorgenommen. Dacryoendoskopisch zeigten sich 40 Canaliculusstenosen und 67 Saccusstenosen, welche als punktförmige komplette Stenosen für die Öffnung mit dem Diodenlaser indiziert waren. Im Anschluss erfolgte eine bicanaliculäre Tränenwegsintubation mit einem Silikonschlauch, die im Mittel 95,45 ±37,89 Tage belassen wurde. In 75 Fällen wurde zum Zeitpunkt der Tränenwegsextubation 3 Monate postoperativ bei 65 Patienten eine Tränenwegsspülung vorgenommen, 12 Monate postoperativ wurden 61 Patienten nach dem Vorliegen von Epiphora und ihrer Zufriedenheit befragt. Ergebnisse: Nach 3 Monaten waren insgesamt 70,7% der Tränenwege spülbar, nach 12 Monaten war die Epiphora subjektiv in 62,9% der Fälle aufgehoben oder gebessert, in 60% der Fälle waren die Patienten mit dem Operationsergebnis zufrieden, es zeigte sich nur eine geringe Komplikationsrate. Nach Saccusstenosen waren die Tränenwege mit 78,7% häufiger spülbar als nach Canaliculusstenosen mit 57,2%. Prognostisch günstig waren insbesondere die Fälle, in denen sich im Spülbefund bei klarem Reflux kein Hinweis auf ein entzündliches Geschehen und eine kurze Dauer der Beschwerden fand. Schlussfolgerung: Die Laserdacryoplastik mittels Diodenlaser stellt bei ähnlichen Erfolgsraten wie die Laserdacryoplastik mittels Erbium:YAG-Laser ein komplikationsarmes minimalinvasives Verfahren zur Therapie absoluter punktueller und umschriebener Stenosen im Bereich der Canaliculi und des Tränensacks dar.
Referent/in: Madalina-Adriana Chihaia (Iasi)
Hintergrund: Bei den älteren Patienten mit hohem anästhetischen Risiko repräsentiert die Dakryo-Zystektomie eine Alternative der Dakryozystorhinostomie nach Toti. Es wird über 2 Fälle von chronischer Dakryozystitis berichtet, bei denen die Dakryo-Zystektomie durchgeführt wurde. Methode: Klinische observationelle Studie. Fall 1: Eine 81jährige Patientin mit arterieller Hypertonie, Atherosklerose, Lungenfibrose und Varizen der unteren Extremitäten stellt sich mit chronischer Epiphora, schleimig-eitrigem Sekret, entzündlicher Schwellung der Tränensackgegend an beiden Augen vor, am linken Auge stärker ausgeprägt. Fall 2: Eine 74jährige Patientin mit Hypothyreose berichtet über chronische Epiphora und eine rot-blaue Schwellung des Unterlids und der Tränensackgegend am linken Auge. Trotz der mehrmaligen topischen und systemischen Therapie mit Antibiotika und nicht-steroidaler Antiflogistika, seien die Beschwerden in den letzten 10 Monaten rezidivierend. Die Patientin verweigert die Dakryozystorhinostomie. An beiden Patientinnen wurde die Dakryo-Zystektomie unter lokaler Anästhesie (Blockade des N. infraorbitalis) durchgeführt. Intraoperativ wurde Methylenblau durch das untere Tränenpünktchen im Tränensack instilliert, gefolgt bei Hautschnitt, Dissektion der oberflächlichen Schichten, Darstellung und Trennung des Lidbändchens, Dissektion des Tränensacks mit der Lösung seiner nasalen und dorsalen Faszie aus der Tränengrube, exaktem Wundverschluß. Ergebnisse: Fall 1: Ektopischer Tränensack, der sich unter dem Lidbändchen fand. Fall 2: Großer Tränensack (7.5/14 mm), Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der lokalen Analgesie. Histopathologische Ergebnisse : trachomatöse Dakryozystitis, bzw. nicht-suppurative nicht-granulomatöse Dakryozystitis. Komplikationsloser postoperativer Verlauf mit einer leichtgradigen Epiphora, die subjektiv nicht als störend empfunden wurde. Schlussfolgerungen: Die Dakryo-Zystektomie zeigt sich als eine weniger traumatisierende Alternative der Toti-Operation. Wegen des geringeren anästesiologischen Risikos, dank der lokalen Anästhesie, kann sie bei älteren multimorbiden Patienten indiziert werden. Die sekundäre Epiphora kann eine positive Wirkung auf das Sicca-Syndrom ausüben, falls vorhanden. Die intraoperative Instillierung von Methylenblau durch das untere Tränenpünktchen erleichtert die Identifizierung und Dissektion des Tränensacks, besonders wenn seine Position ektopisch ist.